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Nicht mehr Mücken in den Thurauen als sonst

  • Amanda Buol
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Die Stechmücken bewegen. Landauf landab wird nach dem feuchten Frühjahr von besonders aktiven Blutsaugern berichtet. Ganze Schwärme stürzen sich gemäss Aussagen einiger Medien auf die Bevölkerung. Insbesondere der Fall der Zürcher Thurauen wird heiss diskutiert. Was ist wirklich dran an der „Mückenplage 2016“ in den Thurauen? Die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva hat ein Positionspapier zur Thematik verfasst.

In den letzten Wochen war das Thema der grossen Mückenplage in allen Medien, besonders die Umgebung um die Zürcher Thurauen werden von zahlreichen Mücken heimgesucht und Betriebe klagen über Umsatzeinbussen und weniger Ausflügler. Die Situation im 2016 sei aber keine aussergewöhnliche, schreibt Aqua Viva in ihrer Mitteilung. Die Umsatzeinbussen dürften eher dem regnerischen Wetter zugeordnet werden.

Zusammen mit der Mückenplage wird auch die Anwendung des Bacillus thuringiensis israelensis (Bti), ein Bakterium, das spezifisch die Mückenlarve angreift, genannt. Bisher wird Bti nur in zwei Schutzgebieten ausgebracht (Bolle di Magadino TI und Lac de Gruyère FR) und seien Sonderfällen an Seen, so Aqua Viva.

Grundsätzlich ist der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln wie Bti in Auen- und Amphibienschutzgebieten von nationaler Bedeutung wie den Thurauen nicht mit den Schutzzielen vereinbar und daher verboten. Mücken, auch Steckmücken und ihre Larven, gehören ebenso zu den Auengebieten wie der Eisvogel, die Gelbbauchunke oder die Libellen. Sie nehmen im ökologischen Gefüge im und am Wasser eine tragende Rolle in der Nahrungskette ein.

In den Thurauen werden nun das Schutzgebiet und die aktuelle Revitalisierung in Zusammenhang mit den Stechmücken gebracht. „Grundsätzlich sollten Revitalisierungen keine Mehrbelastung an Mücken mit sich bringen.“, sagt Antonia Eisenhut, Geschäftsführerin Aqua Viva, dazu. „Im Fall der Thurauen haben die Gemeinden, die Kantone, der Bund und die Umweltverbände sich darauf geeinigt, dass die Mücken im Falle einer projekt-bedingten Mehrbelastung bekämpft werden können. Wichtig ist: Eine Gewässerdynamisierung führt oft eher zu einer Ab- und nicht einer Zunahme der Mückenbelastung. Denn Hochwasser kann nach einer Revitalisierung rasch wieder abfliessen und bleibt nicht tagelang hinter Dämmen liegen.“

Aus diesem Grund waren der Kanton Zürich und die beteiligten Umweltschutzorganisationen, trotz des fehlenden Nachweises einer projektbedingten Zunahme der Stechmücken, zu einen Kompromiss bereit. Ab einem Schwellenwert von 100 bis 200 Larven pro Liter Wasser darf der Wirkstoff Bti ausgebracht werden, von Hand. Diese Grenzwerte seien, verglichen mit der geringen Grösse der betroffenen Gewässer, tief angesetzt und ein Entgegenkommen der Bevölkerung, schreibt Aqua Viva. Bisher wurden die Grenzwerte nicht überschritten.

Aqua Viva fordert etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Steckmücken – im Wissen darum, dass Mückenjahre nichts Aussergewöhnliches sind und dass selbst die für die Menschen lästigen Stechmücken einen wichtigen Platz im Ökosystem einnehmen. Aqua Viva wünscht sich mehr Respekt für den Lebensraum Auen, der 84 Prozent unserer Tier- und Pflanzenarten beheimatet, den der Mensch jedoch in der Schweiz bereits zu 70 bis 80 Prozent zerstört hat.

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