Der Falsche Clownfisch gehört der Familie der Riffbarsche an. Er ist gemäss der Studie anzahlmässig die zweithäufigst importierte Art. | © Elias Levy [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Der Falsche Clownfisch gehört der Familie der Riffbarsche an. Er ist gemäss der Studie anzahlmässig die zweithäufigst importierte Art. | © Elias Levy [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Meereszierfische und ihre gefährliche Reise ins Aquarium

  • Mélanie Guillebeau
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Blau, grün, glänzend, rot oder schimmernd: Meereszierfische sind wunderschön anzusehen und dementsprechend beliebt als Aquarienfische. Wie eine neue Studie belegt, können in der Schweiz jährlich schätzungsweise mehr als 200’000 marine Zierfische importiert werden. Dieser rege Handel hat aber seinen Preis – für die Fische selbst und deren heimische Ökosysteme. 

Fische, die die Korallenriffe unserer Ozeane beleben, haben es nicht leicht. Sie sind stark vom fortwährenden Absterben der Korallenriffe, und somit ihres Lebensraums, betroffen. Bereits knapp ein Fünftel aller Korallenriffe weltweit sind der Korallenbleiche zum Opfer gefallen – für die wir Menschen indirekt durch das Vorantreiben der globalen Erwärmung verantwortlich sind. Doch wir haben es unrühmlicherweise auch geschafft, Korallenrifffische direkt in Gefahr zu bringen: mit dem weltweiten Handel von marinen Zierfischen für Aquarien.

99 Prozent aller Meereszierfische aus Wildfang

Das Geschäft mit den Meereszierfischen ist äusserst lukrativ und wird dementsprechend gut gepflegt: Jährlich werden Millionen der rund 2300 gehandelten Zierfischarten um die Welt geschifft. Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinigten Nationen (UNEP) werden 99 Prozent aller zum Verkauf stehenden Meereszierfische wild gefangen.

Aufgrund des Abfischens für den Aquarienhandel ist der Wildbestand des Banggai-Kardinalbarsches bereits um 90 Prozent geschrumpft. | © Ozan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Aufgrund des Abfischens für den Aquarienhandel ist der Wildbestand des Banggai-Kardinalbarsches bereits um mehr als 90 Prozent geschrumpft. | © Ozan [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Das übermässige Abfischen von Korallen bewohnenden Organismen kann für das Fortbestehen der Wildpopulation und das betroffene Ökosystem jedoch verheerend sein. Für das Einfangen der Fische wird zudem mancherorts – wenn auch illegalerweise – toxisches Natriumcyanid verwendet. Dessen Einsatz ist nicht äusserst spezifisch: Es betäubt nicht nur die erwünschten Zierfische, sondern tötet andere Fische und führt zahlreichen weiteren Meeresbewohnern Schaden zu.

Beschwerliche Reise: bis zu 80 Prozent sterben

Sind die Meereszierfische erst einmal gefangen, steht ihnen eine beschwerliche Reise bevor. Auf dieser erliegen viele dem Stress, bereits bestehenden Verletzungen – ein häufiges Relikt des vorangehenden Fangs – oder den ungünstigen Transportbedingungen. Die Sterberate variiert dabei je nach Art – kann aber bis zu 80 Prozent erreichen. Mit der Ankunft im Importland sind die Torturen noch immer nicht überstanden. Eine weitere kritische Phase stellt die Zeit bis zur Übergabe an den Kunden dar: Beim häufig gehandelten Banggai-Kardinalbarsch sterben weitere 80 bis 100 Prozent!

Schweiz: 200’000 importierte Zierfische pro Jahr

Wie die kürzlich veröffentliche und einmalige Studie von Monica Biondo aufzeigt, mischt auch die Schweiz munter mit beim Handel mit den Meereszierfischen. Biondo schätzt, dass rund 200’000 Meereszierfische jedes Jahr, mehrheitlich aus Indonesien, in die Schweiz importiert werden können. Einige davon verbleiben in lokalen Aquarienläden, andere wiederum werden in die EU exportiert. Gut die Hälfte der Meereszierfischarten, die die Schweizer Grenze überschreiten, besitzen keinen definierten Gefährdungsstatus (gemäss der Roten Liste der Weltnaturschutzunion, IUCN). Eine genauere Überwachung des Zustandes dieser Arten in ihren angestammten – teils bedrohten – Lebensräumen würde aber angesichts der grossen Importzahlen sinnvoll erscheinen.

Auch Doktorfische, so wie der Paletten-Doktorfisch oder "Dorie", sind bei Aquarienhaltern sehr beliebt - wahrscheinlich angetrieben durch den Film "Findet Nemo". | © CameliaTWU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Auch Doktorfische, so wie der Paletten-Doktorfisch oder „Dorie“, sind bei Aquarienhaltern sehr beliebt – wahrscheinlich angetrieben durch den Film „Findet Nemo“. Sie stehen an neunter Stelle der am häufigsten in die Schweiz importierten Meereszierfischarten. | © CameliaTWU [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Um eine Besserung zu erreichen, empfiehlt Biondo, alle gehandelten Meereszierfischarten durch die IUCN einstufen zu lassen. Zudem appelliert die Meeresbiologin an CITES*, gefährdete Arten entsprechend zu überwachen und mit einem Handelsabkommen zu schützen.

*Konvention zum internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, auch als Washintoner Artenschutzabkommen bekannt

Weitere Informationen können Sie der gesamten Studie „Quantifying the trade in marine ornamental fishes into Switzerland and an estimation of imports from the European Union“ von Monica V. Biondo entnehmen (publiziert in Global Ecology and Conservation).

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