© BirdLife Schweiz
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Mehr Blumenwiesen sind nötig zur Förderung der Wildbienen

  • Kathrin Ruprecht
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Ab Mitte bis Ende März beginnt die Saison der Wildbienen. Landauf landab werden vor allem im Siedlungsraum Bienenhotels aufgestellt. Doch die für die Bestäubung der Nutz- und Wildpflanzen wichtigen Wildbienen brauchen nicht nur Nistplätze, sondern auch Nahrung. Blumenwiesen sind gerade im Siedlungsraum entscheidend für die Wildbienen.

In der Schweiz leben über 600 Wildbienenarten. Diese übernehmen bis zu zwei Drittel der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen und fliegen im Gegensatz zur Honigbiene oft auch bei schlechtem Wetter. Ihre Förderung ist daher enorm wichtig, schreibt BirdLife Schweiz. 50-90% aller Wildbienenarten kommen auch in Dorf und Stadt vor, wenn sie geeignete Lebensräume finden. BirdLife Schweiz fordert Hausbesitzer und Hausverwaltungen, Städte und Gemeinden auf, mit Blumenwiesen im Siedlungsraum, Lebensräume für die mehreren hundert einheimischen Wildbienenarten schaffen.

Ein Wildbienenhotel allein genügt nicht

Wildbienen brauchen zwei Hauptressourcen: erstens Blüten für die eigene Ernährung und für die Fütterung der Larven und zweitens Kleinstrukturen, Totholz oder unbewachsene sandige Böden für die Anlage ihrer Nester. Rund 46% aller Wildbienenarten sind für die Pollen- und Nektarsuche streng auf eine Pflanzengattung oder -familie angewiesen. Ihr Verzehr an Blütenpollen ist enorm. So braucht ein Weibchen der Schwarzen Mörtelbiene alleine zur Ernährung eines Nachkommens den Pollen von 1100 Blüten der Esparsette.

Eine ganze Reihe von Wildbienenarten baut ihre Nester in sandigem Boden, in der unbewachsenen Erde, in Käfergängen in Totholz oder in Stängeln, aber teilweise auch in leeren Schneckenhäuschen oder an Steinen. Deshalb braucht es neben den Bienenhotels auch unterschiedlichste Kleinstrukturen. Wichtig ist, dass die Nist- und Nahrungsplätze nahe beieinander liegen. Sonst kommt zu wenig Nachwuchs auf, da die Weibchen zu viel Zeit für den Hin- und Herflug benötigen oder die Nester in der Zwischenzeit z.B. durch Kuckucksbienen parasitiert werden.

Alle können den Wildbienen helfen

Auf dem Balkon, im Garten oder auf den Grünflächen von Siedlungen oder rund um öffentliche Gebäude bieten sich überall Möglichkeiten, Wildblumen zu setzen und Blumenwiesen anzulegen. Anstelle von Geranien kann man in einigen Blumenkisten oder Töpfen Glockenblumen, Wegwarten, Hornklee oder Natternkopf pflanzen. Blumenrasen oder Blumenwiesen im Garten erfreuen nicht nur die Wildbienen, sondern auch andere Tiere wie auch den Menschen. Und rund um öffentliche Gebäude oder in Pärken bilden Blumenwiesen nicht nur ein Nahrungsreservoir für Wildbienen, sondern sie sind auch wesentlich günstiger im Unterhalt als Rasenflächen, da sie nur zweimal pro Jahr gemäht werden müssen. Wichtig ist ein kontinuierliches Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst, da jede Wildbienenart zu einer anderen Zeit im Jahr fliegt.

