Süsskirsche Früchte

(Noch) nicht gut Bio-Kirschen essen

  • Nora Kieselbach
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Vorab die gute Nachricht: Kirschen haben wieder Saison. Die schlechte Nachricht für Bio-Liebhaber: sie sind jedoch kaum in Bio-Qualität erhältlich. Dies soll sich jedoch in Zukunft ändern, wie Michael Wahl via Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID schreibt.

In wenigen Tagen geht die Ernte für Tafelkirschen los. Im Baselbiet, dem grössten Kirschen-Anbaugebiet der Schweiz, gibt es unzählige Produzenten – jedoch nur wenige, welche in Bio-Qualität produzieren. Und dies, obwohl Grossverteiler, Konservenindustrie und Schnapsbrennereien sich um die Bio-Kirschen reissen. Bio Suisse schätzt die absetzbare Menge an Konservenkirschen auf 50 bis 70 Tonnen pro Jahr; Obstbauern produzieren indes nur rund 10 Tonnen jährlich. Noch dramatischer ist das Missverhältnis bei den Tafelkirschen: Einem Angebot von rund 10 Tonnen steht eine Nachfrage von 100 bis 200 Tonnen gegenüber.

Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt von Jahr zu Jahr. Während bei den Äpfeln das Angebot mit der steigenden Nachfrage Schritt halten konnte – die durchschnittliche Produktionsmenge hat sich in den letzten zehn Jahren auf rund 5% des gesamten Schweizer Apfelkonsums verdoppelt – liegt der Bio-Anteil bei den Kirschen bei immer noch lediglich 0,5 bis 1 Prozent. Wenn in den letzten Jahren ein Bauer auf Bioproduktion umstellte, dann oft in der Milchproduktion, während die Kirschbäume häufig vernachlässigt oder gar ausgerissen wurden.

Denn der Anbau von Bio-Kirschen galt lange als unmöglich, da die kleinen Früchte äusserst empfindlich sind. Um die Kirschen vor den ärgsten Schädlingen – Kirschenfliegen, Blattläusen und dem Fäulnispilz Monilia – zu schützen, greifen konventionell wirtschaftende Bauern zu synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Bio-Bauern ist dies allerdings nicht erlaubt.

Doch der Anbau von Bio-Kirschen ist sehr wohl machbar; nötig ist aber eine Modernisierung der Produktion. Der heute vorherrschende Anbau auf Halb- und Hochstammbäumen ist für Tafelobst nicht mehr geeignet: zu klein die Früchte, zu unrentabel die Bewirtschaftung und zu wenig planbar die Ernte.

Die Zukunft des Bio-Kirschenanbaus liegt daher in einer modernen Obstanlage mit Niederstammbäumen mit grosskalibrigen und makellosen Kirschen. Möglich macht dies unter anderem ein engmaschiges Netz, mit dem die ganze Anlage eingehüllt wird. Nicht nur als Schutz vor hungrigen Vögeln, sondern ebenso vor der gefürchteten Kirschenfliege, die ihre Eier in die kleinen Früchte legt, womit die Kirschen nicht mehr als Tafelfrüchte verkauft werden können. Die Bäume sind zudem mit einer Folie überdacht – ein Witterungsschutz, der verhindert, dass die Kirschen durch den Regen aufplatzen. Denn die grossfruchtigen Tafelkirschen sind besonders empfindlich. Das Regendach erfüllt noch einen weiteren Zweck: Frühzeitig aufgespannt, tritt dadurch der Monilia-Pilz bedeutend weniger auf. Das haben langjährige Tests ergeben. Diese zeigten auch, dass sich mittels Produktion in Obst-Anlagen über die Jahre gleichbleibende Erträge erzielen lassen. Und dass bis zu 90 Prozent der Früchte als Tafelwaren verkauft werden können – und in Bio-Qualität für deutlich höhere Preise als konventionell produzierte Kirschen.

Weitere Informationen

Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Bild: Epp (Wikimedia Commons)

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