© Urs-Beat Brändli (WSL)
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Mehr Laubbäume und weniger Fichtenholz im Mittelland

  • Roman Vonwil
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Im Schweizer Wald nahm der Holzvorrat in den vergangenen sieben Jahren um 1.5 Prozent zu, ähnlich wie in der Vorperiode. In einigen Regionen wurde hingegen mehr Holz genutzt als nachgewachsen ist. Im Mittelland nahm der stehende Holzvorrat der Fichte sogar um mehr als neun Prozent ab. Dafür entstanden Jungwälder mit mehrheitlich Laubbäumen. Dies zeigen Ergebnisse des vierten Landesforstinventars (LFI4), das die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL und das Bundesamt für Umwelt BAFU gemeinsam durchführen.

Die aktuelle Erhebung des LFI4 bestätigt das Anhalten einiger bisheriger Trends: Die Waldfläche und der Holzvorrat, das Holzvolumen der lebenden Bäume, nehmen im Alpenraum weiter zu. Auch die Baumartenvielfalt verzeichnet in allen Regionen Zunahmen. Und im Jura und Alpenraum steigt die ökologische Qualität des Waldes wegen der zunehmenden Menge an Totholz, einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Das LFI4 zeigt, dass gut zugängliche Waldgebiete allgemein stärker genutzt werden. Auch Jahre nach dem Orkan Lothar 1999, den Borkenkäferschäden und mehreren trockenen Jahren wird insbesondere die Fichte, die derzeit wichtigste Baumart der Wald- und Holzwirtschaft, im Mittelland und im östlichen Jura weiterhin stark genutzt. Darum hat der durchschnittliche Holzvorrat der Fichte im Mittelland innerhalb von sieben Jahren um mehr als 9 Prozent abgenommen.

Trotz dieser stärkeren Nutzung im Mittelland und im Jura in den letzten Jahren ist der Vorrat an Fichtenholz landesweit gleich geblieben. Denn in den schwer zugänglichen Wäldern der Alpen und Alpensüdseite wurden nur 59 beziehungsweise 41 Prozent des Fichtenzuwachses genutzt oder sind abgestorben.

Auch bei der Bilanz über alle Baumarten fällt auf, dass der durchschnittliche Holzvorrat im mittleren und östlichen Mittelland wie auch im östlichen Jura insgesamt abgenommen hat. In diesen gut zugänglichen Gebieten lagen Nutzung und Mortalität insgesamt um rund 20 Prozent über dem Zuwachs. Weil aber im Alpenraum generell weniger Holz genutzt wird als zuwächst, hat der totale Holzvorrat im gesamten Schweizer Wald trotzdem in sieben Jahren in ähnlichem Ausmass wie in der Vorperiode zugenommen, nämlich um insgesamt 1.5 Prozent.

Wo alte Bäume gefällt wurden, können nun wieder junge Bäume nachwachsen. Auf den meisten der genutzten Flächen im Mittelland und im Jura wachsen mehrheitlich Laubbäume nach. Sie bilden den Grundstock für den Wald von morgen. Eine stärkere Nutzung ist für die Zukunft des Schweizer Waldes von bedeutender Wichtigkeit. Denn es braucht mehr Jungwälder, als heute vorhanden sind, wenn der Wald nachhaltig genutzt werden soll.

Die aktuellen Ergebnisse aus dem Landesforstinventar über Waldressourcen, Holzproduktion und Biodiversität sowie zum Zustand des Schutzwaldes und zur Erholungsfunktion sind in Form von übersichtlichen Tabellen und Karten hier publiziert.

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