bienenfresser

Monetarisierung der Biodiversität

  • Gavino Strebel
  • -

bienenfresserDie biologische Vielfalt dient allen, doch ist sie in der Regel gratis. Um sie vor der Zerstörung zu bewahren, versuchen nun Wissenschaftler, der Biodiversität einen Geldwert zu geben. Dies berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (lid).

Frederic Vester, der Pionier der sogenannten Systemtheoretik, berechnete Mitte der achtziger Jahre den Wert eines Blaukehlchens. Vester bezifferte den Wert des Vogelkörpers mitsamt seinen chemischen Bestandteilen auf 1,5 Cent. Er erkannte jedoch auch andere Werte des Vogels als der reine Materialwert: Der Vogel trüge durch seinen Flug und Gesang, seine Farben- und Formenvielfalt zur Beruhigung der Betrachter bei und Vester addierte deshalb den Wert einer Valiumtablette dazu (täglich fünf Cent). Ausserdem erbringe der Vogel auch Leistungen als Schädlingsvertilger, als Verbreiter von Samen, als Bioindikator, als Stabilisator des Ökosystems und dergleichen mehr. Summa Summarum kam Vester so auf 154,05 Euro.

Wie lid berichtet, stiess Vesters Vorgehen, nämlich der natürlichen Vielfalt einen monetären Wert zuzuordnen, damals auf Unverständnis. Dies ist heutzutage grundverschieden. So versuchen heute weltweit Tausende von Wissenschaftlern, den Wert der natürlichen Vielfalt zu beziffern. Dies mit der Absicht zu zeigen, dass Biodiversität einen konkreten Wert hat und es sich deshalb lohnt, sie zu erhalten. Etwas, was keinen Wert hat, wird auch weniger geschützt und ist in Gefahr, übernutzt oder gar zerstört zu werden.

Andreas Hauser von der Sektion Ökonomie des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) kennt das Problem: “Wenn etwas keinen Zahlenwert hat, wird dafür in der Regel automatisch Null angenommen”, so Hauser gegenüber dem Pressedienst lid. Und er kennt auch das Grundproblem der Monetarisierung: “Wir müssen erst einmal die Leistungen beziffern, bevor wir sie bewerten können.” Aus diesem Grund arbeitet das BAFU an einem Inventar der Ökosystemleistungen, welches zum Beispiel Erholungsleistungen durch Grünflächen erfasst, Schutzleistungen durch Schutzwälder, aber auch die Bestäubungsleistung von Wildbienen und deren Einfluss auf den Ertrag landwirtschaftlicher Nutzpflanzen. Vesters Ideen sind also heute aktueller denn je.

lid

Weiterführender Artikel von nachhaltigkeit.org

Beitrag kommentieren