mit MM von Natur- und Tierpark Goldau
Die Wisentkuh Kirstin | © Natur- und Tierpark Goldau

Neuankömmling bei den Wisenten

  • Cécile Villiger
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Der Natur- und Tierpark Goldau kann mit seiner Wisentzucht auf eine erfolgreiche Tradition zurückblicken. Seit 15 Jahren werden regelmässig Wisente aus seiner Nachzucht für Wiederansiedlungsprojekte oder Zuchtprojekte abgegeben.

Die anfangs des 20. Jahrhunderts ausgerotteten europäischen Bisons konnten nur dank der Erhaltungszucht in Zoos und Tierparks überleben. Bereits in den 50-er-Jahren des letzten Jahrhunderts begann Polen, in einem Nationalpark Wisente auszuwildern. Die grossen Waldgebiete in den Ländern Polen, Slowakei, Ukraine, Russland und Rumänien bieten den grössten Landsäugern Europas ideale Bedingungen für eine Wiederansiedlung. Die ersten beiden Jungwisente aus der Goldauer Zucht wurden durch die Tierparkmitarbeiter eigenhändig im Juni 2004 in die Slowakei gefahren. Weitere Wiederansiedlungen folgten in den Jahren darauf in Rumänien und in Polen. Heute leben dank des Wiederansiedlungsprojekts in den Wäldern Osteuropas wieder mehr als 2000 Wisente.

Ein Wiederansiedlungsprojekt ist jedoch nur erfolgreich, wenn die Erhaltungszucht auf einer breiten, gesunden genetischen Basis steht. Dies erfordert ein international organisiertes Zuchtmanagement mit einem regelmässigen Austausch von Zuchttieren. Die Wisente des Natur- und Tierparks Goldau sind von der Erbsubstanz her sehr wertvoll für die Erhaltungszucht. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige Auswahl von neuen Tieren besonders wichtig. Im Kieler Tiergehege fand man eine passende Nachfolgerin.

Während knapp zwei Wochen war die junge Wisentkuh Kirstin der erste Grosstiergast in der Quarantänestation des Tierparks Goldau. Wisente haben Feuer im Blut: Sie vereinigen Vorsicht, Schreckhaftigkeit, Sensibilität, Kraft und Schnelligkeit in sich, was für die Unterbringung und Betreuung der Tiere hohe Anforderungen an die Quarantänestation und vor allem an das Betreuungspersonal stellt. Die Wisentkuh wurde ohne Narkose dazu gebracht in die Transportkiste zu steigen und in den Park überführt.

Die Aktion lief perfekt ab, und das Tier sprang bereits nach kurzer Zeit völlig stressfrei in sein neues Quartier. Einige Stunden später wurde der Zwischenzaun, der die Goldauer Wisentgruppe noch von der neuen Wisentkuh abtrennte, geöffnet, und die Neuangekommene wurde in gutschweizerischer Manier, das heisst etwas distanziert, begrüsst. Nach wenigen Tagen hat die neue Wisentkuh ihren Platz in der Gruppe gefunden, der Start in die nächste Generation der Erhaltungszucht ist geglückt.

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