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Mit Gentechnik gegen Olivenschädling

  • Sophie Ryser
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Olivenbauern haben ein Problem: Olivenfliegen. Deren Larven zerfressen die Früchte und schädigen so die Ernte. Deswegen wird meist Gift gesprüht, doch dies ist nicht nur schädlich für die Umwelt, die Fliegen entwickeln auch schnell Resistenzen dagegen. Deshalb soll nun eine neue Methode angewandt werden. Gentechnisch veränderte Olivenfliegen sollen auf den Plantagen freigelassen werden, um die frei lebenden Fliegen auszulöschen.

Diese Methode wurde von der Firma Oxitec bereits bei Mücken in Brasilien, Malaysia und auf Grand Cayman angewandt, welche Denguefieber übertragen. Dazu wird den männlichen Tieren ein zusätzliches DNA-Stück in ihr Erbgut gepflanzt. Wenn sie sich nun mit Weibchen paaren, führt dieses Stück dazu, dass die weiblichen Nachkommen noch als Larven sterben. Der männliche Nachwuchs entwickeln sich hingegen normal, tragen aber auch den DNA-Schnipsel in sich und können diesen erneut weitergeben. Dies führt dazu, dass keine Weibchen mehr entstehen, wodurch die ganze Population über kurz oder lang ausstirbt. Allerdings gibt es in der ursprünglichen Population ja auch noch „normale“ Männchen, die genmanipulierten Tiere müssen also in so grosser Zahl ausgesetzt werden, dass sie den anderen zahlenmässig überlegen sind und den Grossteil der Paarungen für sich beanspruchen können.

Dieses Prinzip will Oxitec nun erstmals in Europa anwenden. Ab 2014 sollen in Katalonien (Spanien) Freilandversuche stattfinden, bei welchen über 24 Olivenbäume Netze gespannt und darunter acht Wochen lang Gentech-Fliegen freigelassen werden. Dieser Versuch muss aber noch genehmigt werden. Falls die Fliegen entwischen sollten, bestehe keine Gefahr für Mensch und Umwelt. Da die Fliegen einen genetischen Nachteil und keinen Vorteil eingebaut haben, sei es unwahrscheinlich, dass sich die Eigenschaft ungewollt unter Olivenfliegen ausbreite, sagt der Biologe Ernst Wimmer von der Uni Göttingen. Zudem müsse mit dieser Methode viel weniger Gift gespritzt werden, und diese wirke sich auch nicht wie Gift auf mehrere Insekten aus, sondern selektiv nur auf den Schädling.

Trotzdem bleibt ein mehr als fahler Nachgeschmack. Denn Oxitec ist nicht gerade für seine Transparenz bekannt. Freisetzungsversuche wurden auch schon ohne wirklich umfassende Tests durchgeführt und Genehmigungsverfahren umgangen. Und wie sich die Olivenfliegen entwickeln werden, ist nicht bekannt. Es wäre zum Beispiel durchaus möglich, dass die Weibchen eine Resistenz gegen das tödliche DNA-Stück entwickeln.

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Bild: H. Zell [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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