© mountain spirit Berg- & Skischule [CC-BY-SA-3.0], via flickr
© mountain spirit Berg- & Skischule [CC-BY-SA-3.0], via flickr

Heliskiing in BLN-Gebieten

  • Roman Vonwil
  • -

Schon Jahre dauert der Streit um die Gebirgslandeplätze in der Schweiz, deren Nutzung Schutzgebiete zum Teil schwerwiegend beeinträchtigen. Der Bundesrat hat nun die von ihm in Auftrag gegebene Überprüfung des Netzes der Gebirgslandeplätze  abgebrochen. Auf eine Interpellation von Regula Rytz antwortet er, dass die Überprüfung als nicht zielführend beurteilt und deshalb abgebrochen wurde. Die bisherige Überprüfung zeige, dass teilweise den Schutzinteressen gleichwertige wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen gegenüberstehen.

Häufig befinden sich Gebirgslandeplätze (GLP) in oder in der Nähe von Schutzobjekten, die im BLN eingetragen sind, und gefährden durch ihren Betrieb die Schutzziele der Gebiete. So kam zum Beispiel die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) in einem Gutachten zum Schluss, dass Heliskiing im BLN-Gebiet Monte Rosa das Schutzziel Ruhe/Stille schwerwiegend beeinträchtige.

Im Oktober 2000 erteilte der Bundesrat dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) den Auftrag , im Rahmen des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) das bestehende Netz der GLP generell zu überprüfen. Vom Flugbetrieb ausgehende Beeinträchtigungen von Schutzzielen sollen durch gezielte Massnahmen verhindert, und allenfalls auch bestehende Landeplätze durch besser geeignete Stellen ersetzt werden, wie der Bundesrat schrieb. In einem Beschluss konkretisierte der Bundesrat im Juni 2007 im Konzeptteil des SIL das Verfahren für die Überprüfung und Bezeichnung der GLP. Heliskiing soll auf dafür bezeichneten Landestellen weiterhin erlaubt sein, wenn dafür ein gesamttouristisches Interesse nachgewiesen werde.

Der Überprüfungsprozess durch das BAZL und vor allem der Umgang mit dem Thema Heliskiing sorgt schon lange für Kritik diverser Naturschutz- und Umweltorganisationen (mehr dazu in der Chronik von Mountain Wilderness). Die Schutzinteressen würden im SIL und bei der Überprüfung der GLP zu wenig oder gar nicht berücksichtigt.

Nun hat der Bundesrat im Mai den Überprüfungsprozess des Netzes der GLP im Rahmen des SIL kurzfristig völlig abgebrochen. Er begründet diesen Entscheid in der Antwort auf eine Interpellation von Regula Rytz damit, dass bereits durchgeführte Prüfungen zeigen, dass „den Naturschutzanliegen teilweise gleichwertige wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen gegenüberstehen“. Somit komme der Grundsatz zur Geltung, dass von Schutzzielen des BLN abgewichen werden kann, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegen stehen. Die bestehenden Nutzungsmöglichkeiten der GLP blieben damit bis auf Weiteres erhalten, und Heliskiing ist auch weiterhin in BLN-Gebieten möglich.

Man kann sich nun mit dem Infosperber die Frage stellen, welche Interessen der Bundesrat mit seinem Entscheid vertritt und wer davon profitiert. Sicher jedoch nicht der Natur- und Landschaftsschutz.

 

Beitrag kommentieren