Schale Miesmuschel

Miesmuscheln bedroht

  • Stefanie Pfefferli
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Miesmuscheln sind im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bedroht. So lautet die  Schlussfolgerung der Organisationen WWF und Schutzstation Wattenmeer nach dem Erscheinen des aktuellen Berichtes der Landesregierung in Kiel.  Sogar auf den geschützten Wattflächen gingen die Muschelbestände in 20 Jahren um 79 Prozent zurück. Miesmuscheln sind wichtige Bestandteile des Ökosystems Wattenmeer. Sie bilden mit ihren Bänken Riffe, auf denen unzählige andere Organismen wachsen. Zudem sind sie Hauptnahrung von muschelfressenden Vögeln wie Austernfischern und Eiderenten. Auch die Bestände dieser Vögel gehen seit langem zurück.

„Wenn aus dem Muschelbericht der Landesregierung jetzt keine Konsequenzen folgen, können wir die gesetzlichen Schutzziele für den Nationalpark nicht erreichen“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Wattenmeer-Experte beim WWF. „Natürliche Miesmuschelbänke müssen auch im Unterwasserbereich des Nationalparks wachsen können und dürfen nicht sofort abgefischt werden.“ Ein Grund für den Rückgang de Miesmuschelbestände ist die Gewinnung von Saatmuscheln. In den Wasserbedeckten Teilen des Nationalparks werden die Muscheln mit schwerem Geschirr befischt um neue Kulturmuschelbänke anzulegen. Die Schutzstation Wattenmeer und der WWF sehen auch mit dem Import von ausländischen Miesmuscheln für die Kulturbestände keine geeignete Lösung. Denn des besteht ein erhebliches Risiko mit dem Import der Miesmuscheln andere Arten ein zu schleppen. Viele dieser „blinden Passagiere“ sind nicht sichtbar und können weder erkannt noch sicher entfernt werden. „Es besteht die grosse Gefahr, dass mit den importierten Muscheln weitere gebietsfremde und invasive Arten in das Wattenmeer eingeschleppt werden“, sagt Silvia Gaus, Naturschutzexpertin bei der Schutzstation Wattenmeer.

Aus Sicht von Schutzstation Wattenmeer und WWF begünstigt die Landesregierung einseitig die Muschelwirtschaft, die im Nationalpark nicht naturverträglich operiert. So solle jetzt offenbar mit grosser Eile ein Muschelfischerei-Programm um zehn Jahre verlängert werden, welches erst in fünf Jahren ausläuft. Dadurch würden die heutigen Verhältnisse bis zum Jahr 2026 festgeschrieben und so die Situation für den Nationalpark dauerhaft verschlechtert. Obwohl die gesetzlich erforderlichen Verträglichkeitsprüfungen hierfür noch gar nicht vorliegen, hat man schon entsprechende Eckpunkte mit der Muschelwirtschaft unterzeichnet. „Es kommt jetzt darauf an, auf der Grundlage von unabhängigen Verträglichkeitsprüfungen zu ermitteln, ob und wie viel Muschelwirtschaft im Nationalpark überhaupt noch möglich ist. Erst dann könnte ein neues Muschelfischereiprogramm im Einklang mit dem europäischen Naturschutzrecht stehen“, sagt Gaus. „Die zwischen Muschelwirtschaft und Landesregierung voreilig unterzeichneten Eckpunkte sind das Gegenteil von einem offenen Gesprächsprozess zwischen allen Beteiligten, wie er hier dringend erforderlich wäre“, beklagt Rösner.

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Bild: 4028md09 (Wikimedia Commons)

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