© T.Hertach Uni Basel
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Neue Zikadenart in der Südschweiz und Italien entdeckt

  • Kathrin Ruprecht
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Die grössten und lautesten Insekten – die Singzikaden – sorgen immer mal wieder für Überraschungen. Dieses Mal haben Forscher der Universität Basel eine neue Art in Italien und der Südschweiz entdeckt. Die neu getaufte „Italienische Bergzikade“ (Cicadetta sibillae) hat eine Flügelspannweite von vier Zentimeter und ist eine von nur zehn Singzikandenarten in der Schweiz.

Mit ihrem dunkeln Körper und den glasigen Flügel sieht sie eigentlich aus wie alle anderen Bergzikade. Aber ihr Gesang, ein kompliziertes Muster aus Ziehlauten mit unterschiedlichen Phasen, unterscheidet sie von ihren Verwandten.  Zur Sicherstellung der Artunterschiede analysierten die Forscher darum eingehen den Gesang aber auch das Aussehen (Morphologie) und die Erbanlagen (Genetik). Die Studie der Forschungsgruppe Biogeographie der Universität Basel, hauptsächlich durchgeführt vom Team rund um den Doktorand Thomas Hertach und Prof. Peter Nagel, wurde in einem Fachblatt für Zoologie veröffentlicht.

© T.Hertach Uni Basel
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Die neu entdeckte Bergzikade, die Italienische Bergzikade (Cicadetta sibillae), lebt in lichten, warmen Laubwälder und in Magerwiesen mit vielen Sträuchern. Sie singen  auf den Sträuchern oder im Gras und ernähren sich, wie es sich für Zikaden gehört, von Pflanzensäften. Im Nordapennin ist sie sogar die häufigste Art ihrer Familie – den Singzikaden.

Die Italienische Bergzikade unterscheidet sich nur mimim von ihrer nahe verwandten Art aus den Pyrenäen, die doch 450 Kilometer entfernt ist. Vor gut 1 Million Jahre soll sie sich, während der Eiszeit, in den milderen Regionen von Italien gebildet haben.

In der Schweiz kommt Sie häufig im Tessin aber auch an zweien Orten im Bünder Misox vor. Weiter ist die Art bis nach Neapel verbreitet. Die Population im Tessin, nahe des Monte San Giorgio, ist die alpenweit grösste aber im Graubünden ist die Art so selten, dass sie vor dem Aussterben steht. Zusammen mit Pro Natura sind darum schon Schutzmassnahmen geplant.

Dass die Bergzikaden europaweit aus vielen unterschiedlichen Arten bestehen, wurde erst ab 2000 bewiesen. Obwohl der Schweizer Forscher Johann Jacob Bremi schon 1849 auf den Art typischen Gesang der Bergzikaden  aufmerksam machte, wurde dieses Wissen erst viel später zur Artunterscheidung angewendet. Die Singzikaden bezwecken mit ihren Gesängen das Anlocken der Arteigenen Weibchen. Dazu besitzen sie am Hinterleib ein Organ dessen Platten durch einen Muskel in Schwingung versetzt wird. Dabei wird der Ton durch einen Luftsack verstärkt.

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