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    Naturschutzgebiet „Choller“ zwischen Zug und Cham

    • Silvan Kaufmann
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    rot: Marschroute

    Das kleine Schutzgebietchen Choller liegt am nördlichen Zugersee zwischen Zug und Cham (siehe Plan). Trotz seinem geringen Bekanntheitsgrad bietet es für seine ebenfalls geringe Fläche eine erstaunliche Vielfalt an Habitaten und dementsprechend auch an Vögeln. Auf einem knapp stündigen Spaziergang kommt man an Ried, Auenwald, Feldern und Siedlungsraum vorbei. Das einst wohl ausgedehnte Feuchtgebiet ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft, trotzdem führt noch heute, sozusagen als Relikt, eine beachtliche Vogelzug-Strasse darüber. Dem geübten Vogelbeobachter hat das Gebiet hin und wieder wahre Perlen zu bieten, aber auch dem aufmerksamen Laien werden so einige Besonderheiten ins Auge stechen. 

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    Bild 2: Bucht bei Cham

    Am besten ist das Choller vom Bahnhof Cham aus zu erreichen. Von dort aus folgt man der Zuglinie einen guten Kilometer weit in Richtung Zug. Bereits kurz nach dem chamer Strandbad erblickt man dann die ersten Riedwiesen am See, welche die kleine runde Bucht (Bild2) beim Ausfluss des Ochsenbachs (Bild3) säumen. 

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    Bild 3: Ausfluss Ochsenbach

    In dieser Wiese halten sich besonders im Winter gerne Bekassinen auf, welche aber kaum ohne Feldstecher zu entdecken sind. Rote, und im Sommer auch Schwarze Milane kreisen in der Luft, und mit etwas Glück entdeckt man am Himmel auch Sperber, Turmfalke oder sogar eine Rohrweihe. Auch ein Blick an den Boden kann sich lohnen, den entlang dem Bahndamm leben noch einige Zauneidechsen. Die Schilfbewachsene Bucht wird im Winter von bis zu tausend Wasservögeln bewohnt, hauptsächlich Tauchenten wie Reiher und Tafelente, aber auch einige Schwimmenten wie Krick- Schnatter- und Löffelente. Zu den Winterlichen Spezialitäten gehören Zwergsäger, Moorente, Bergente, und sogar eine Ringschnabelente hat schon hier überwintert. Während im Frühling die Knäkenten ankommen, habe die Haubentaucher hier bereits mit ihrem spektakulären Balzgehabe begonnen, die ausspriessenden Weiden bieten Rastgelegenheit für Kleinvögel wie Grasmücken und Beutelmeisen, und später jagen über dem Wasser nicht selten Trauerseeschwalben. Überfliegende Überraschungen wie Fischadler oder sogar eine Raubmöwe sind nicht ganz ausgeschlossen. Dem Rand der Bucht folgend verlässt man nun die Bahnlinie und gelangt so in den kleinen Auenwald beim Delta der alten Lorze, wo an einem Frühlingsmorgen ein buntes Vogelkonzert zu hören ist. Unter den Sängern mit dabei ist Anfangs Mai oft auch der Gelbspötter oder der mittlerweilen selten gewordene Waldlaubsänger. Von den drei kleinen Sandstränden aus blickt man weit auf den See hinaus(Bild4), Raritäten wie Sterntaucher und Samtente können sich dabei im Winter schon mal zeigen, und in Ufernähe schiesst ziemlich zuverlässig der Eisvogel übers Wasser. In der warmen Jahreszeit werden die Strände von Badegästen genutzt, um dann noch etwas spezielles zu sehen muss man schon sehr früh aufstehen.

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    Bild4: Seeblick vom Strand aus

    Der Weg führt über eine kleine Brücke und dann durch das Areal einer Sägerei direkt auf die Felder, wo im Frühling noch regelmässig einige Kiebitze brüten. Etwa ab Mitte Februar bis in den Sommer hinein unterhalten diese geschickten Flugkünstler jeden Beobachter mit ihrem akrobatischen Gaukelflug und ihren bizarren Lautäusserungen! Mit etwas Glück bekommt man dann ab Mai vielleicht sogar die jungen Kiebitze zu sehen. Beim Anblich dieser kleinen Federbauschen dürfte wohl so manches „jööööhhhh“ erklingen. Auch sonst können diese Felder zur Zugzeit sehr ergiebig sein: Steinschmätzer, Braun- und Schwarzkehlchen, Schafstelzen und Feldlerche sind da keine Seltenheiten, Arten wie Rotkehlpieper, Kurzzehenlerche oder Wiedehopf hingegen schon. Schlussendlich führt der Weg dann am Badestrand vom Campingplatz vorbei, auch hier in den Uferverbauungen halten sich am frühen Morgen vor der Besucherflut oft interessante Vögel auf. Die Insel vor dem zuger Strandbad beherbergt eine Graureiherkolonie, hier also garantiert auch noch mal etwas für den Besucher ohne Feldstecher.


    Text und Bilder: Claudio Koller

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