Der "eBeetle" | © Andreas Bosshard, HoloSem
Der "eBeetle" | © Andreas Bosshard, HoloSem

Mit dem eBeetle Saatgut sammeln          

  • Cécile Villiger
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Um die lokale Pflanzenvielfalt auf unsern Wiesen zu fördern kann mittels Datenbank eine Saatgut-Spenderfläche gefunden werden. Der sogenannte „eBeetle“ wird für die Saatguternte eingesetzt.

In der Schweiz prägen intensiv genutzte, artenarme Wiesen das Landschaftsbild. Durch das regelmässige Düngen mit Gülle und/oder Kunstdünger werden die Böden sehr nährstoffreich und das Gras saftig grün. Infolge des schnellen Graswachtsums können die Bauern die Wiesen vier bis sechs mal mähen, das Gras wird meist als Silage für Viehfutter genutzt. Auf diesen Wiesentypen wachsen nicht viele verschiedene Pflanzenarten, rund 20 teilen sich eine Aare. Seit Beginn des 20. Jahrhundert verdrängen sie extensiv genutzte Wiesen, welche rund drei mal mehr Pflanzenarten beheimaten können und tausende Tiere anlocken. Diese Flächen sind aber wirtschaftlich nicht so interessant, sie werden nicht gedüngt und nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Anstrengungen unternommen. So werden heute jährlich hunderte Hektaren extensiv bewirtschaftetes Wiesland neu angesät. Darum braucht es Saatmischungen von regional angepassten Ökotypen, denn die im Handel erhältlichen Saatmischungen repräsentieren nicht die einheimische Pflanzenvielfalt und sorgen für die Einführung von standortfremden Arten. Aus diesem Grund wurde letztes Jahr das Projekt „Regio Flora“ ins Leben gerufen. Es will die regionale Artenvielfalt im Wiesland durch vermehrte Anwendung von Direktbegrünungen fördern (naturschutz.ch berichtet). Saatgut einer Spenderfläche wird auf eine möglichst nahe gelegene Empfängerfläche übertragen. Dazu wurde von Regio Flora eine Spenderflächendatenbank erstellt. Standorte einer geeigneten Fläche werden auf einer Karte markiert, so können Interessenten einfach ihre Spenderfläche mit den geeigneten Ökotypen finden.

Doch wie wird dieses regionale und genetisch vielfältige Saatgut gewonnen? Dazu hat ein Schweizer Team eine Saatguterntemaschine entwickelt, der sogenannte eBeetle. Der elektrisch angetriebene Samenkäfer erntet das Saatgut ökologischer Hot Spots schonend, so dass die Wiese danach trotzdem gemäht werden kann.

 

Aga - Trigon Film

2 Kommentare

  • Andreas Bosshard

    Lieber Uwe Scheibler

    Der Strom, welcher alle bereits im Einsatz stehenden eBeetles konsumieren, wird seit diesem Jahr vollständig solar produziert (eigenes Solarprojekt).
    So üblich wie du das darstellst ist diese Art von Saatgutproduktion im übrigen noch nicht, zudem ist sie ziemlich neu. Die eBeetles (und die wenigen vergleichbaren Geräte, die auf dem Markt sind) machen die bisher übliche Heugrassaat viel breiter anwendbar. Vor allem können damit Erntezeitpunkt und Ansaatzeitpunkt entkoppelt werden, was bei der „normalen“ Direktbegrünung in der Praxis oft Probleme schafft. Wir bezeichnen das mit dem eBeetle gewonnene autochthone Saatgut deshalb als „Heugrassaat aus dem Sack“. Es kann wie übliches Handelssaatgut angesät werden, also von Hand, mit dem Hydroseeder etc., stammt aber eben aus lokaler Herkunft wie bei der Direktbegrünung (autochthones Saatgut). Mehr Infos unter http://www.holosem.ch.
    Andreas Bosshard vom HoloSem-Team

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  • Uwe Scheibler

    „Call a spade a spade“, kann man da nur sagen. Die Direktbegrünung bezeichnet die Methode, samenreife Bestände zu mähen und das Mähgut dann auf eine nahe gelegene, neue Fläche auszubringen.
    Was hier vorgestellt wird, ist die allgemein übliche Art der Saatgutgewinnung. Das Saatgut kann anschliessend überall verwendet werden.
    Das ist also keine Direktbegrünung, aber alles mit einem „e-“ vornedran ist offenbar schon grundsätzlich eine tolle Sache. … und irgendwie muss der Strom von den AKW ja auch verbraucht werden, oder?

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