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Eine frisch geschlüpfte Drohne (männliche Honigbiene) auf einer Wachswabe. | © Geoffrey Williams, Universität Bern / Agroscope.

Neonikotinoide beeinträchtigen Drohnen

  • Amanda Buol
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Die Fortpflanzungsfähigkeit von männlichen Honigbienen kann durch zwei Neonikotinoide geschädigt werden. Diese Insektizide verkürzen die Lebensdauer von männlichen Bienen und reduzieren die Anzahl ihrer lebenden Spermien. Beide Neonikotinoide sind in Europa teilweise verboten. Berner Forschende, zusammen mit Partnern in Thailand und Deutschland, fordern eine gründlichere Risiko-Abschätzung dieser Insektizide für die Umwelt.

Erstmals wurde in einer Studie die Auswirkungen von Neonikotinoiden auf Drohnen. Wie Forschende der Universität Bern und Agroscope, zusammen mit Kollegen in Thailand und Deutschland herausgefunden haben, verkürzen Neonikotinoide unbeabsichtigt die Lebensspanne von Drohnen und reduzieren die Anzahl ihrer lebenden Spermien. Weil das Überleben und die Leistungsfähigkeit der Bienenkönigin von der erfolgreichen Begattung mit Männchen abhängt, hat eine schlechte Spermienqualität schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Königin und somit der ganzen Kolonie.

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Fluoreszenzmikroskopie-Aufnahme von lebenden (grün-blau gefärbt) und toten (rot gefärbt) Spermien von Drohnen. | © Lars Straub, Universität Bern

Es ist bekannt, dass verschiedene Faktoren die Bienengesundheit beeinträchtigen, wie Parasiten, schlechte Ernährung aber auch Agrochemikalien. So weisen bisherige Studien darauf hin, dass die Chemikalien sowohl tödliche als auch nicht-tödliche Auswirkungen auf die weibliche Honigbienen haben. Bis heute war aber nichts über die Auswirkungen auf Männchen bekannt.

In einer gerade publizierten Studie im Journal Proceedings of the Royal Society of London B: Biological Sciences konnten Forschungsgruppen des Institute für Bienengesundheit und Veterinary Public Health der Universität Bern, dem Zentrum für Bienenforschung der Agroscope gemeinsam mit Kollegen der Chiang Mai Universität, der Mae Fah Luang Universität (Thailand) und der Universität Koblenz- Landau (Deutschland) nachweisen, dass auch männliche Bienen durch die Neonikotinoide Thiamethoxam und Clothianidin geschädigt werden.

«Zusammen mit weiteren Studienergebnissen und der Bedeutung, die männliche Honigbienen für die Fortpflanzung der Gattung haben, unterstreichen unsere Resultate die Dringlichkeit von Risikoabschätzungen der Agrochemikalien, um die Biodiversität und Öksysteme zu erhalten»

Ko-Autor Peter Neumann, Leiter vom Institut für Bienengesundheit

Bereits 2013 wurde vorsorglich die breite Anwendung der drei Wirkstoffe Thiamethoxam, Clothianidin und Imidacloprid in Europa stark eingeschränkt, um die Auswirkungen auf die Bienengesundheit genauer zu untersuchen. In Anlehnung an die EU wurde der Einsatz dieser Neonikotinoide in der Schweiz ebenfalls teilweise verboten. Aktuell ist eine neue Abklärung durch die Bewilligungsbehörden Europas im Gang.

Hier geht es zur Studie »

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