Braunbär

M13 im Puschlav umstritten

  • Nora Kieselbach
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Wie der Blick am Mittwoch berichtete, möchte man M13 im Puschlav endgültig an den Pelz. Denn seit Mitte Juli hat der Braunbär Bienenstöcke geplündert, mindestens 22 Schafe gerissen und letzte Woche auf der Alp d’Ursé eine trächtige Eselin so schwer verletzt, dass das Tier eingeschläfert werden musste. Dieser letzte Angriff hat die Südbündner Bergbauern laut Blick endgültig gegen M13 aufgebracht. Die Zeitung Südostschweiz hält dagegen: Die Puschlaver seien keine Frevler!

Nicht nur Antonio Marchesi, der auf der Alp d’Ursé (die Bärenalp!) seit über zehn Jahren Esel züchtet, würde laut Blick M13 abschiessen, falls ihm der Bär vor das Visier laufen würde. Auch Schaf- und Viehzüchter Diego Cortesi und Cousin Sergio von der gegenüber liegenden Alp Albertüsc am Sassalb laden ihre Gewehre durch: hier hat der Bär die meisten Schafe gerissen.

Die Talbewohner würden den Bären auch nicht wollen – die Bevölkerung traue sich schon gar nicht mehr in die Berge, so der Blick-Artikel. Und da man seine Tiere nicht mehr auf der Alp lassen könnte, müsste man sie runter ins Tal bringen. Doch der Bär würde ihnen einfach folgen, auch in besiedelte Gebiete, da er keine Scheu vor Menschen zeige, ist Diego Cortesi überzeugt. Für ihn steht daher fest: „Bleibt M13 hier, muss ich die Landwirtschaft aufgeben.“ Und weiter: „Ich werde meine Tiere beschützen. Wenn es sein muss, mit dem Gewehr.“

Wildhüter Arturo Plozza bestätigt die Anwesenheit von M13 im Puschlav: man haben den Bären letzte Woche im Val d’Ursé geortet und momentan halte er sich in Sassalb-Nähe auf. Das Abschiessen des Bären steht für Plozza jedoch nicht zur Diskussion: „Der Bär ist ein gesetzlich geschütztes Tier. Wer ihn tötet, macht sich strafbar.“ – Blick-Artikel weiter lesen

Bei einem nicht bewilligten Abschuss von M13 würde es sich tatsächlich um Wilderei handeln, welche vom dafür zuständigen Kanton zu ahnden wäre, wie das Bundesamt für Umwelt BAFU heute in einem Artikel der Südostschweiz erklärt. In der Praxis würden jedoch laut KORA solche Fälle oft versanden – bzw. falls es überhaupt zu einer Verurteilung komme, hätten die Täter meist nur kleine Geldstrafen zu befürchten.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden erteilte keine Auskunft darüber, welche strafrechtlichen Konsequenzen ein allfälliger Abschuss eines geschützten Tieres wie Wolf oder Bär nach sich ziehen würde. Darum ein Beispiele aus dem Wallis: 2006 gab Staatsrat Jean-René Fournier sein OK für den Abschuss eines Wolfes im Walliser Chablais – trotz gegenteiliger Anweisung des Kantonsgerichts (naturschutz.ch berichtete). Er wurde dabei von der Walliser Regierung auch noch gestützt. Nach dem Abschuss liess Fournier den Wolf – ein international streng geschütztes Tier – ausstopfen und stellte die Trophäe demonstrativ in seinem Büro aus. Das Kantonsgericht verurteilte Fournier dafür im Dezember 2011 zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit bedingt.

Soweit wird es jedoch nicht kommen, denn die Puschlaver seien laut Südostschweiz „keine Frevler“. Die Darstellung der „Bärentöter vom Puschlav“ im Blick vom Mittwoch sei denn auch „reine Provokation“, meint der Gemeindepräsident von Poschiavo, Alessandro Della Vedova, auf Anfrage. Der gesetzlich geschützte Bär habe im Puschlav nichts zu befürchten; allerdings seien die Ängste in Teilen der Bevölkerung Ernst zu nehmen. – Südostschweiz-Artikel weiter lesen

Bundesamt für Umwelt BAFU
KORA

Bild: Jean-noël Lafargue [FAL] via Wikimedia Commons

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