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Mehr und bessere Biodiversitätsförderflächen sind für die Biodiversität notwendig. © RitaE, via pixabay.

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

  • Stefanie Wermelinger
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Der Bestand von Vögel und Schmetterlingen soll im Schweizer Kulturland wieder ansteigen. Dazu sollen Biodiversitätsflächen vergrössert und deren Qualität verbessert werden.

Die Wirksamkeit der Biodiversitätsförderflächen (siehe Box unten) wurde in den letzten Jahren wiederholt in Frage gestellt, da auch nach ihrer Einführung der Rückgang der Biodiversität, einschliesslich charakteristischer Zielarten des Kulturlandes, nicht gestoppt werden konnte. Ein Team von Forschenden der Universität Bern und der Berner Fachhochschule hat nun untersucht, welche Eigenschaften der Förderflächen die Biodiversität von Vögeln und Tagfaltern beeinflussen, berichtet die Uni Bern.

Grösse der Förderfläche hat Einfluss auf Tagfalter und Brutvögel

Die Forschenden haben im Schweizer Mittelland insgesamt 46 Untersuchungsflächen von je 1 km2 auf verschiedene Faktoren untersucht. Dazu gehörten der Anteil der Biodiversitätsförderflächen an der Gesamtfläche und die Qualität, die Grösse, die Distanz, die Vielfalt und die Konfiguration der Biodiversitätsförderflächen. In Bezug auf die Tagfalter stellte sich heraus, dass der wichtigste Faktor der Anteil der Förderfläche ist. Artenvielfalt und Dichte der Tagfalter nahmen um 22 Prozent, beziehungsweise 60 Prozent zu, wenn der Biodiversitätsförderflächen-Anteil im Kulturland von 5 Prozent auf 15 Prozent stieg. Dieser Trend zeigte sich auch bei den Brutvögeln. Dies ist damit zu erklären, dass die Biodiversitätsförderflächen für die Vögel gute Futter- und Nistmöglichkeiten bieten – ganz im Gegensatz zu intensiv benutzte Agrarflächen.

«Frühere Studien haben gezeigt, dass die extensiv bewirtschafteten Biodiversitätsförderflächen die Biodiversität lokal, das heisst auf Ebene der Parzelle, fördern. Unsere Studie zeigt, dass Förderflächen auch grossflächig, auf Landschaftsebene, positive Auswirkungen auf die Populationen von Brutvögeln und Tagfaltern haben,» sagt Jean-Yves Humbert, der Leiter der Studie.

Kaum Biodiversitätsförderflächen mit hoher Qualität im Mittelland

Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass sich Biodiversitätsförderflächen mit hoher Qualität positiv auf die Population von charakteristischen und prioritären Brutvogelarten des Kulturlandes und der Roten Liste auswirken. Biodiversitätsförderflächen mit hoher Qualität haben einen höheren ökologischen Wert und botanische Qualität und sind zudem besonders arten- oder strukturreich. «In unserem Studiengebiet hatten nur zwei von 46 Landschaften einen hohen Anteil an Biodiversitätsförderflächen mit hoher Qualität, was den verheerenden Mangel im Schweizer Mittelland verdeutlicht,» sagt Silvia Zingg von der Berner Fachhochschule.

Mehr und qualitativ bessere Förderflächen notwendig

Um die «Umweltziele Landwirtschaft» der Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft im Bereich Biodiversität zu erreichen, sollte daher gemäss den Forschungsergebnissen der Anteil Biodiversitätsförderflächen erhöht und die Qualität bestehender Flächen dringend aufgewertet werden. Um seltene oder spezialisierte Arten zu fördern genügten die klassischen Biodiversitätsförderflächen aber nicht: «Leider sind die Populationen vieler Arten, wie beispielsweise des Wiedehopfes oder des Braunkehlchens, im Mittelland bereits stark reduziert oder verschwunden. Zur Förderung solcher Arten müssen weitere gezielte, art-spezifische Massnahmen umgesetzt werden,» sagt Silvia Zingg.

