Weissrandfledermaus P. kuhlii 1

Minergie-Standard kontra Weissrandfledermaus

  • Monika Jung
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Ab Mitte März flattert sie bei uns wieder herum. Aus dem Süden kommend, eroberte die Weissrandfledermaus innert 20 Jahren im Flug die Alpennordseite. Sie profitierte dabei von der Klimaerwärmung und führte ihren Siegeszug mitten in den Stadtzentren. Mit einem Gewicht von zwei Würfelzuckern selbst ein Winzling verdrängte sie vor Ort die noch kleineren heimischen Zwergfledermäuse. Seither räumt jede einzelne Weissrandfledermaus im Rampenlicht der Strassenlampen kreisend pro Nacht gegen 3‘000 Insekten ab.

Doch inzwischen steht sie selber unter Druck und leidet unter Wohnungsnot. Energiebewusste Gebäudesanierungen drohen viele der für die Jungenaufzucht bewährten Fassadenhohlräume zu zerstören. Und Neubauten nach Minergie-Standard lassen gar keine neuen Unterschlüpfe mehr zu. Umweltschonende Energiesparmassnahmen kontra geschützte Weissrandfledermäuse – eine gute Sache wider die Natur? Keineswegs, denn der Widerspruch kann ganz einfach aufgehoben werden! Heute stehen der Bauherrschaft industriell vorgefertigte Fledermauskästen zur Verfügung, die sich problemlos unter Verputz in Hausfassaden integrieren lassen, sei es bei Gebäudesanierungen als Ersatzmassnahme für bekannte bestehende Fledermausverstecke oder bei Neubauten zur Förderung der Fledermauspopulationen. Damit ergänzen sich nachhaltiger Umwelt- und Fledermausschutz und man kann sich mit gutem Gewissen mitten in der Stadt sowohl an warmen Stuben wie auch am nächtlichen Flug der Weissrandfledermäuse im Strassenlampenschein erfreuen.

Im „Jahr der Fledermaus“ versucht die Stiftung Fledermausschutz mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit möglichst viele Liegenschaftsbesitzende für solche Fördermassnahmen zu motivieren.

 

Bild: www.fledermausschutz.ch

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