© SVS/BirdLife Schweiz
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Mehr als 7000 Hochstamm-Obstbäume am Farnsberg BL

  • Kathrin Ruprecht
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Erstmals seit mehreren Jahrzehnten stehen am Farnsberg im Baselbiet zwischen Gelterkinden und Buus wieder über 7000 Hochstamm-Obstbäume. Dies ist der Erfolg einer aussergewöhnlich engen Zusammenarbeit zwischen 24 Landwirten, dem Naturschutzverband SVS/BirdLife Schweiz und seinen lokalen Sektionen. Das Projekt zeigt: Ökonomie und Ökologie müssen in der Landwirtschaft kein Widerspruch sein.

Hochstamm-Obstgärten bereichern das Landschaftsbild, sind ein wertvoller Lebensraum für die Natur und laden zur Erholung ein. Rund 40 Brutvogelarten und viele weitere Tier- und Pflanzenarten leben in naturnahen Hochstamm-Obstgärten, schreibt SVS/BirdLife Schweiz. Die Zahl der Hochstamm-Obstbäume hatte in der Schweiz seit den 1950er-Jahren dramatisch abgenommen: von 14,1 Millionen 1960 auf nur noch etwa 2,4 Millionen 2004. Zahlreiche Vogelarten der Obstgärten stehen aufgrund des Verschwindens der Hochstammobstbäume und der Intensivierung des Grünlands auf der Roten Liste.

Einmalige Zusammenarbeit

Doch 10 Jahre später ist der Trend am Farnsberg dank einem langfristigen Programm des SVS/BirdLife Schweiz, der Natur- und Vogelschutzvereine von Buus, Gelterkinden, Hemmiken, Ormalingen und Rothenfluh-Anwil, des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain sowie 24 Landwirten umgekehrt: zum ersten Mal seit vielen Jahren stehen wieder mehr als 7000 Hochstammbäume auf den 24 Betrieben. Über 1400 Bäume wurden im Rahmen des Programms Obstgarten Farnsberg gesetzt, ebenso 3500 einheimische Büsche. Zusätzlich wurden über 17 Hektaren wertvolle Biodiversitätsförderflächen angesät, insbesondere Blumenwiesen, artenreiche Weiden und in geringerem Umfang wertvolle Buntbrachen.

Diese Aufwertungen haben dazu beigetragen, dass der Wendehals und der Gartenrotschwanz weiterhin im Gebiet brüten – wenn auch in geringer Anzahl. Der Neuntöter hat am Farnsberg zugenommen und brütet jährlich in 10-15 Paaren. Zudem werden wieder mehr Feldhasen, Wiesel und Zauneidechsen beobachtet.

© SVS/BirdLife Schweiz
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Ökonomie und Ökologie ergänzen sich

Das Projekt zeigt: Ökonomie und Ökologie müssten in der Landwirtschaft auch andernorts kein Widerspruch sein. Alle beteiligten 24 Landwirtschaftsbetriebe machen freiwillig beim Projekt mit und müssen weiterhin wirtschaftlich unabhängig funktionieren. Die Früchte aus dem Farnsberg werden u. a. auch in Produkten eines Grossverteilers verwertet.

Allerdings sind die Schweizer Landwirtschaftspolitik und die Direktzahlungen noch viel zu wenig darauf ausgerichtet, dieses Miteinander zu fördern. Aktuell sind noch grosse Investitionen aus Beiträgen von Stiftungen, von Einrichtungen wie dem Fonds Landschaft Schweiz und dem Swisslos-Fonds sowie aus Eigenmitteln des Naturschutzes notwendig, um die Synergien zu nutzen.

Wie geht es im Obstgarten Farnsberg weiter?

Der SVS/BirdLife Schweiz und seine Partner möchten das Programm Obstgarten Farnsberg auch in Zukunft weiterführen, denn es fehlt weiterhin an Lebensraum für seltene Arten der Roten Liste. In den nächsten Jahren werden Naturoasen mit sehr hoher Lebensraumqualität geschaffen, die gleichzeitig auch zu Naturbeobachtungen einladen. Davon werden der Gartenrotschwanz, die Zauneidechse und die Bevölkerung gleichermassen profitieren.
Der Schwerpunkt wird auf kleinflächigen Massnahmen, insbesondere Strukturen wie Ast- und Steinhaufen sowie Buschgruppen gelegt.

1 Kommentar

  • Schumacher Urs

    Das ist eine ganz tolle Nachricht. Da ich meinen besten Freund in Anwil öfters mit meiner Familie besuche, weis ich auch von der guten Luft in der Region.
    Danke. Und versucht es weiter.

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