Indianer Indigene Völker

Mehr Respekt für Indigene Völker

  • Nora Kieselbach
  • -

Zum „Welttag der indigenen Völker“ appelliert Amnesty International erneut an Staaten und Firmen, die Rechte von Indigenen zu respektieren und zu schützen. Ob Staudamm, Pipeline, Autobahn oder Mine: Für Regierungen und Konzerne geht es bei grossen Prestigeprojekten immer um hohe Gewinne. Die Rechte der indigenen Bevölkerung werden dabei allzu oft mit Füssen getreten, schreibt die Nachrichtenagentur sda.

Diese Rechte sind jedoch international verbrieft. Staaten sind dazu verpflichtet, betroffene Bevölkerungsgruppen über Grossprojekte, von denen sie betroffen sind, vorzeitig zu informieren, sie in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen und ihre Einwilligung einzuholen, ohne dass sie Repressalien fürchten müssen. Auch gegenüber privaten und wirtschaftlichen Akteuren müssen Staaten die Rechte ihrer indigenen Bevölkerung schützen. Doch die wenigsten halten sich daran. Die Folgen sind ein Klima des Misstrauens und eine Polarisierung, die oft zu sozialen Unruhen führt.

Amnesty dokumentiert dazu Fälle in Mexiko, Ecuador, Kolumbien, Argentinien, Bolivien, Guatemala, Kanada und Brasilien. Ausdrücklich weist die Organisation auch darauf hin, dass Schweizer Konzerne von Regierungen profitierten, die die Menschenrechte von Einheimischen nicht hinreichend schützen.

Damit Schweizer Firmen im Ausland nicht ungestraft gegen Menschenrechte oder Umweltstandards verstossen können, fordert Amnesty zusammen mit rund 50 weiteren nichtstaatlichen Organisationen klare Regeln. Dafür wurde die Kampagne „Recht ohne Grenzen“ lanciert, und eine Petition mit über 135’000 Unterschriften konnte am 13. Juni an Bundesrat und Parlament überreicht werden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) erinnert in ihrer Medienmitteilung daran, dass die Schweiz noch immer nicht die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu den Rechten der indigenen Völker ratifiziert hat. Namentlich an den Pranger stellt die GfbV die Schweizer Unternehmen Holcim (Zement) und Danzer (Holzgewinnung), deren Geschäfte in Guatemala und Kongo-Kinshasa zu Konflikten und Gewalt geführt hätten.

Die ILO-Konvention 169 wurde bisher von 20 Ländern – hauptsächlich aus Lateinamerika – ratifiziert und ist somit in Kraft (ab mindestens zwei Unterzeichnerstaaten). Festgeschrieben ist dort unter anderem das Recht, als Indigene nicht diskriminiert und in der kulturellen Verschiedenheit anerkannt zu werden, sowie das Recht, über Projekte informiert und konsultiert zu werden – und zwar frühzeitig.

Nach einer UNO-Schätzung leben derzeit rund 370 Millionen Indigene (Ureinwohner) von mindestens 5000 Völkern, ansässig in mehr als 90 Ländern. Indigene werden häufig diskriminiert und sind überproportional arm.

Menschenrechtsorganisationen sehen die Lebensgrundlage von etwa 60 Millionen Ureinwohnern gefährdet durch rücksichtslosen Abbau von Bodenschätzen oder die Nutzung bisheriger Naturlandschaften als Landwirtschaftsfläche und Siedlungsgebiet.

Weitere Informationen

Amnesty International Schweiz
Gesellschaft für betrohte Völker GfbV

Bild: Fabio Rodrigues Pozzebom/ABr [CC-BY-3.0-br] via Wikimedia Commons

Beitrag kommentieren