Die äusserst seltenen Maskarenen-Sturmvögel (Pseudobulweria aterrima) findet man nur in Réunion.  | © FabKacau [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Die äusserst seltenen Maskarenen-Sturmvögel (Pseudobulweria aterrima) findet man nur in Réunion. | © FabKacau [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Maskarenen-Sturmvogel: erste Bruthöhle nach 130 Jahren gesichtet

  • Mélanie Guillebeau
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Für den Maskarenen-Sturmvogel hat das Versteckspiel ein Ende: Zum ersten Mal seit 130 Jahren ist es Forschern von LIFE+Petrels gelungen, zu einer Brutkolonie des vom Aussterben bedrohten Klippenbrüters vorzustossen.

Wie BirdLife International berichtet, gehört der Maskarenen-Sturmvogel zu den 15 seltensten Vogelarten der Welt: Schätzungsweise nur 100 bis 200 Exemplare findet man weltweit. Obschon der Begriff weltweit etwas übertrieben ist. Denn die vom Aussterben bedrohten Meeresvögel sind nur auf Réunion – einer kleinen Vulkaninsel im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und Mauritius – angesiedelt.

Galt lange als ausgestorben

So beschränkt die Verbreitung des Vogels ist, so schwierig stellt sich auch dessen Auffinden dar. Im vergangenen Jahrhundert wurde der Maskarenen-Sturmvogel nur zwei Mal beobachtet und seit der letzten Sichtung einer Bruthöhle sind bereits 130 Jahre vergangen – kein Wunder also, dass der Vogel für lange Zeit gar als ausgestorben galt. Die nächtlichen Rufe sind oft der einzige Hinweis auf die Präsenz des raren Vogels. Verantwortlich für das erschwerte Aufspüren einer Bruthöhle dürfte deren Standort an steilen, kaum zugänglichen Klippen sowie die Nachtaktivität dieser Art sein.

Immer der Nase nach

Und so haben sich die Ornithologen von LIFE+Petrels – eine internationale Gruppe, die seit 15 Jahren den Maskarenen-Sturmvogel erforscht – mit modernen Nachtsicht- und GPS-Geräten sowie Kletterausrüstung im Gepäck auf die Suche gemacht. Der ungefähre Standort der Brutkolonie konnte im Vorfeld dank der umfassenden Feldarbeiten auf eine Region im südlichen Teil der Insel eingegrenzt werden. In der Nacht- und Nebelaktion gelang es den Forschern, die besetzten Bruthöhlen in einer bröckelnden vulkanischen Klippe aufzuspüren. Wahrscheinlich konnten sie sich bei der Suche zudem von ihren Nasen leiten lassen. Denn die Brutkolonie verströmte einen fischigen Geruch, der bereits aus 30 Metern Entfernung vernommen werden konnte.

Auf frischer Tat ertappt: die Maskarenen-Sturmvögel in ihrer Bruthöhle. | © LIFE+Petrels
Auf frischer Tat ertappt: die Maskarenen-Sturmvögel in ihrer Bruthöhle. | © LIFE+Petrels

Fund liefert Grundlagen für Schutzmassnahmen

Mit der Entdeckung dieser Bruthöhle erhoffen sich die Ornithologen neue praktische Wege zu finden, um die Zukunft dieser aussergewöhnlichen und seltenen Vogelart zu sichern. Einerseits droht den Maskarenen-Sturmvögeln Gefahr aufgrund von eingeführten Prädatoren wie Raten und Katzen; andererseits führt die Lichtverschmutzung aus nahe gelegenen Städten zur Desorientierung – oder im schlimmsten Fall zum Absturz – der Vögel.

„Wir verfolgen momentan zwei Optionen: Die Erste ist, eine aktive Brutkolonie mithilfe einer Absperrung vor Prädatoren zu schützen. Die Zweite wäre der Bau einer künstlichen Brutkolonie in Meeresnähe, wo die Vögel vor der städtischen Lichtverschmutzung geschützt wären“, sagt Patrick Pinet, der wissenschaftliche Leiter der LIFE+Petrels-Projekte.

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