Mängel im Planungsverfahren

  • Stefanie Pfefferli
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Eine Verbindung der Skigebiete Nätschen-Andermatt und Sedrun kommt für die Umweltverbände nach wie vor in Frage. Was aktuell zwischen Nätschen-Gütsch und Oberalppass sowie am Gemsstock geplant wird, sprengt hingegen die sinnvollen Ausmasse und dies mit erheblichen Mängeln in den Planungsunterlagen. Das Tempo und die fehlende Sorgfalt bei der Planung dieses komplett neuen Gross-Skigebiets in den Schweizer Alpen sind fragwürdig. Gegen die Ausmasse des Projekts und die Mängel in den Planungsunterlagen reichen die Umweltverbände Einsprache beim Bundesamt für Verkehr ein. Das Projekt soll aus Sicht der Verbände verkleinert werden, so die gemeinsame Medienmitteilung der Organisationen WWF, Pro Natura, VCS, SL und Mountain Wilderness.

Zwischen Andermatt und Sedrun soll ein komplett neues Skigebiet innert weniger Jahre aus dem Boden gestampft werden. Mit der Zielgrösse von 800’000 Skifahrer-Tagen pro Jahr will Andermatt-Sedrun nach eigenem Bekunden in die Grössenordnungen von Zermatt, Verbier und St. Moritz vorstossen, den grössten Skigebieten in der Schweiz. Dazu braucht es das Doppelte des heutigen Besucheraufkommens.

Der Kanton Uri unternimmt alles, damit die gigantische Skidestination so rasch als möglich gebaut werden kann. Der ebenfalls betroffene Kanton Graubünden bietet dazu Hand. Wo’s pressiert, passieren Fehler. Was denn auch geschehen ist: „Die eingereichten Unterlagen der Investoren sind lückenhaft und enthalten Fehler. Und trotzdem will man das Projekt möglichst rasch zum Baustart bringen“, kritisiert Pia Tresch, Geschäftsstellenleiterin von Pro Natura Uri. Insbesondere der Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) und die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung werden als ungenügend beurteilt. Die Umweltverbände beanstanden die Erschliessung noch unberührter Geländekammern mit Anlagen und Pisten, welche beschneit werden sollen. Das Grossprojekt zerstört im grossen Stil und unwiederbringlich Natur- und Landschaftswerte. Ausserdem wäre der Wasser- und Energiebedarf für die flächenhafte Beschneiung unverhältnismässig. Deswegen reichen die Umweltverbände Einsprache beim Bundesamt für Verkehr ein. Die Umweltverbände betonen: Gegen eine massvolle, der Landschaft angepassten Verbindung der beiden Skigebiete Andermatt und Sedrun haben die Verbände nichts einzuwenden. „Was hingegen aktuell auf dem Tisch liegt, ist ein fehlerhaft geplantes Grossskigebiet, das ohne Rücksicht auf Natur und Landschaft, auf Druck der Investoren im Schnellzugstempo von allen durchgewinkt werden soll. Dagegen wehren wir uns“, so Pia Tresch weiter.

Lohnenswert für die Einheimischen?

Läuft alles nach Plan der Investoren und der Kantone Uri und Graubünden, sollen Kantonsbeiträge im Umfang von über 73 Millionen Franken für das neue Skigebiet gesprochen werden. Noch diesen Dezember wird der Landrat von Uri mehrere Millionen für den Ausbau der Skiinfrastrukturanlagen mit dem Budget 2012 bewilligen müssen. Vergleicht man die Tageskarten-Preise von Andermatt (Nätschen) heute mit denjenigen Destinationen, die schon heute in der Liga spielen, in die Andermatt vorstossen will, werden die Tageskarten-Preise dereinst bei rund 70 Franken oder mehr liegen müssen. „Mit Urner Steuergeldern soll ein Skigebiet bezahlt werden, das wenigen Bauherren zugute kommt und den skifahrenden Steuerzahlern pro Tageskarte rund 30 Franken mehr kosten soll. Diese Rechnung geht für Uri nicht auf“, ist Pia Tresch überzeugt.

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Urheber: Dirk Beyer (Wikimedia Commons)

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