Mehr Magerwiesen im Kanton ZH

  • Barbara Darani
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Wichtige Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere sind im Kanton Zürich die Magerwiesen. Die Fachstelle Naturschutz engagiert sich für den Rückgewinn solcher Flächen. Dabei wendet sie die ebenso einfache wie wirkungsvolle Direktbegrünung an, um wertvolle Wiesen zu „vermehren“. Die Bedeutung der Magerwiesen und die Methode der Direktbegrünung erläuterte die Fachstelle an einer Medienfahrt ins Zürcher Unterland.

Eine möglichst grosse Vielfalt an Tieren und Pflanzen ist die Grundlage für das Fortbestehen unserer natürlichen Umwelt und damit auch für den Menschen enorm wichtig. Die so genannten Magerwiesen haben eine grosse Bedeutung für die Artenvielfalt, werden sie doch von besonders vielen Tieren und Pflanzen bewohnt. Magerwiesen wachsen dort, wo nie gedüngt wurde. Sie müssen, wie früher üblich, auch regelmässig gemäht werden, sonst verwalden sie rasch. Eine alte Magerwiese kann über hundert Arten pro Are (100 Quadratmeter) beherbergen. Viele davon sind heute selten und bedroht. Demgegenüber kommen in Fettwiesen höchstens zwanzig bis dreissig häufige Arten pro Are vor. Als Fettwiesen bezeichnet man die heute weit verbreiteten, für einen hohen Ertrag an Futtergras oder Heu gedüngten Wiesen.

Durch die immer intensivere Nutzung unserer Landschaft schrumpfte die Magerwiesen-Fläche in den letzten Jahrzehnten gewaltig. Breiteten sie sich im Kanton Zürich um 1900 noch auf rund 30’000 Hektaren aus, sind es heute noch rund 200 Hektaren, also knapp ein Prozent der ursprünglichen Fläche. Entsprechend sind von den ursprünglich schätzungsweise 360 Magerwiesenpflanzen im Kanton rund 50 ausgestorben. Die noch vorhandenen Magerwiesenflächen reichen für den langfristigen Erhalt dieser verbliebenen Arten nicht aus. Darum fordert das 1995 vom Regierungsrat festgesetzte Naturschutz-Gesamtkonzept langfristig mindestens wieder 4’000 Hektaren artenreiche Wiesen und die Ausdehnung der Magerwiesen auf 800 Hektaren bis in zehn Jahren. Im Rahmen der Umsetzung der Ökoqualitätsverordnung des Bundes (ÖQV) konnten in den vergangenen Jahren etliche Fettwiesen im Kanton extensiviert, das heisst neu ohne Düngung bewirtschaftet werden. Die Ausmagerung dauert auf diese Weise jedoch Jahrzehnte. Um qualitativ hochwertige Flächen neu zu schaffen, braucht es aber besondere Standorte, d.h. speziell angelegte warme, trockene und magere Flächen, und eine Begrünung, welche die vielen seltenen und bedrohten Arten der Magerwiese vermehrt.

Dafür wendet die Fachstelle Naturschutz die Methode der «Direktbegrünung» an. Dabei wird eine bestehende, nahe gelegene Magerwiese gemäht, wenn die Samen reif sind. Das Schnittgut wird möglichst rasch auf der neuen Fläche verteilt. Dort fallen die Samen aus dem trocknenden Heu auf den Boden und keimen. Die Methode hat viele Vorteile: Es verbreiten sich mehr und andere Arten als in jeder auf dem Markt erhältlichen Samenmischung zu finden sind. Die Zusammensetzung der Arten ist zudem bei jeder Direktbegrünung wieder anders. Die Samen stammen von örtlich typischen, klimatisch angepassten Arten aus der unmittelbaren Umgebung. Das hilft mit, so genannte regionale Ökotypen, d.h. regional unterschiedliche Ausprägungen einer Art zu verbreiten. Und schliesslich werden mit dem Gras von der alten Wiese auch zahlreiche Kleintiere wie Raupen, Heuschrecken, Käfer und Spinnen auf die neue Wiese «gezügelt».

Wie Urs Kuhn, Leiter der Fachstelle Naturschutz im Amt für Landschaft und Natur (ALN), am 15. Juli an einer Medienfahrt ins Zürcher Unterland erklärte, sollen gemäss Naturschutz-Gesamtkonzept neue Magerwiesen vor allem nahe bei bestehende Schutzgebieten und Artvorkommen sowie in den kantonalen Schwerpunktgebieten angelegt werden. Das Zürcher Unterland ist eines dieser Schwerpunktgebiete. Es zeichnet sich aus durch ein warmes, trockenes Klima und sandig-kiesige Böden, was die Bildung magerer und artenreicher Magerwiesen fördert. Andreas Keel, Projektleiter der Fachstelle Naturschutz, zeigte, wie die bestehende, sehr artenreiche Magerwiese Gentner in Eglisau gemäht und das Schnittgut auf einen neu geschaffenen Magerstandort in einer Kiesgrube in Wasterkingen ausgebracht wurde. Die Arbeiten wurden vom Unterhaltsdienst der Fachstelle Naturschutz ausgeführt, der auf diese Begrünungsart spezialisiert ist. Seltene Pflanzen wie der Flügelginster, die Weisse Sommerwurz oder das Sonnenröschen, Schmetterlinge wie der Sonnenröschen-Bläuling oder Heuschrecken können so einen neuen Lebensraum besiedeln. Im Rafzerfeld ist die Neuschaffung von Magerwiesen möglich dank der Partnerschaft zwischen der Fachstelle Naturschutz, den Kiesfirmen und den örtlichen Landwirten.

Mit Hilfe der Direktbegrünung sind im ganzen Kanton bisher gegen 100 Hektaren neue, wertvolle Magerwiesen anlegt worden, meist mit Beteiligung der Spezialisten der Fachstelle Naturschutz. Damit konnten die Überlebenschancen vieler nur in diesem Lebensraum vorkommenden Pflanzen und Tiere wesentlich verbessert werden. Auch die Bevölkerung profitiert von attraktiven Naherholungsräumen.

Fachstelle Naturschutz

2 Kommentare

  • Atzrodt Margrit Friedackerstrasse 16 8153 Rümlang

    Das dreitägige 1.Zürcher-Openair (Ende August) zwischen Rümlang und Glattbrugg, an der Flughofstrasse hat in drei Tagen eine paradiesische Wiese ( teils Magerwiese )in eine Morastwüste verwandelt. Dieser desolate Zustand wird sich nicht so schnell erholen können.Warum wurde dieser Event dort zugelassen ? Wo war der Naturschutz ? Muss wegen solchen aufgeblähten Events dieser Rest Paradies sterben ? Wo ist der Naturschutz gewesen ? Grüsse M.Atzrodt

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  • Ernst Sonderegger

    Ja sicher, aber ….

    Mit grossem Enthusiasmus / Eifer haben wir vor Jahren verschiedene blumenreiche (Hang-)Parzellen ins Kommunale Naturschutz-Inventar aufgenommen.

    Als Mager- oder Trockenwiesen wurden sie bezeichnet und mit einem Düngeverbot belegt. Leider präsentieren sich heute (mindestens fürs Auge und „aus der Ferne“ besehen) verschiedene dieser Objekte als „Berufskraut-Haine“. Wäre es evtl. nicht sinnvoller (gewesen) solche Flächen als „Artenreiche Fettwiesen“ zu erhalten? Ist doch auch dieser Wiesentyp (Fromentalwiesen) in unserer Gegend selten.

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