Es werden wieder mehr Steinkauz-Reviere gezählt. | © Mathias Schäf, SVS/BirdLife Schweiz
Es werden wieder mehr Steinkauz-Reviere gezählt. | © Mathias Schäf, SVS/BirdLife Schweiz

Der Schweizer Steinkauz-Bestand wächst weiter

  • Amanda Buol
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Der Steinkauz wäre in der Schweiz um die Jahrtausendwende beinahe ausgestorben. Seither konnte eine langsame Bestandserholung, dank Schutzmassnahmen, bewirkt werden. So vermelden BirdLife Schweiz und seine Partner eine Zunahme auf 152 Reviere. 

Während es in der Schweiz in den 1950er-Jahren noch über tausend Paare gab, war der Steinkauz um die Jahrtausendwende vom Aussterben bedroht. Der Bestand umfasste noch 50-60 Reviere in den Kantonen Genf, Jura und Tessin.

Die Überbauung seiner Lebensräume und Intensiviereung der Landwirtschaft liessen den Bestand des Steinkauz seit den 60er-Jahren abnehmen. Auch heute noch stellt die Raumplanung bzw. die Überbauung seiner Lebensräume eine ernsthafte Gefahr für den Vogel dar, obwohl gemäss Raumplanungsgesetz wertvolle Lebensräume erhalten werden müssen (RPG Art. 17). Deshalb mussten mehrfach Einsprachen gemacht werden, damit bei den Überbauungsplänen die Bedürfnisse der Natur und des Steinkauzes berücksichtigt werden, sagt Nadine Apolloni von der Vereinigung Chevêche-Ajoie.

Seit mehreren Jahrzehnten engagieren sich regionale Gruppen und BirdLife Schweiz gemeinsam mit zahlreichen Partnern, um den Bestandsrückgang der Art zu stoppen. Sie lancierten und verstärkten Schutzprojekte für die Art. Die Pflanzung von Hochstammbäumen und Hecken, die Ansaat artenreicher Magerwiesen und die Montage von Steinkauz-Niströhren gehören zu den wichtigsten Massnahmen. Dadurch konnte der Rückgang der kleinen Eule gestoppt werden. Bis 2014 nahm der Bestand in der Schweiz wieder auf das Doppelte, nämlich 121 Reviere, zu. Heute brütet der Steinkauz in den Kantonen Genf, Jura, Tessin, sowie im Seeland BE/FR. Eine baldige Wiederbesiedlung der Nordwestschweiz ist aufgrund der Steinkauzvorkommen im Elsass und in Südbaden gut möglich.

Hoher Bruterfolg dank trockenem Wetter

2016 fanden die Projektmitarbeitenden 152 Reviere. Die deutliche Zunahme führt Christian Meisser von der Groupe Ornithologique du Bassin Genevois (GOBG) auf den hervorragenden Bruterfolg 2015 zurück. Im Jahr 2015 wurden im Kanton Genf 2.5 Junge pro Brutpaar flügge. Auch in anderen Regionen der Schweiz, im grenznahen Elsass und Südbaden war der Bruterfolg hoch. Der hohe Bruterfolg war dank mardersicheren Niströhren und trockenwarmen Witterung im Sommer 2015 möglich. Zudem habe der milde Winter vermutlich dazu geführt, dass nur wenige Steinkäuze verhungerten. Im Frühling waren also mehr Käuze vorhanden, die nach einem Revier suchten, so Françoise Schmit von BirdLife Schweiz. Christian Meisser ergänzt, dass die Einrichtung von Biodiversitätsförderflächen durch Landwirte im Rahmen der Schutzprojekte ein sehr wichtiger Faktor für die Bestandserholung des Steinkauzes sei.

Trotz konstant nasser Witterung, die für die Brutsaison 2016 ungünstig sei, falle der Bruterfolg 2016 nicht allzu schlecht aus, so BirdLife Schweiz. In mindestens 84 der 152 Reviere schritten die Steinkäuze tatsächlich zur Brut. Etwa 2.25 Jungvögel pro Brutpaar flogen 2016 aus.

Mathematische Modelle identifizierten den Steinkauz als eine von denjenigen Arten, die langfristig von der Klimaerwärmung profitieren könnten. In den Schutzprojekten von BirdLife Schweiz und seinen Partnern werden verloren gegangene Lebensräume wieder hergestellt. Trotz der Bedrohung durch eine verfehlte Raumplanung und eine immer intensivere Landwirtschaft bestehen somit gute Chancen, dass der Steinkauz in der Schweiz langfristig überleben kann, sofern die Schutzprojekte fortgeführt werden.

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