Die Massenwanderung der Nasen kann zwischen März und April bewundert werden. | © Christa Rohrbach[CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Die Massenwanderung der Nasen kann zwischen März und April bewundert werden. | © Christa Rohrbach[CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

„Nasenstrich“: Massenwanderung der Nasen

  • Mélanie Guillebeau
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Die Rede ist hierbei nicht von unserem Riechorgan, sondern vom Fisch mit selbigem Namen. Zwischen März und April kann die eindrückliche Massenwanderung der Nasen beobachtet werden.

Die Namenswahl dieser Fischart mag irreführend sein, macht aber durchaus Sinn, wenn man sich eines der Exemplare genauer betrachtet. Das Maul ist extrem unterständig und die Oberlippe gleichzeitig stark ausgeprägt, wodurch die Kopfspitze dem Abbild einer Nase gleichkommt. Somit ist der gewählte Name „Nase“ oder auch „Schnabel“ eine passende Umschreibung für die prominente Oberlippe der metallisch-schimmernden Kurzstrecken-Wanderer.

Vegane Ernährungsweise

Hinsichtlich der Ernährungsweise könnte man Nasen beinahe als Trendsetter bezeichnen: Sie ernähren sich nämlich vegan. Kiesel- und Fadenalgen, welche sie von Steinen kratzen, dienen als Nahrungsgrundlage. Die vegane Kost besitzt jedoch einen relativ geringen Energieanteil – insbesondere angesichts ihrer beträchtlichen Körpergrösse. In der Folge sind Nasen mehrheitlich mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt.

Nasen ernähren sich vegan, unter anderem von Kieselalgen (Bild), welche in Aufwüchsen auf Steinen vorkommen. | © Denis Barthel [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Nasen ernähren sich vegan, unter anderem von Kieselalgen (Bild), welche in Aufwüchsen auf Steinen vorkommen. | © Denis Barthel [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Zeit des „Nasenstrichs“

Natürlich kommt, trotz erhöhtem Aufwand bei der Nahrungssuche, die Fortpflanzung nicht zu kurz. So findet im Frühling, meist zwischen Ende März und Anfang April, der „Nasenstrich“ statt, die Massenwanderung der Nasen zu ihren Fortpflanzungsgebieten. Die Bereitschaft zur Fortpflanzung kann man den Fischen dabei wortwörtlich vom Gesicht ablesen. Der Laichausschlag, ausgeprägt als sternförmige Punkte, ziert zu dieser Zeit die Köpfe beider Geschlechter.

In der Schweiz kann das einmalige Schauspiel unter anderem in den Flussläufen der Wiese und der Murg beobachtet werden. Unter dem Motto „Der Nase nach“ bietet Aquaviva zudem eine geführte Exkursion an der Murg an. Wer teilnehmen möchte, muss aber spontan sein, denn der genaue Zeitpunkt des Naturspektakels kann nicht vorhergesagt werden und wird dementsprechend kurzfristig angekündigt.

Nasen profitieren von Revitalisierungen

Der „Nasenstrich“ ist eine einmalige Gelegenheit Nasen in solch grossen Schwärmen flussaufwärts ziehen zu sehen. Denn in Schweizer Gewässern ist der vegane Karpfenfisch seit geraumer Zeit vom Aussterben bedroht. Im 19. Jahrhundert sah dies noch ganz anders aus. Zu dieser Zeit wurden die Fische zu Zehntausenden gefangen und gar als Dünger auf Kartoffelfeldern ausgelegt.

Gewässerverschmutzungen, Flussverbauungen und Begradigungen haben der Nase aber zu schaffen gemacht, weshalb der Bestand seit den 1970er-Jahren stark abgenommen hat. Mittlerweile stehen sie europaweit unter Schutz. Die strömungsliebende Fischart profitiert aber von aktuellen Revitalisationen der Flussläufe, womit Wanderungshindernisse entfernt und Lebensräume geschaffen werden.

 

2 Kommentare

  • Peter Voser

    Ob die Nase wirklich über dem Berg ist und sich wieder zu grossen Schwärmen vermehren kann weiss keiner. Hoffen darf man, aber auch das Verschwinden ist möglich. Trotz mehreren Forschungen weiss niemand sicher warum die Nase plötzlich so selten wurde, ähnlich ergeht es dem Feldhasen in der Kulturlandschaft. Vegan als Geisteshaltung auf Tiere übertragen ist Quatsch. Ist die Gottesanbeterin nun christlich?

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  • Sven

    Also weshalb genau wird auf die „vegane“ Ernährungsweise der Nase hingewiesen? Folgen nun auch die Tiere dem neuen Trend? Würde es nicht ausreichen, die Nase als „Vegetarierin“ zu bezeichnen?

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