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Neues Modell für geeignete Wildruhezonen

  • Dominique Haiden
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birkhuhnWintersport abseits der Pisten boomt – mit Folgen für die alpine Wildfauna. Ein neues Modell ermöglicht nun eine räumliche Vorhersage des Wildtier-Mensch-Konflikts. Für das Birkhuhn sind seine Auswirkungen alarmierend: Zwei Drittel des Lebensraums sind durch „Freeride“-Aktivitäten gestört. Das Modell bietet aber gleichzeitig auch eine Lösung des Konflikts: Es ermöglicht eine sorgfältige und effiziente Planung von geeigneten Winterruhezonen.

Wintersportaktivitäten abseits der Pisten stellen – insbesondere aufgrund ihrer schwer vorhersagbaren räumlichen Verteilung – nicht nur ein Problem für Wildtiere, sondern auch für die Planung von Schutzstrategien dar. Den Biologen der Universität Bern und Vogelwarte Sempach, Dr. Veronika Braunisch und Prof. Raphaël Arlettaz ist es nun gelungen, mit Hilfe von räumlichen Modellen die Auswirkungen solcher Wintersportaktivitäten auf die Raumnutzung von Wildtieren zu quantifizieren und Konfliktbereiche vorherzusagen.

Um Daten zu erhalten, ohne selbst die Tiere zu stören, fotografierten die Forschenden im Winter aus einem Kleinflugzeug die Waldgrenze entlang des Rhonetals und seiner Seitentäler auf einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern. Alle Spuren von Skifahrern, Snowboarderinnen, Schneeschuhläufern und Birkhühnern wurden in digitale Karten übertragen. Mit räumlich expliziten Modellen wurde nun das Vorkommen der verschiedenen Sportarten und Birkhühnern vorhergesagt, die Wahrscheinlichkeit eines Zusammentreffens berechnet und seine Auswirkungen quantifiziert.

Die Konfliktintensität kann räumlich dargestellt werden, was als wichtige Grundlage für die Naturschutzplanung dient“, so die Berner Forschenden: Das Modell zeigt die Zonen mit besonders hohem Konfliktpotential an, in denen Wildruhezonen in den Walliser und Waadtländer Alpen besonders wirksam sein können. Die Berner Forschenden empfehlen deshalb kleine, effektiv platzierte Gebiete anstelle von grossflächigen Wildruhezonen in teilweise ungeeigneten Lebensräumen. Erstere seien nicht nur für die Tiere von Vorteil, sondern fänden auch eine grössere Akzeptanz bei den Sporttreibenden. Bei den Walliser Behörden liegen bereits Anträge für 31 entsprechende Winterruhezonen vor.

Weitere Informationen

Universität Bern

Vogelwarte Sempach

Bild: Stéphane Mettaz

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