Kiebitzweibchen hudert seine wenige Tage alten Küken. | © Thorsten Krüger
Kiebitzweibchen hudert seine wenige Tage alten Küken. | © Thorsten Krüger

Massnahmen für Kiebitz von Erfolg gekrönt

  • Judith Schärer
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Der Kiebitz ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht und auch gemäss europäischer Roter Liste potenziell gefährdet. Im Kanton Freiburg werden auf dem Gebiet Grossen Moos deshalb seit einigen Jahren Massnahmen zur Brutverbesserung des Kiebitz durchgeführt. Mit Erfolg: Erstmals seit etwa 15 Jahren haben Kiebitze im Grossen Moos wieder erfolgreich Junge aufgezogen.

Im Grossen Moos haben der SVS/BirdLife Schweiz, die Anstalten Bellechasse und weitere Partner mit gezielten Massnahmen die Brutbedingungen für den Kiebitz verbessert. Diese Anstrengungen wurden nun belohnt: Mindestens 3 Jungvögel sind flügge geworden, wie der SVS/BirdLife mitteilt. Dies könnte der Beginn der Wiederbesiedlung des Grossen Mooses sein, wo um 1970 noch etwa 170 Kiebitzpaare brüteten.

Opfer der intensiven Landwirtschaft

Ursprünglich brütete der Kiebitz in Flussauen, Feuchtgebieten und Riedwiesen. Die Flüsse wurden insbesondere im 19. Jahrhundert begradigt und Riedgebiete trockengelegt, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dies führte zu einem Rückgang der Kiebitzbestände, dessen Ausmass jedoch kaum dokumentiert ist. Mitte des 20. Jahrhunderts ergab sich eine überraschende Wende: Die Kiebitze begannen, auf Äckern zu brüten, und damit nahmen ihre Bestände wieder zu. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft stellte die Vögel erneut vor Probleme. In den letzten Jahren brüteten nur noch 120-150 Paare in unserem Land.

Verlauf der Brutsaison im Grossen Moos

Im Grossen Moos zwischen Bieler- und Murtensee versuchten zwei Kiebitzpaare bereits 2014 wieder zu brüten – leider erfolglos. Im Frühling 2015 versammelten sich 8 Vögel auf einem unbestellten Acker der Strafanstalten Bellechasse. Diese willigten ein, den Mais auf diesem Acker erst später einzusäen. Der SVS/BirdLife Schweiz und die Anstalten Bellechasse stellten einen Elektrozaun auf, um die neue Kiebitzkolonie vor Füchsen, streunenden Hunden und Katzen zu schützen. Der Zaun verhindert zudem, dass versehentlich mit einer landwirtschaftlichen Maschine über ein Kiebitznest gefahren wird. Die bereitgestellten Lebensräume schienen zu gefallen, insgesamt 12 Kiebitzpaare brüteten im Grossen Moos. Mindestens 7 Paare brachten ihre Eier zum Schlüpfen, insgesamt rannten wohl etwa 20 Jungvögel herum. Mindestens drei davon haben das flugfähige Alter erreicht – wahrscheinlich mehr. Das ist ein wichtiger Erfolg: Seit der Jahrtausenwende sind im Grossen Moos keine jungen Kiebitze mehr aufgekommen.

Dank verschiedenen Massnahmen wurde es möglich, dass auf diesem Acker wieder Kiebitze brüten. | © Stephan Strebel
Dank verschiedenen Massnahmen wurde es möglich, dass auf diesem Acker wieder Kiebitze brüten. | © Stephan Strebel

Werden die Jungvögel nächsten Frühling ins Grosse Moos zurückkehren?

Einst brüteten im Grossen Moos 170 Kiebitzpaare, möglicherweise auch mehr. Dies unterstreicht das grosse Potenzial dieser Region für den Kiebitz. Aber auch für andere gefährdete Vogelarten hat das Grosse Moos eine herausragende Bedeutung – deshalb wurde es als „Important Bird and Biodiversity Area IBA“ ausgeschieden. Der SVS/BirdLife Schweiz hofft sehr, dass die Kiebitze nächstes Jahr zurückkehren und wiederum mit gezielten Massnahmen gefördert werden können. Eine Kiebitzkolonie im Grossen Moos wäre ein wichtiger Beitrag, um das Überleben dieser Art in der Schweiz zu sichern und allenfalls auch eine Wiederbesiedlung der Romandie zu ermöglichen.

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