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Minus-Eis für die Arktis

  • Nora Kieselbach
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Aktuelle Messungen von Umweltphysikern der Universität Bremen haben dieser Tage ergeben, dass die Ausdehnung des arktischen Meereises den bisherigen Tiefstwert von 2007 bereits unterschritten hat, obwohl das Ende der alljährlichen Schmelzperiode noch nicht erreicht ist – ein besorgniserregender Negativ-Rekord! Dies berichtet der Informationsdienst Wissenschaft idw.

Die Universität Bremen untersucht seit vielen Jahren die Meereisausdehnung mit Hilfe von Satellitenmessungen. Die Forscher befürchten nun, dass sich der Trend der kontinuierlichen Abnahme des arktischen Meereises stabilisieren könnte. Langfristig sei nicht auszuschliessen, dass damit einer der Ausgangspunkte der ozeanischen Nahrungskette in der Arktis bedroht werde, so die Wissenschaftler.

Seit den siebziger Jahren kann man die Meereisbedeckung mit Satelliten beobachten und die vom Eis bedeckte Fläche abschätzen. Zu Beginn der achtziger Jahre lag das Septemberminimum noch über 7 Millionen Quadratkilometer, im September 2002 waren es erstmals nur noch 6 Millionen Quadratkilometer. Im September 2007 wurden dann alle zuvor beobachteten Minima drastisch – um mehr als 20 Prozent – unterboten. Die Eisausdehnung, also die Gesamtfläche aller Gebiete im Arktischen Ozean, die zu mindestens 15 Prozent mit Eis bedeckt waren, betrug damals 4,17 Millionen Quadratkilometer.

Entscheidender als der Rekord von 2007 und der neue Rekord in diesem Jahr ist jedoch, dass auch in allen Jahren dazwischen, insgesamt also sechs Mal in Folge, das spätsommerliche Minimum der arktischen Meereisausdehnung unter allen vorher beobachteten Minima lag. Es liegt nahe, hier einen Trend zu sehen, auch wenn für diese Aussage mindestens zehn Jahre berücksichtigt werden sollte. Dass das Jahr 2007 aber kein zufälliger Ausreisser war, ist offensichtlich.

Bemerkenswert an der diesjährigen Entwicklung ist auch, dass es im Mai gar nicht besonders wenig Meereis gab, sondern sogar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. Auch die Wetterbedingungen im Arktischen Ozean waren in diesem Sommer, anders als 2007, bis zum August nicht ungewöhnlich. Ab Anfang August allerdings hat sich das Tempo des Abschmelzens stark erhöht und alles bisher Dagewesene übertroffen. Über die Ursache dieser hohen Schmelzrate wird noch diskutiert. Wahrscheinlich gibt es einen Zusammenhang mit einem starken Tiefdruckgebiet, das in der ersten Augusthälfte von Sibirien aus quer durch die zentrale Arktis zog und durch starken Wind das Eis weiter zerbrochen und weiteres Schmelzen beschleunigt hat.

Warum ist das arktische Meereis überhaupt so wichtig? Es besitzt einen ausgeprägten Zyklus: Im März hat es eine Ausdehnung von etwa 15 Millionen, im September jetzt sogar unter 4 Millionen Quadratkilometern. Eis, das einen Sommer überstanden hat, besitzt deutlich andere Eigenschaften als erstjähriges Eis. Es ist dicker, enthält weniger Salz und wird von Kleinlebewesen besiedelt, die am Anfang der Nahrungskette stehen. Deshalb hat das mehrjährige Eis eine so grosse Bedeutung für das globale Klima und Leben im arktischen Ozean.

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Bild: Rear Admiral Harley D. Nygren [Public domain] via Wikimedia Commons

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