Wegweiser Kuh Wanderweg Wandern

Mit Respekt und Abstand

  • Nora Kieselbach
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Vom Auerhahn bis zur Mutterkuh: Dem Menschen kann auch von harmlos scheinenden Tieren Gefahr erwachsen. Beachtet er aber die wichtigsten Verhaltensregeln, lassen sich Angriffe praktisch ausschliessen, schreibt der Tagesanzeiger. So kam es kürzlich wieder zu Angriffen von Mutterkühen auf Wanderer – denn die Kuh hat, im Gegensatz beispielsweise zu einem Bären, keine Angst vor dem Menschen.

Im Juli ist es auf einer Walliser Alp sowie im Kanton Solothurn zu zwei Mutterkuh-Attacken gekommen, bei denen sich jeweils eine Person erheblich Verletzungen zugezogen hat. Bekannt ist das Aggressionspotenzial von Mutterkühen, wenn diese sich bedroht fühlen und ihr Kalb beschützen wollen. Weil einerseits immer mehr Mutterkühe gehalten und andererseits die Zahl der Wanderer und Biker stetig zunimmt, kommen sich Mensch und Kuh immer häufiger ins Gehege. Dass trotzdem nicht viel mehr Mutterkuhangriffe gemeldet werden, werten die Fachleute der Beratungsstelle für Unfallverhütung und Landwirtschaft (BUL) als gutes Zeichen, dass ihre Präventionskampagnen Wirkung zeigten.

Die wichtigsten Verhaltensregeln für die Wanderer im Umgang mit Mutterkühen lauten wie folgt: Distanz halten, Kälber nicht berühren, Hunde an der Leine führen. Bei Befolgen dieser Regeln lässt sich ein Angriff praktisch ausschliessen.

Kaum zu befürchten haben Wanderer hingegen die gemeinhin als gefährlich geltenden Grossraubtiere Bär, Wolf und Luchs: denn sie alle fürchten sich vor dem Menschen und werden daher normalerweise versuchen, Abstand zu halten. Wie sich allerdings in der Vergangenheit am Beispiel der Bären gezeigt hat, können die Tiere bei ihrer Nahrungssuche in bewohnte Gebiete vorstossen, ihre natürliche Scheu überwinden und zu „Problembären“ werden; in diesem Fall sieht das Konzept des Bundes den Abschuss vor.

Bei der Begegnung mit einem Bären sollte der Wanderer ruhig an Ort und Stelle verweilen und nicht auf das Tier zugehen. Kommt es zu einem Angriff, sollte man sich regungslos auf den Bauch legen und den Kopf mit den Händen schützen. Flucht hingegen ist eine schlechte Lösung, da der Bär viel schneller laufen kann als der Mensch. Ein Baum ist ausserdem kein geeigneter Zufluchtsort – Bären sind vorzügliche Kletterer.

Keinerlei Gefahr für die Wanderer stellt hingegen der Wolf dar. Attacken auf Menschen sind- wenn überhaupt – nur in Rudeln möglich; Wolfsrudel wurden bisher in der Schweiz jedoch noch nicht beobachtet. Praktisch ausgeschlossen sind ausserdem auch Begegnung mit einem Luchs – zumindest bei Tageslicht.

In Ruhe gelassen werden will auch das scheinbar harmlos erscheinende Auerhuhn: Der seltene Hühnervogel fühlt sich durch die Anwesenheit des Menschen leicht gestresst – und eine Attacke mit dem scharfen Schnabel kann die Folge sein. Der Vogel hält sich gerne in Waldlichtungen auf, ist aber in der Schweiz so selten, dass er sich nur mit viel Glück überhaupt beobachten lässt.

Vor dem Biber muss sich zwar nicht der Mensch, dafür aber sein Hund in Acht nehmen. Denn der Biber weiss sich bei Bedrohung gegebenenfalls wirksam zu verteidigen; darum ist es empfehlenswert, Hunde an Flüssen mit Biberbestand an der Leine zu führen.

Und auch ein Schwan kann, obwohl meist friedfertig und anmutig wirkend, durchaus aggressiv auftreten. Mit einem Flügelschlag ist er imstande, einen Armbruch zu verursachen. Besonders Kinder sollten sich Schwänen nicht übermässig nähern.

Weitere Informationen

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Beratungsstelle für Unfallverhütung und Landwirtschaft (BUL)

Bild: böhringer friedrich [CC-BY-SA-2.5] via Wikimedia Commons

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