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„Neue“ Vogelart in Südafrika erhitzt die Gemüter

  • Judith Schärer
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Die Ankündigung, man habe eine neue Vogelart, den „Tuluver“ gefunden, sorgte vor ein paar Tagen für Aufregung in Südafrika. Was es mit dem unbekannten Vogel schliesslich auf sich hatte, erhitzte jedoch das eine oder andere Gemüt.

Von einer extrem seltenen Art, welche in einer abgelegenen Gegend lebe und sich deshalb bisher vor dem Menschen verbergen konnte, sprach der südafrikanische Vogelschutz, als er bekannt gab, eine neue Spezies entdeckt zu haben. Der erstmals beobachtete Vogel wurde unter dem Namen „Tuluver“ vorgestellt und es wurde erklärt, er fülle wohl eine wertvolle ökologische Nische und habe somit eine essentielle Funktion inne. Umso tragischer sei es, dass der erst gerade entdeckte Vogel wohl schon als bedrohte Art gelte. Die Neuankündigung verbreitete sich wie ein Lauffeuer und die südafrikanischen Medien erreichten mit der Nachricht hunderttausende Interessierte.

Nach einigen Tagen lüftete dann BirdLife das Geheimnis um den mysteriösen Vogel: Die Geschichte war reine Fiktion! In einem Video erklärte die Vogelschutzorganisation ihre tatsächliche Absicht: Den Schutz der Geier, deren Bestand sich weltweit in eine besorgniserregende Richtung entwickelt. Der Name „Tuluver“ ist ein Anagramm von „Vulture“ (Geier), das veröffentlichte Bild war ein Produkt von Photoshop. BirdLife wollte im Hinblick auf den internationalen Tag der Geier am 5. September auf deren Bedrohung und wichtige Stellung im Ökosystem hinweisen. Auch schon in früheren Jahren machte BirdLife immer wieder auf diese Problematik aufmerksam (wir berichteten).

Voller Erfolg oder am Ziel vorbeigeschossen?

Aus Sicht der Öffentlichkeitswirkung war die Aktion ein voller Erfolg. Allerdings wurde am Vorgehen von BirdLife South Africa auch Kritik laut. Man könne den Meldungen in Zukunft nicht mehr trauen, wurde argumentiert. Auch, dass der Vogelschutz ankündigte, die Neuentdeckung werde bald in einem renommierten Wissenschaftsjournal dokumentiert, wurde kritisiert.  Dazu meinte der CEO von BirdLife South Africa, Mark D. Anderson, manchmal sei es notwendig, zum Schutz eines höheren Gutes aus bewährten Denkmustern auszubrechen, und festigte so seine Haltung gegenüber der Aktion. 

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