Einer der bisher 20 installierten CityTrees in Oslo (Norwegen). Er soll die verschmutzte Stadtluft säubern. | © Green City Solutions
Einer der bisher 20 installierten CityTrees in Oslo (Norwegen). Er soll die verschmutzte Stadtluft säubern. | © Green City Solutions

„Moos-Mauern“ gegen städtische Luftverschmutzung?

  • Mélanie Guillebeau
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Bereits in zahlreichen Städten stehen CityTrees – eine Mischung aus Möbel, Mauer und Moos gepaart mit moderner Technologie, die der Luftverschmutzung in städtischen Grosszentren entgegenwirkt. Auf nur drei Quadratmetern soll eine solche „Moos-Mauer“ die gleiche Umweltleistung wie 275 herkömmlich gepflanzte Bäume erbringen.

In vielen Metropolen ist Luftverschmutzung durch Stickoxide, Ozon oder Feinstaub ein alltägliches, unumgängliches Problem. Rund 90 Prozent der urbanen Bevölkerung atmet jeden Tag verschmutzte Luft ein – die verheerende Folge: Jeder siebte Todesfall ist auf die schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung zurückzuführen.

275 „Bäume“ auf drei Quadratmetern

Green City Solutions, ein Start-up mit Sitz in Berlin, hat sich vorgenommen, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Das Resultat der jahrelangen Bemühungen und Entwicklungen ist der vielfach prämierte CityTree: quasi eine mit Moos bewachsene, vier Meter hohe Mauer mit integrierter Sitzgelegenheit. Gemäss Herstellerangaben kann ein CityTree die „Arbeit“ von 275 herkömmlich gepflanzten Bäumen übernehmen – und nimmt dabei aber nur ein Prozent der Fläche selbiger Anzahl Bäume ein. Auf diese Weise soll die Luftverschmutzung in einer 50-Meter-Umgebung um 30 Prozent reduziert werden und jährlich 240 Tonnen CO2-Äquivalente gebunden werden.

Biotechnologie kombiniert mit dem Internet-der-Dinge

Wie die Online-Plattform Treehugger informiert, übernimmt in diesem Fall eine spezielle Mooskultur die Säuberungsfunktion. Moospflanzen sind aufgrund der grossen Blattoberfläche optimal geeignet, um Schadstoffe einzufangen und können ausserdem viel Wasser speichern. Wenn dieses an heissen Tagen verdunstet, sorgt die resultierende Verdunstungskälte für Abkühlung in der Umgebungsluft. Dank der integrierten Internet-der-Dinge-Technologie wird die Bewässerung an das momentane Wetter angepasst und der Besitzer ist stets informiert, ob der integrierte Wassertank Nachschub benötigt – zum Beispiel bei Mangel an Regenwasser. Ebenfalls kann der CityTree als WLAN-Hotspot oder E-Bike-Ladestation dienen. Betrieben wird er mit einem Solarpanel.

Moos besteht fast nur aus Blättern, besitzt also eine grosse Oberfläche und anerbietet sich daher für die Filtration schadstoffbelasteter Luft genutzt werden kann. | © Helena [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Moos besteht fast nur aus Blättern, besitzt also eine grosse Oberfläche und anerbietet sich daher für die Filtration schadstoffbelasteter Luft mithilfe der CityTrees. | © Helena [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Technologie mit (lokalen) Grenzen?

Diese neue Technologie mag innovativ und lokal erfolgsversprechend sein, doch stellt sich die Frage nach der Praktikabilität insbesondere im Hinblick auf eine grossräumige Umsetzung. Ein grosses Hindernis dürften die Anschaffungskosten von ca. 27’000 Schweizer Franken pro CityTree darstellen. So müsste in Millionenstädten ganz schön viel „Moos“ in die Installation der „Moos-Mauern“ investiert werden, um eine erwünschte, flächendeckende Luftqualitätsverbesserung zu ermöglichen. Schlussendlich wird sich die Luftverschmutzung nur mit CityTrees -ohne die gleichzeitige Beseitigung oder zumindest Minderung der verursachenden Quellen – kaum in grossem Stil eindämmen lassen.

Laufende Tests in verschiedenen Städten sollen aber endgültig zeigen, ob der CityTree das Potenzial hat, unser Stadtklima nachhaltig und grossflächig zu verbessern.

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