Buntbrache mit Klatschmohn

Agrarpolitik: Umwelt zu wenig berücksichtigt

  • Benjamin Kämpfen
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Buntbrache mit KlatschmohnDer Bundesrat hat die Botschaft für die Agrarpolitik 2014-2017 (AP 14-17) verabschiedet. Er will die Innovation in der Land- und Ernährungswirtschaft stärker unterstützen, die Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern und die gemeinwirtschaftlichen Leistungen gezielter fördern. Kernelement der AP 14-17 ist das weiterentwickelte Direktzahlungssystem. Zur finanziellen Unterstützung der Landwirtschaft sind für die Periode 2014 bis 2017 insgesamt 13,670 Milliarden Franken vorgesehen. Die neue Agrarpolitik ist grundsätzlich etwas ökologischer ausgerichtet. Allerdings will der Bundesrat nach wie vor rund zwei Drittel der Direktzahlungen nach dem Giesskannenprinzip verteilen.

Auch wenn die neue Agrarpolitik in eine umweltfreundlichere Richtung weist, kritisiert Pro Natura die Botschaft als „halben Reformschritt“. Bemängelt wird der bereits bis anhin mangelhafte ökologische Leistungsausweis der Schweiz. Besonders die stärkere Fokussierung auf die Versorgungssicherheit und damit die Kalorienproduktion wird kritisiert: «Schon heute werden für jede in der Schweiz produzierte Kalorie mehr als zwei Kalorien in Form von Treibstoffen, Dünger, und weiteren Inputs eingesetzt. Das ist teuer subventionierte Ineffizienz», kritisiert Marcel Liner, Pro Natura Landwirtschaftsexperte.

Besonders vor dem Hintergrund der anhaltenden Gefährdung der Biodiversität ist für den Schweizer Vogelschutz/SVS BirdLife Schweiz unverständlich, dass für Biodiversitätsförderflächen tiefere Versorgungssicherheitsbeiträge vorgesehen sind, als auf den übrigen Flächen. Der SVS fordert, dass dies rückgängig gemacht wird und dass die Kürzung der Biodiversitätsbeiträge mit zunehmender Höhenlage vollständig aufgehoben werden. Besonders im Berggebiet ist der im Vergleich mit den niedrigeren Lagen bessere Zustand der Biodiversität stark gefährdet. Aus Sicht des SVS sind für die Bereiche Landschaft, Biodiversität und nachhaltige Nutzung der Ressourcen zu wenig Mittel vorgesehen, um die hier bestehenden grossen Ziellücken zu schliessen. So musste z.B. letztes Jahr die Feldlerche, eine vor noch 40 Jahren sehr häufige Kulturlandart mit geringen Ansprüchen an die Ökologie auf die Rote Liste der bedrohten Arten gesetzt werden.

Bio Suisse begrüsst in einer Stellungnahme den vorgeschlagenen Systemwechsel hin zu mehr Leistungsorientierung. Mit der geplanten leichten Erhöhung der Direktzahlungen für Bioackerbau und Biospezialkulturen sowie der Einführung von Beiträgen für die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion mache der Bundesrat zwei kleine, notwendige Schritte hin zu einer nachhaltigen Produktion.

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Foto: SVS/BirdLife Schweiz

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