Aurin - der Pflanzendünger aus Urin. | © Eawag
Aurin - der Pflanzendünger aus Urin. | © Eawag

Nährstoffrückgewinnung aus Urin – Dünger der Zukunft

  • Cécile Villiger
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Mehrmals täglich spülen wir wertvolle Nährstoffe die Toilette runter. Das Forschungsinstitut Eawag erkannte das Potential im Urin und hat ein Verfahren entwickelt um die Nährstoffe darin zu recyceln. Das Produkt kann als Pflanzendünger genutzt werden.

An der diesjährigen Messe für Landwirtschaft und Ernährung (OLMA) wurden 2000 Liter Urin gesammelt und zu 60 Liter Flüssigdünger verarbeitet. Forscher der Eawag demonstrierten den Besuchern und Besucherinnen, dass aus ihrem Ausscheidungen wichtige Nährstoffe recycelt werden können. Dazu wurde der Urin separat von den Fäkalien gesammelt und anschliessend mit Hilfe von Bakterien der unangenehme Geruch entfernt. Das Endprodukt enthält die wichtigen Elemente Phosphor, Stickstoff und Kalium und kann als Dünger verwendet werden. Allerdings nur für Pflanzen, die nicht zum Verzehr gedacht sind.

Irgendwann gehen die Erdölvorräte zur Neige – von diesem Tag fürchten sich viele. Doch auch bei einem anderern essentiellen Rohrstoff könnte es bald Engpässe geben: dem Phosphor. Jahr für Jahr werden Millionen von Tonnen Phosphor gebraucht, hauptsächlich gewonnen aus Phosphorminen in Marokko, USA und China. Wissenschaftler sind sich einig, diese Vorräte sind endlich. In 50 bis 100 Jahren sollen die leicht abbaubaren Reserven erschöpft sein.

Phosphorverbindungen spielen eine zentrale Rolle in allen Lebewesen, als Bestandteil der DNA oder bei der zellulären Energieversorgung. In Pflanzen ist der Phosphor an verschiedenen essentiellen Prozessen beteilig und wird von den Wurzeln aufgenommen. 90 Prozent der globalen Phosphorproduktion wird für Dünger in der Landwirtschaft verwendet.

Phosphor ist aber nicht der einzige Nährstoff im Urin, auch Stickstoff in Form von Ammoniak ist darin enthalten. Stickstoff ist auch wichtig für den Organismus und ein Bestandteil von Pflanzendünger. Durch intensive Landwirtschaft gelangen jedoch oft übermässig viel Stickstoffverbindungen in Gewässer, was toxisch ist für Fische und zu riesigen Algenblüten führt.

Forscher der Eawag haben darum das „VUNA“-Projekt ins Leben gerufen und ein Verfahren entwickelt um die wichtigen Bestandteile des Urins zu rezyklieren. Dabei kann viel Energie gespart werden, da herkömmliche Düngerherstellung und der Transport der Rohstoffe einen enormen Energieaufwand beinhalten. Zugleich wird der Aufwand der Abwasserreinigung gesenkt, da Medikamente und Stickstoff mühsam vom Abwasser entfernt werden müssen.

Das Endprodukt heisst „Aurin“ und ist seit Anfang Jahr am Empfang der Umwelt Arena oder an der Eawag Dübendorf erhältlich.

Das „VUNA“-Projekt beinhaltet nicht nur ein Konzept zur Nährstoffrückgewinnung, sondern auch die  Entwicklung eines günstigen Sanitätssystems welches in ärmeren Ländern einsetzbar ist. Wissenschaftler haben dafür das System in Südafrika getestet. Dafür wurden Trockentoiletten aufgestellt, in der Urin und Fäkalien getrennt werden und danach der Urin eingesammelt und zu Dünger verarbeitet. So kann Hygienestandards verbessert und Wasser gespart werden, zudem ist der Dünger ein wertvolles Gut und kann die Wirtschaft ankurbeln.

 

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