Wir alle kennen ihn: Den Buddleia. Doch dass es sich um einen invasiven Neophyt handelt, der ganze Uferabschnitte überwuchern und die einheimische Flora verdrängen kann, wissen nur wenige. © BirdLife Schweiz.
Wir alle kennen ihn: Den Buddleia. Doch dass es sich um einen invasiven Neophyt handelt, der ganze Uferabschnitte überwuchern und die einheimische Flora verdrängen kann, wissen nur wenige. © BirdLife Schweiz.

Neophyten: Die Einen bekämpfen sie, die Anderen verkaufen sie

  • Stefanie Wermelinger
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Seit Jahrzehnten kämpfen Naturschutzorganisationen, Gemeinden, Kantone und Bund in mühsamer Arbeit und mit Einsatz von Steuergeldern gegen exotische invasive Pflanzen, welche die einheimische Artenvielfalt bedrängen. Gleichzeitig werden diese exotischen Pflanzen aber in Gartencentern angeboten und von Gärtnereien in grossem Stil gepflanzt.

Neophyten sind vom Menschen eingeführte oder eingeschleppte Pflanzenarten, die ursprünglich in Mitteleuropa nicht heimisch waren. Die meisten Neophyten sind für die Artenvielfalt kein Problem. Einige Arten aber – die sogenannten invasiven Neophyten – vermehren sich sehr stark und überwuchern in rasantem Tempo auch Flächen, die unter Naturschutz stehen, wie Birdlife Schweiz berichtet. Dadurch bedrängen sie die teils seltenen und bedrohten einheimischen Arten, und die Artenvielfalt und Biodiversität geht zurück. Vögel verbreiten z.B. die Beeren der Kirschlorbeerpflanzen aus den Gärten in die Wälder, wo sich die Pflanze dann auf Kosten der einheimischen Arten rasant ausbreiten kann.

Mühsame Bekämpfungsarbeit

Seit Jahrzehnten kämpfen nicht nur die Sektionen von BirdLife Schweiz, sondern auch viele weitere Akteure mit unzähligen Feldeinsätzen unter mühsamer Handarbeit gegen invasive Neophyten. Damit soll verhindert werden, dass Goldruten, drüsiges Springkraut und Co. alles überwuchern und den Wert dieser Gebiete für die Artenvielfalt massiv reduzieren. Manche invasive Arten sind auch für die menschliche Gesundheit problematisch. Bund, Kantone und Gemeinden setzen viele Steuergelder für diesen Kampf ein.

Arten der schwarzen Liste stehen in den Gartencentern zum Verkauf

Es gibt für die Schweiz eine «Schwarze Liste» mit denjenigen invasiven Neophyten der Schweiz, die in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit oder Ökonomie Schäden verursachen. Die Ausbreitung dieser Arten muss verhindert werden. Auf dieser Liste stehen Arten wie Buddleja, Kirschlorbeer oder Robinie – alles Arten, die in Gartencentern immer noch zum Verkauf stehen und von Gärtnereien verwendet werden. BirdLife Schweiz fordert vom Bund, dass weitere problematische Neophyten auf die Liste der verbotenen invasiven gebietsfremden Organismen gesetzt werden. Ausserdem appelliert die Naturschutzorganisation an alle Verkaufsstellen, die Pflanzenarten der Schwarzen Liste aus dem Sortiment zu nehmen. Auch kann sich jedermann vor einem Pflanzenkauf informieren, welche Arten problematisch sind und darauf verzichten.

Vögel verschleppen die Beeren der Kirschlorbeeren aus den Gärten in den Wald, wo dieser invasive Neophyt sich dann ausbreitet. © Birdlife Schweiz.
Vögel verschleppen die Beeren der Kirschlorbeeren aus den Gärten in den Wald, wo dieser invasive Neophyt sich dann ausbreitet. © Birdlife Schweiz.

Vier Beispiele zu bekannten invasiven Neophyten, die man auch im einen oder anderen Garten finden kann, finden Sie im unteren Abschnitt:

Das Einjährige Berufkraut

Ursprünglich ist das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus), in Nordamerika beheimatet. Bei uns hat sich die Pflanze von Schuttplätzen und Ruderalfluren aus immer weiter ausgebreitet und bedrängt nun die einheimische Flora. Die Pflanze sollte ausgerissen werden, bevor die Samen reif sind. Mähen hilft bei der Bekämpfung nicht, da sie dann schnell wieder austreiben.

Das Einjährige Berufskraut gleicht vom Aussehen der Kamille. Ein Unterschied ist, dass das Berufskraut ungeiteilte grob gezahnte Blätter hat. © pixabay.
Das Einjährige Berufskraut gleicht vom Aussehen der Kamille. Ein Unterschied ist, dass das Berufkraut ungeteilte, grob gezahnte Blätter hat. © pixabay.