Hier finden Sie die vollständige Studie über die Wirksamkeit der Biodiversitätsförderflächen, welche im Journal Biological Conservation veröffentlicht wurde.

Die Biodiversität im Kulturland hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Mit dem Ziel, diesen Rückgang zu stoppen und umzukehren, wurden in der Schweiz in den 1990er-Jahren die Biodiversitätsförderflächen (BFF, ehemals ökologische Ausgleichsflächen) eingeführt. Biodiversitätsförderflächen sind naturnahe Flächen wie Wiesen und Weiden, Wildblumenstreifen oder Hecken. Sie werden extensiv bewirtschaftet, Dünge- und Pflanzenschutzmittel dürfen also nur sehr begrenzt eingesetzt werden. Landwirtinnen und Landwirte müssen mindestens 7 Prozent ihrer Flächen als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaften, um den ökologischen Leistungsnachweis zu erfüllen, der sie zum Bezug von Direktzahlungen qualifiziert.

5 Kommentare

  • Rolf

    Die Studie beschränkt sich nicht auf die Landwirtschaft. Sie zeigt auf, wieviel naturnahe Flächen nötig sind um die Biodiversität erhalten zu können. Sinkt die naturnahe Fläche unter 15-20%, haben viele Tierarten, wie zum Beispiel die Schmetterlinge, kaum Chancen sich entwickeln und halten zu können. In Anbetracht, dass die Siedlungen sich immer mehr ausbreiten, ist es wichtig auch hier naturnahe Flächen anzulegen. Naturschutzgebiete sind wichtig, reichen aber allein nicht. Die Landwirtschaft ist sicher gefordert Ihren Teil zu leisten. Die Siedlungen aber ebenso und entlang von Verkehrsinfrastrukturen, wie Eisenbahn und Autobahn ist es eigentlich unverständlich, wieso hier die Bewirtschaftung meist schädlich für die Fauna erfolgt.

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  • Ferdi Projer

    Solange Oekoflächen nicht auf Qualität und Quantität kontrolliert und ausgewiesen werden wird die Artenvielfalt weiter abnehmen. Direktzahlungen dürfen nur für ausgewiesene Qualität bezahlt werden, sonst ändert sich wirklich nicht viel. Eine Vernetzung der Oekoflächen ist dringend nötig.

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    • Rolf

      Die Qulität und Quantiät der Ökoflächen wird bereits kontrolliert

  • Ernst Leuenberger

    ,,,,es ist wirklich sinnlos, an den kleinen „Schräubchen“ zu drehen ! Es nützt nichts, ob wir links oder rechts drehen ! Zu viel ist schon kaputt. Und was im Herbst in Bern passierte – und sicher im Frühjahr wieder – und wieder passieren wird – es ist wie es ist und bleibt so. ,,,noch schneller – noch höher – noch breiter – usw. Die Politik wird nichts ändern ! ,,,ja ein Systemwechsel !

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  • Uwe Scheibler

    Das ist gefühlt etwa die hundertste Studie, welche den immer gleich negativen Befund zutage fördert. Insofern also nichts Neues.
    Erstaunlich ist allerdings die vom Versuchsdesign nicht ganz glaubwürdig abgedeckte Folgerung, man müsse nur den Flächenanteil und die Qualität der ökologischen Ausgleichsflächen verdoppeln und dann käme alles wieder ins Lot. Erstens ist der bereits eingetretene Biodiversitätsverlust so hoch, dass auch eine um 50 % höhere Artenvielfalt noch weit unter dem Zielniveau läge und zweitens sind die langfristig wirkenden Randeinflüsse und die überregionalen Änderungen in der Kurzfrist-Studie nicht berücksichtigt.
    Anstatt also für die Fortsetzung einer grundsätzlich nicht nachhaltigen Landnutzungsform zu plädieren, wäre es anhand der Resultate vielleicht einmal angebracht, über einen Systemwechsel nachzudenken.

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