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Mogelpackung Initiative Ernährungssicherheit

  • Daniela Cervenka
  • 7

Die Initiative des Schweizerischen Bauernverbands will die Versorgungssicherheit der Schweizer Bevölkerung mit einheimischen Produkten sicherstellen. Klingt ja eigentlich ganz gut, nur das grosse Problem ist, dass das auf Kosten der Umwelt geschehen soll. Die Folge der Initiative wäre eine noch intensivere und umweltschädlichere Schweizer Landwirtschaft, die mit noch mehr Kunstdünger und Pestiziden auf Massenproduktion setzt. Für Pro Natura ist die Initiative nur ein Ablenkungsmanöver. Anstatt sich der Umsetzung der Parlamentsentscheide der Agrarpolitik 2014-2017 zu widmen, führt der Bauernverband eine Scheindebatte über Versorgung und Ernährungssicherheit und lenkt von den wirklichen Problemen in der Schweizer Landwirtschaft ab.

Die Schweizer Landwirtschaft hat kein Produktionsproblem sondern ein Umweltproblem. Noch nie wurden so viele Kalorien in der Schweiz produziert wie heute. Dass wir einen Selbstversorgungsgrad von „nur“ 60 Prozent haben, liegt an den grossen Mengen an Futtermittelimporten für die Fleisch- und Milchproduktion. Das wirkliche Problem sind massive Missstände im Bereich Ökologie. Zum Beispiel sind bei 70 Prozent der untersuchten Oberflächengewässerstandorten in der Schweiz die Pestizidkonzentration weit über dem gesetzlichen Anforderungswert. Ebenfalls führt die Ammoniakbelastung aus der Landwirtschaft zu einem inländischen Schaden von rund einer Milliarde auf Kosten der Allgemeinheit.

Was der Bauernverband mit seiner Initiative zur Produktionssteigerung fordert, steht heute bereits in der Verfassung oder im Landwirtschaftsgesetz. Die Folge der Initiative wäre eine noch intensivere und umweltschädlichere Schweizer Landwirtschaft, die mit noch mehr Kunstdünger und Pestiziden auf Massenproduktion setzt. Seit gut einem Monat ist die neue Agrarpolitik für die Jahre 2014 bis 2017 in Kraft. Diese sorgt bei korrekter Umsetzung für mehr Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern bei mehr Rücksicht auf die Natur.

Wir empfehlen die Initiative NICHT zu unterschreiben! Wir wollen keine intensivere Landwirtschaft, welche sich keinen Deut um die Umwelt schert und auf Massenproduktion setzt!

Argumente GEGEN die Volksinitiative

Bild: von Gerhard Giebener [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

7 Kommentare

  • Heini Maurer

    Ja, liebe Frau Dobler, ich sehe, Sie sind Expertin, Sie sind ja neben einem Bauernbetrieb aufgewachsen und gehen mit wachen Augen durch die Landschaft. Solche gibt es viele. Sie möchten eine Landwirtschaft wie vor 50 und mehr Jahren. Sie leben in einer Zeit in der man fliegt und fährt, schauen sie sich doch die Strassen und Flughäfen an. Die Bauern sollen wirtschaften wie vor 50 Jahren, am besten zu denselben Preisen und Löhnen, damit Sie die Nahrungsmittel für ihr Gusto billig und gut haben können. Es grüsst Heini Maurer.

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  • Glutz von Blotzheim, Urs

    Kennen Ihre Landwirtschaftsexperten
    Beleites, M. (2012): Leitbild Schweiz oder Kasachstan? Zur Entwicklung der ländlichen Räume in Sachsen. Eine Denkschrift zur Agrarpolitik. ABL Bauernblatt Verlags GmbH ISBN 978-3-930413-54-6

    M.E. eine Pflichtlektüre!

