© Marcel Burkhardt
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Neue Rote Liste der Vögel Europas zeigt: Die Schweiz trägt Verantwortung

  • Kathrin Ruprecht
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Von den rund 200 Brutvogelarten der Schweiz sind mehr als die Hälfte aktuell oder potenziell gefährdet. 14 Vogelarten unseres Landes sind sogar europaweit bedroht, wie die heute veröffentlichte Rote Liste der Vögel Europas zeigt. Der Naturschutzverband Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte, welche für das Europäische Projekt die Grundlagendaten aus der Schweiz lieferte, wollen deshalb ihre Förderprogramme für Arten wie den Kiebitz und andere europaweit gefährdete Arten verstärken.

Die heute von einer Arbeitsgemeinschaft unter Führung von BirdLife International publizierte Rote Liste der Vögel Europas zeigt, dass von den 533 Vogelarten des Kontinents 67 vom Aussterben bedroht und weitere 32 potenziell gefährdet sind, schreibt SVS/BirdLife Schweiz. Das sind zusammen 19 Prozent aller Arten. Zum Vergleich: In der Schweiz sind aktuell sogar 55 Prozent aller Brutvogelarten gefährdet oder potenziell gefährdet. Die hauptsächlichen Gefährdungsursachen für die Vögel sind der Lebensraumverlust, insbesondere die Verschlechterung der Lebensraumqualität im Landwirtschaftsland, sowie der Klimawandel.

Verantwortung der Schweiz

14 europaweit bedrohte Arten brüten auch in der Schweiz. „Für ihr Überleben trägt unser Land deshalb eine grosse Verantwortung“, sagt Verena Keller von der Schweizerischen Vogelwarte, Koordinatorin der Roten Liste in der Schweiz. Im Landwirtschaftsland, das sich als Lebensraum nach wie vor verschlechtert, steht zum Beispiel der Kiebitz unter grossem Druck. Wegen der Verschlechterung der Lebensräume schwinden die Bestände von Turteltaube und Wiesenpieper. Vom Klimawandel und von den Änderungen in der Landnutzung im Berggebiet betroffen sind schliesslich das Alpenschneehuhn und das Steinhuhn.

Erfolg bei gezieltem Handeln

Die neue Europäische Rote Liste zeigt aber auch, dass mit umfassendem Biodiversitätsschutz Erfolge erzielt werden können. „Seit der letzten Version von 2004 konnten zwanzig damals europaweit gefährdete Arten von der Liste gestrichen werden, weil ihre Bestände nicht mehr als gefährdet beurteilt werden müssen“, so Werner Müller, Geschäftsführer des SVS/BirdLife Schweiz. Den meisten von ihnen konnten gezielte Artenförderungsprogramme helfen, die unter anderem die BirdLife-Partner in den verschiedenen Ländern umsetzen. In der Slowakei, in Ungarn und in Polen wurden diese Programme unterstützt durch den SVS/BirdLife Schweiz.

Solche Artenförderungsprogramme gibt es auch in der Schweiz, zum Beispiel für den in ganz Europa gefährdeten Kiebitz. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte setzen mit lokalen Partnern Fördermassnahmen an den Kiebitzbrutplätzen um. Gemeinsam haben sie erreicht, dass der Kiebitzbestand nicht mehr wie bisher stark zurückgeht, sondern in den letzten Jahren sogar wieder etwas zunahm.

Künftig braucht es auch für weitere national prioritäre Vogelarten der Schweiz Artenförderungsprogramme. Deshalb wollen der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte nun zusammen mit Bund und Kantonen die Artenförderungsprogramme verstärken.

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