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Neue Chance für Rebhuhn

  • Barbara Darani
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091008_rebhuhn_g Foto: © Markus Jenny

Beinahe wäre das Rebhuhn in der Schweiz ausgestorben. Nach jahrelangem Einsatz durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach und den Kanton Genf ist westlich von Genf im Landwirtschaftsgebiet dank umfangreichen ökologischen Aufwertungen ein attraktiver Lebensraum entstanden. In der Champagne genevoise soll nun wieder ein Bestand von Rebhühnern aufgebaut werden. Den Grundstock bilden junge gezüchtete Rebhühner, die im Herbst freigelassen werden. Die Freilassungen werden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach durchgeführt und wissenschaftlich begleitet.

Die jungen Rebhühner sind startbereit. In wenigen Wochen werden die dann gut drei Monate alten Tiere ihren neuen Lebensraum in Besitz nehmen. Ihre neue Heimat westlich von Genf bietet alles, was Rebhühner brauchen. Sie bekommen hier eine zweite Chance. Weites offenes Ackerland hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Lebensraum entwickelt. Neben den Anbauflächen bieten die angelegten Buntbrachen und Hecken dem Rebhuhn Nahrung und Unterschlupf. Ohne das grosse Engagement der Vogelwarte und des Kantons Genf würde das Rebhuhn ganz aus der Westschweiz verschwinden.

Entstanden sind 40 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen in Form von Brachen. Landwirte, Gemeinden, der Kanton Genf und die Schweizerische Vogelwarte Sempach haben diese Pionierarbeit geleistet. Die naturnahen Strukturen bewirkten bei diversen Vogelarten markante Bestandszunahmen, auch bei seltenen Arten wie Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke, Orpheusspötter und Grauammer. Für das Rebhuhn kam die Lebensraumaufwertung jedoch zu spät. Die paar wenigen verbliebenen Individuen reichten nicht aus für eine Bestandserholung.

Mit der Auswilderung von in diesem Sommer gezüchteten Rebhühnern soll jetzt ein neuer Bestand heranwachsen. Vor der Freilassung werden die Rebhühner mit individuell nummerierten Ringen und Miniatursendern versehen. Der noch fragile Bestand wird von den Fachleuten aus Sempach laufend überwacht, dank der Miniatursender kann der Standort jedes einzelnen Vogels mit der Peilantenne über mehrere Monate genau eruiert werden.

Von allen einheimischen Vogelarten produziert das Rebhuhn die grössten Gelege: Bis zu 20 Eier legt das Weibchen in sein Nest. Doch dieser Rekord konnte die Vogelart nicht vor dem Niedergang bewahren. Denn das Rebhuhn kommt mit der modernen Landwirtschaft nicht zurecht. Auf den grossen, eintönigen Agrarflächen findet es kaum mehr Sämereien von Wildkräutern als Nahrung. Auch die als Deckung wichtigen Hecken sind vielerorts verschwunden. Und die eingesetzten Pestizide vernichteten die für die Jungen so wichtige Insektennahrung. Von mehr als 10’000 Vögeln in den 1960er-Jahre sank der schweizerische Bestand auf je eine Handvoll Individuen in den Kantonen Genf und Schaffhausen. Ohne umfassende Fördermassnahmen durch ökologische Aufwertungen des Lebensraums und Freilassungen gezüchteter Vögel würde das Rebhuhn innert Kürze für immer aus der Schweiz verschwinden.

Schweizerische Vogelwarte Sempach

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