Natürlich hornlose Kühe sind gefragt

  • Eliane Küpfer
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Rund 90 Prozent der Schweizer Milchkühe sind hornlos, aber nur wenige sind natürlich hornlos. Doch deren Anzahl nimmt zu, denn wenn das Enthornen wegfällt, sparen Bauern Geld und Zeit, den Tieren bleibt Stress erspart, schreibt der Landwirtschaftliche Informationsdienst.

Dass die meisten Milchkühe hornlos sind, hat gemäss dem Schweizerischen Bauernverband mit dem Aufkommen von Laufställen zu tun. Denn wenn Kühe sich frei bewegen können, verhalten sie sich auch natürlich und tragen somit auch Rangkämpfe aus. Das kann gerade bei zu enger Haltung zu Verletzungen untereinander führen, kann aber auch für den Bauern gefährlich sein. Kühe mit Hörnern brauchen entsprechend mehr Platz und sind weniger wirtschaftlich.

Hornlos-Stiere verzeichnen bei der künstlichen Besamung eine steigende Nachfrage. „Vor 10 Jahren erkundigte sich drei bis vier Mal pro Jahr ein Bauer nach natürlich hornlosen Stieren, heute klingelt das Telefon diesbezüglich alle zwei Wochen“, erklärt Jürg Stoll von Swissgenetics, Marktleader im Bereich der künstlichen Besamung. Früher war genetische Hornlosigkeit bei der Zucht  ein Nebenprodukt. Im Vordergrund standen Merkmale wie Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer, Körperbau oder eine hohe Milchleistung. Die Hornlos-Stiere, die es gab, vererbten zwar keine Hörner, oft brachten sie aber auch keine Hochleistungskühe hervor. Entsprechend wenig gefragt waren sie. Aber das hat sich gedreht, die Hornlos-Stiere von Swissgenetics vererben einen idealen Körperbau und gute Euter. Dennoch bleiben Hornlos-Stiere nach wie vor eine Nische.

Auch der Schweizer Tierschutz verfolgt den Trend hin zu genetisch hornlosen Milchkühen mit Interesse. Denn dass viele Bauern heute keine behornten Kühe mehr wollen, sei eine Tatsache, erklärt Geschäftsführer Hansuli Huber. Das Enthornen bleibe trotz Betäubungsmitteln ein belastender Eingriff für die Kälber. Wenn das umgangen werden könne, sei aus tierschützerischer Sicht nichts dagegen einzuwenden. Gleichwohl unterstütze der STS weiterhin die Haltung von Hornkühen, so Huber.

Bild: Richard Bartz [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons

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