Das Drüsige Springkraut

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) stammt ursprünglich aus dem Gebiet des Himalaja, wurde aber in der Schweiz als Zierpflanze angepflanzt und verwilderte. Im Unterschied zu dem einheimischen Wald-Springkraut ist die Blütenfarbe des Drüsigen Springkrauts rosa, die Pflanze wird bis über zwei Meter gross und hat kleine Drüsen an den Sprossen. Das einheimische Wald-Springkraut hingegen ist gelb und kleiner. Das Drüsige Springkraut vertreibt einheimische Pflanzen, vor allem entlang von Gewässern und in feuchten Wäldern. Die Bekämpfung ist verhältnismässig leicht: Die einjährigen Pflanzen versamen jedes Jahr neu – mehrfaches Mähen oder Ausreissen unterbricht diesen Fortpflanzungszyklus.

Das drüsige Springkraut bildet bis zu 4'000 Samen pro Jahr. Mittels die Samenkapsel können die einzelnen Samen bis zu 7 Meter weggeschleudert werden. © pixabay.
Das drüsige Springkraut bildet bis zu 4’000 Samen pro Jahr. Mittels der Samenkapsel können die einzelnen Samen bis zu 7 Meter weit weggeschleudert werden. © pixabay.

Die Goldruten

Es ist anzunehmen, dass unter den invasiven Neophyten die Goldruten wohl am weitesten verbreitet sind. Zwei Arten kommen bei uns häufig vor, die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und die Spätblühende Goldrute (Solidago gigantea). Die Ausbreitung der Pflanze erfolgt sowohl oberirdisch, durch flugfähige Samen, als auch unterirdisch über die Rhizome. Schon kleine Wurzelstücke reichen aus, um neue Pflanzen wachsen zu lassen. Die effektivste Bekämpfungsmethode ist das Ausreissen, grössere Bestände können auch zweimal im Jahr gemäht werden.

Der am häufigsten anzutreffende Neophyt in der Schweiz: die Goldrute. Rund 12'000 Samen können von einem Spross gebildet werden. ©pixabay.
Der am häufigsten anzutreffende Neophyt in der Schweiz: die Goldrute. Rund 12’000 Samen können von einem Spross gebildet werden. ©pixabay.

Das Schmalblättrige Greiskraut

Dieser invasive Neophyt hat seine Wurzeln in Südafrika und ist wahrscheinlich als blinder Passagier bei Wollimporten in die Schweiz gebracht worden. Das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) wächst vorzugsweise entlang von Strassen und Eisenbahnlinien. Die Pflanze kann für Mensch und Tier gefährlich werden, da sie giftig ist. Vor allem die Ausbreitung auf Getreidefeldern und Weideflächen ist deshalb problematisch. Am Besten ist es die Pflanze vor der Samenbildung auszureissen, was jährlich mindestens fünf Durchgänge erfordert.

Das schmalblättrige Greiskraut ist giftig und darf daher nicht im Heu enthalten sein. © Kristian [CC BY-SA 3.0], via wikimedia commons.
Das schmalblättrige Greiskraut ist giftig und darf daher nicht im Heu enthalten sein. © Kristian Peters [CC BY-SA 3.0], via wikimedia commons.
Weitere Informationen zu den Neophyten im Allgemeinen finden Sie hier.

Aga - Trigon Film

4 Kommentare

  • Hansjörg Sutter-Schiebli

    Falls Sie aus dem Gartenbau kommen, verstehe ich Ihre Ansicht völlig. Falls nicht, dann nicht.

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  • Pingback: Neophyten scheiden die Geister – KORINA klärt auf – Naturgebloggt

  • Uwe Scheibler

    Dieser Beitrag, wie einige andere zum selben Thema, bezeugt leider ein mangelhaftes und ideologisiertes Verständnis grundlegender vegetationsökologischer Prozesse. Und mit Naturschutz hat das schon gar nichts zu tun, viel eher mit einer botanischen Form des Fremdenhasses. Man fragt sich, wo die Triebkräfte dafür herkommen …

    Für das ansonsten mit wertvollen Infos glänzende Portal eine mehr als ärgerliche Peinlichkeit!

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    • Ueli Beetschen

      Invasive Neophyten haben sich in der Schweiz nicht suksezive eingebürgert, auch ist deren Begleitflora und -fauna nicht mit eingewandert. Sie sind also isoliert und artfremd und verhalten sich invasiv, so dass sie die einheimische Flora und Fauna verdrängen. Ihr Einfluss könnte man durchaus mit der menschlichen Infrastruktur oder Landwirtschaft vergleichen, sie zerstören viele Lebensräume und unterbrechen je nach Grösse und Art deren Vernetzung, sie sind der einheimischen Tierwelt nutzlos oder sogar giftig, und vor allem haben sie dadurch keine natürlichen Feinde, welche den Bestand regeln könnten.
      Das ökologische Gleichgewicht wird durch eine vielzahl verschiedener Organismen hergestellt und nicht durch ein paar wenige invasive Arten; durch diese wir es gestört.
      Unwissenschaftlich und ideologisch ist es nun, diese Zusammenhänge als Ideologie und Fremdenhass zu nennen und deren Ursachen und Auswirkungen zu ignorieren.


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