Wettbewerbsvorteil Nachhaltigkeit

  • Gavino Strebel
  • -

ElektroautoGemäss einer Studie des Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management (KCC) an der Universität St. Gallen spielen für 41 Prozent der Einkaufs- und Beschaffungsverantwortlichen des produzierenden Gewerbes ökologische, für ein Viertel soziale Standards im Einkauf auch heute noch keine Rolle. Und das, obwohl 34 Prozent befragten Unternehmen erklärt haben, dass die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards zu Wettbewerbsvorteilen geführt habe.

Die befragten Unternehmen teilen sich in zwei Gruppen: Während knapp die Hälfte Nachhaltigkeitsfragen kaum Bedeutung beimisst, hat ein Drittel bereits Maßnahmen in diesem Bereich ergriffen und kann nach eigener Aussage klare Wettbewerbsvorteile für sich verbuchen. Diese Wettbewerbsvorteile werden sie aller Voraussicht nach weiter ausbauen können, wenn die andere Hälfte der Unternehmen weiter untätig bleibt. Eine Veränderung ist jedoch abzusehen. So erwarten 69 Prozent der Studienteilnehmer, dass Nachhaltigkeit in der Beschaffung in Zukunft noch wichtiger werden wird. Sieben Prozent machen sich auch bereits Gedanken, wie sie ihre Logistik umweltgerechter gestalten können.

Eine besonders hohe Bedeutung hat die nachhaltige Beschaffung heute bereits in sehr großen Unternehmen und bei Produzenten, die für Endverbraucher tätig sind. Da die Konsumenten gemäss Jens Honrstein, Partner und Leiter des Kompetenzteams Nachhaltige Beschaffung von Kerkhoff Consulting, immer mehr nachhaltige Produkte nachfragen, ist es nicht verwunderlich, dass solche Branchen der Nachhaltigkeit eine höhere Bedeutung beimessen. So sind beispielsweise für 79 Prozent der Entscheider aus der Nahrungs-, Textil- und Möbelindustrie ökologische Standards sehr wichtig, in der Metallindustrie und im Maschinenbau hingegen sind es nur 50 Prozent.

Nachhaltigkeit sei heute kein Thema mehr ausschließlich für Sozialromantiker oder Grüne, die es in die Chefetagen geschafft haben, so Dr. Erik Hofmann von der Universität St. Gallen. In der Studie haben 76 Prozent der befragten Unternehmen angegeben zu handeln, weil neue gesetzliche Regelungen sie dazu zwingen. Veränderte Kundenwünsche waren für 69 Prozent der Anlass das Thema Ökologie und Soziale Standards in der Beschaffung zu berücksichtigen. Jedoch nur knapp ein Viertel handelt nach eigener Aussage aufgrund eines eigenen Wertesystems und der Firmenphilosophie „grün“. „Was auch immer die Motivation für Handeln sein mag“, so Hofmann, „entscheidend ist, dass die Notwendigkeit zum Handeln da ist. „Führt dies auch noch zu Wettbewerbsvorteilen, ist damit auch ein ausreichender Anreiz geschaffen, um sich möglichst frühzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander zu setzen und dem Markt voraus zu sein.“

Presseportal

Beitrag kommentieren