    Mit freundlichen Grüssen UGvB

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  • Heidi

    Wem nützen die Agrarsubventionen? Der Biodiversität? Dem Naturschutz? Den Tieren? Den Grossverteilern? … Die Diskussionen über die Unterstützung der Bauern sind endlos, sowohl bei uns wie in der EU. Wer sich Zeit nimmt für einen vertieften Blick, der/die findet gute Analysen der heutigen Lage bei George Monbiot, Kolumne im Guardian, z.B. The Fat of the Land
    http://www.monbiot.com/2012/11/26/the-fat-of-the-land/

    Was haben die aktuellen Überschwemmungen in England mit der verfehlten Landwirtschaftspolitik zu tun? Wann kommt das nächste Gejammer bei uns über Unwetterschäden, wo doch viele Böden auch bei uns im Flachland durch die immer schlagkräftiger werdenden Maschinen verdichtet sind, wenig produktive Gebiete mit immer mehr Subventionen überschüttet werden damit die natürliche Vegetation, der Wald, nicht wächst (u.a. für den Tourismus, den wir ebenfalls massiv subventionieren)? Wir empfehlen Entwicklungsländern das Aufforsten von Berghängen, machen aber bei uns das Gegenteil. Der Widersprüche rund um die Subventionen sind viele! Einige könnte die Schweiz mit gutem Willen angehen, aber …
    Drowning in Money
    http://www.monbiot.com/2014/01/13/drowning-in-money/

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  • Christine Dobler Gross

    Weniger Fleischkonsum und -Produktion heisst die Devise! Und: sehr wohl gehe ich – seit 50 Jahren – mit offenen, ökologisch geschulten Augen durch die Natur und durch Ackergebiete, an Flüssen entlang und in die Berge, ich wuchs in der Nachbarschaft von Bauernbetrieben auf, mit kritischem Geist. Gerne würde ich Ihnen beistimmen, Frau Schmied, und die Landwirtschaft stärken. Diese hat sich jedoch so weit von der Natur und von natürlichen Kreisläufen entfernt – die Futtermittelimporte z.B. belegen es – , dass ich nur noch staune, wieviel Vertrauen ein Teil der Bevölkerung noch immer in unsere Landwirtschaft hat. Zudem halten sich die Bauern nicht an die Vorschriften, welche z.B. die Gewässer schützen. Lesen sie mal hier nach, Frau Schmied: http://heidismist.wordpress.com.

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  • Marc

    Da sind sie dann gut unsere Naturschützer, im Tatsachen verdrehen. Wussten Sie das im Jahr 2013 mindestens 15’000 Schlachtkühe in die CH importiert wurden? Tot versteht sich. So müssen die Importeure die Transportwege zum Schlachthof nicht kontrollieren und auch die Tierhaltung und der Gesundheitsstatus ist ja in der Wurst schlussendlich eben Wurst. Wir möchten den mündigen Schweizern den Speisezettel nicht diktieren. Mit dem vielen Regen und dem vielen saftigen grün macht die Tierhaltung Sinn. Gegessen wird ohnehin. Sie entscheiden was Sie essen. Lieber ein Steak aus der Schweiz ohne Hormon und Gentech Soja nach CH Standard, oder doch lieber ein Antibiotika und Hormon geladenees US Gentech Quälfleisch. Bei uns gilt immer noch Gentech frei aus Überzeugung. Schweizer Bauern sind toper als top!

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  • Esther Schmied

    Würden wir alle mehr auf Saison achten und nicht schon an Weihnachten Spargel und Erdbeeren einkaufen, bräuchten wir diese Initiative nicht! Ich bin der Meinung das es wichtig ist unsere Landwirtschaft zu Stärken was mit dieser Initiative der Fall ist. Frau Christine Dobler arbeiten Sie in der Landwirtschaft? Wenn nein, Dann gehen sie mal mit offenen Augen durch die Natur auch durch Ackergebiete, an Flüssen entlang überall ist Ökologie von den Bauern sichtbar.

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  • Christine Dobler Gross

    Zum Glück wurde dieser Schwindel des Bauernverbandes schon gleich aufgedeckt. Versorgungssicherheit, dass ich nicht lache! Würden wir weniger in die Fleisch- und Milchproduktion stecken, hätten wir für die ganze Schweizer Bevölkerung mehr als genug Nahrungsmittel. Und: ich würde gerne einmal eine Studie lesen, wieviel des in die Ökologie gesteckten Geldes in Form von Subventionen wirklich der Ökologie zugute kommen. Eine ganz grosse Schweinerei ist zudem der Notstand beim Vollzug der Gesetze, welche unserer Natur zugute kämen.

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