Der Japanische Staudenknöterich ist ein alt bekannter, invasiver Neophyt - doch es gibt noch weitere. | © Maja Dumat [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Der Japanische Staudenknöterich ist ein alt bekannter, invasiver Neophyt - doch es gibt noch weitere. | © Maja Dumat [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Neue Neophyten haben die Landesgrenzen überschritten

  • Mélanie Guillebeau
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Gebietsfremde Arten, auch bekannt als Neophyten, scheinen sich bei uns vermehrt wohlzufühlen – in manchen Fällen auf Kosten einheimischer Arten. Die neueste Ausgabe des info flora plus stellt ein paar Beispiele dieser neuen Neuankömmlinge vor. 

Der Originalartikel wurde in der botanischen Zeitschrift „info flora plus“ (Ausgabe Nr. 6 2017) von Info Flora veröffentlicht. 

Klimaerwärmung begünstigt Ausbreitung

Nach Schätzungen der Europäischen Union haben sich auf unserem Kontinent rund 12’000 Neophyten aus den Reichen der Tiere und Pflanzen etabliert – was bedeutet, sie können ihr Fortbestehen ohne menschliches Zutun garantieren. Der Klimawandel erleichtert häufig das Erschliessen des nicht angestammten Lebensraums. Im Idealfall geht die Ausbreitung von Neuankömmlingen völlig unbemerkt und ohne Gefährdung der heimischen Flora oder Fauna vonstatten. Neophyten können aber auch den Verlust der lokalen Biodiversität verursachen, wodurch erhebliche ökologische und ökonomische Schäden entstehen. In diesem Fall ist von invasiven Neophyten die Rede. Aufgrund des invasiven Potenziales ist es wichtig, Neuankömmlinge früh zu erkennen, stets zu beobachten und wenn nötig Massnahmen zu deren Eindämmung zu ergreifen.

Rund 1000 Neophyten in der Schweiz

Die Datenbank von Info Flora zählt rund 1000 gebietsfremde Arten, die sich in der Schweiz niedergelassen und teils bereits etabliert haben. Im Folgenden möchten wir Ihnen Auswahl der seit 2010 erfassten Neuankömmlinge vorstellen:

Die Verschiedensamige Melde (Atriplex micrantha Ledeb.)
Diese Art wurde bereits 260 Mal von 13 unabhängigen Beobachtern gemeldet, womit sie der Spitzenreiter unter den Neuankömmlingen ist. Sie stammt ursprünglich aus Mittelasien und zeichnet sich durch eine hohe Salztoleranz aus. Dies ermöglicht ihr die Ausbreitung entlang von Strassen, womit sie sich womöglich den Weg in die Schweiz gebahnt hat. Sie bevorzugt Ruderalstandorte, welche sich aus brachgelegenen, früher aber intensiv genutzten, Flächen zusammensetzen.

Die Verschiedensamige Melde hat sich mehrheitlich entlang von Strassen verbreitet. | © Info Flora
Die Verschiedensamige Melde hat sich mehrheitlich entlang von Strassen verbreitet. | © Info Flora

Sie wird bis zu 2.5 Meter hoch, hat dreieckige, buchtig gezähnte Blätter und zeichnet sich durch zwei verschiedene Samentypen aus: gelb-braune flach gedrückte und schwarze rundliche.

Die Blätter der Verschiedensamigen Melde sind buchtig gezähnt. | © Matt Lavin [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Blätter der Verschiedensamigen Melde sind buchtig gezähnt. | © Matt Lavin [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Das Japanische Reisfeld-Schaumkraut (Cardamine occulta Hornem., Synonym:
C. exuosa subsp. debilis O. E. Schulz)
Das Reisfeld-Schaumkraut zählt bereits 78 Meldungen von 11 verschiedenen Beobachtern aus den Gebieten um den Genfersee und in den Regionen Bern und Zürich sowie im Tessin. Als blinder Passagier hat sich diese Art – eigentlich ein Unkraut in Reiskulturen – in unseren Gebieten ausgebreitet. Im Unterschied zu anderen Schaumkräutern fehlt die grundständige Blattrosette. Der Stängel dieser Art ist kahl oder nur wenig behaart.

Das Japanische Reisfeld-Schaumkraut hat dreilappige Fiederblättchen und einen kahlen Stiel. | © nofrills [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Das Japanische Reisfeld-Schaumkraut hat dreilappige Fiederblättchen und einen kahlen Stiel. | © nofrills [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Der Japanische Angelikabaum (Aralia elata (Miq.) Seem.)
Die Beobachtungen für den Japanischen Angelikabaum, auch Aralie genannt, sind im Vergleich zwar weniger zahlreich (27 Meldungen von 9 Beobachterinnen), aufgrund des invasiven Status in anderen Gebieten sollte die Art aber genau beobachtet werden. Er kann begrenzte Flächen dank der vegetativen Verbreitung mit Schösslingen und der hohen Samenproduktion rasch erobern. Ausserdem sind seine blauschwarzen, beerenartigen Steinfrüchte bei Vögeln ein beliebtes Nahrungsmittel, wodurch eine gebietsübergreifende Ausbreitung ermöglicht wird.

Die beerenartigen Steinfrüchte des Japanischen Angelikabaums werden gerne von Vögeln gegessen. | © Wendy Cutler [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die beerenartigen Steinfrüchte des Japanischen Angelikabaums werden gerne von Vögeln gegessen. | © Wendy Cutler [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Der Habitus dieser Zierbaumart ist sehr typisch, schlank und mehrstämmig, mit bis zu einem Meter langen, doppelt gefiederten Blättern. Von Juli bis August können zahlreiche kleine, weissliche und endständige Blüten beobachtet werden. Seine ursprünglichen Verbreitungsgebiete sind Ostsibirien, Japan und Korea.

Die Blätter der Aralie können bis zu einem Meter lang werden und verfärben sich im Herbst rötlich-gelb. | © Dietmut Teijgeman-Hansen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Blätter der Aralie können bis zu einem Meter lang werden und verfärben sich im Herbst rötlich-gelb. | © Dietmut Teijgeman-Hansen [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

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