Auch für das nötige Nistplatzangebot lässt sich im Siedlungsraum viel tun: mit Totholz mit Käfergängen, stehengelassenen markhaltigen Stängeln, besonnten Steinen und offenen, sandigen Bodenstellen. Auch ein gut gemachtes Wildbienenhotel enthält solche Elemente. Ist der Garten so ausgestattet, entdeckt man auf einer Safari in der eigenen Umgebung plötzlich eine Kleine Harzbiene, eine Glockenblumen-Sägehornbiene oder eine Weiden-Sandbiene. Von Blumenwiesen profitieren zudem Schmetterlinge, aber auch Distelfink, Girlitz und der Vogel des Jahres 2015, der Haussperling.

Jeder Quadratmeter zählt

Wer den Wildbienen helfen will, aber noch nicht genau weiss wie, kann sich mit der BirdLife- Praxishilfe „Blumenreiche Lebensräume und Wildbienen im Siedlungsgebiet“ kundig machen. Das informative Heft stellt verschiedene blütenreiche Lebensräume vor, erläutert Spannendes zum Leben der Wildbienen und zeigt in einem Praxisteil, wie Wildbienen durch die Anlage von Blumenwiesen und Kleinstrukturen gefördert werden können. Die Dokumentation ist auf der Geschäftsstelle von BirdLife Schweiz, Postfach, 8036 Zürich, svs@birdlife.ch oder unter www.birdlife.ch erhältlich. Wildbienen brauchen viele Blüten, darum zählt jeder Quadratmeter Blumenwiese und Ruderalfläche und jedes Blumenkistchen mit einheimischen Blumen.

2 Kommentare

  • obelisk

    ich bezweifle, dass es sich um Bio-Betriebe handelt. Ich denke, dass es eher sogenannte IP-Betriebe sind. Was in den letzten Jahrzenten in der Landwirtschaft (IP-Betriebe) abgeht, schreit zum Himmel! Und dies mit gigantischen Bundesgeldern. Denken Sie bei den nächsten Wahlen daran: wählen Sie KEINE Bauern, keine der Landwirtschaft nahestehenden Kandidaten usw., dann wird sich dieses Problem vielleicht lösen. Vergessen Sie nicht, dass die Landwirtschaft inkl. ihr nahestehendes Gewerbe und Organisationen fast zehn mal mehr Parlamentarier/innen stellt, als sie Anteil an der gesamten Bevölkerung hat!
    Nur mit unseren Wahlzetteln und (berechtigten) Klagen gegen Vergehen in der Landwirtschaft (Hecken zerstören, Tierschutzvergehen, etc.) kann etwas bewirkt werden.
    Haben Sie auch den Mut, in der Öffentlichkeit gegen diese Schweinerei anzutreten.

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  • Susanne

    Seit wenigen Jahren stelle ich fest, dass bei uns in den Bergen (in einem Naturpark) die jungen Bauern, welche vor nicht all zu langer Zeit die Bauernhöfe ihrer Eltern übernommen haben, immer mehr artenreiche Blumenwiesen im Herbst umpflügen und im Frühjahr mit einer Sorte Gras ansäen. Diese Wiesen sind öde, bilden keine „Grasnarbe“mehr und sind in nassen Sommern sumpfig. Wo eine einmalige Vielfalt war, steht eine Sorte Gras, im zweiten Jahr gesellt sich vielleicht noch Löwenzahn dazu. Ade Nelken, Schlüsselblume, Vergissmeinnicht, Dotterblumen, Orchideen etc.
    Lernen die Bauern in ihrer Ausbildung nicht, wie wichtig die Biodiversität ist? Übrigens sind bei uns alle Bauernbetriebe Bio-Betriebe. Jeder Bauer hat aber seit der Umstellung auf Bio-Betrieb etwa drei bis fünf Mal so viele Kühe, also fällt auch drei bis fünf Mal soviel Mist und Gülle an. Die zu bewirtschaftenden Flächen sind aber nicht grösser geworden, die Wiesen werden dementsprechend im Frühjahr und Herbst regelrecht mit Gülle und Mist „zubetoniert“. Es scheint mir fast, als werde hier mit Fleiss gegen die Biodiversität gearbeitet!

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