In Appenzell Innerrhoden wurde ein junger, verhaltensauffälliger Luchs von der Jagdverwaltung erlegt. © via pixabay.
In Appenzell Innerrhoden wurde ein junger, verhaltensauffälliger Luchs von der Jagdverwaltung erlegt. © via pixabay.

Luchs wird in Appenzell Innerrhoden erlegt

  • Stefanie Wermelinger
  • 13

Eine junge Luchsin irrte seit einigen Tagen in Dörfer der Region Appenzell herum. Wahrscheinlich handelte es sich um ein verwaistes Jungtier. Schliesslich wurde die verhaltensauffällige Luchsin von der Jagdverwaltung erlegt.

Der Luchs ist seit gut 40 Jahren wieder in der Schweiz angesiedelt, nachdem er in weiten Teilen Europas und auch in der Schweiz stark verfolgt und teilweise auch ausgerottet wurde. Heute sind die Luchse vor allem in den Bergregionen der Schweiz wieder zu finden, gerade auch in der Nordostschweiz. In dieser Region musste die junge Luchsin erlegt werde.

Jungtier irrte in Dörfer umher

Seit dem Mittwoch, 10. Oktober 2018, trafen bei der Jagdverwaltung Appenzell täglich neue Beobachtungsmeldungen eines Jungluchses ein. Das weibliche Jungtier wurde in Weissbad, Steinegg und im Dorfkern von Appenzell auf einem Schulhof gesichtet und konnte beim Versuch, in Kaninchen- und Hühnerställe einzudringen, mehrmals gefilmt werden. Die Jagdverwaltung geht davon aus, dass es sich dabei um ein verwaistes Jungtier handelt.

Luchsbeobachtung am 17. Oktober 2018 in einem Quartier des Bezirks Schlatt-Haslen. © Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell I.Rh.
Luchsbeobachtung am 17. Oktober 2018 in einem Quartier des Bezirks Schlatt-Haslen. © Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden.

Abgemagert und Apathisch

Nachdem das Tier schliesslich am Mittwoch, 17. Oktober 2018, um 15.30 Uhr stark abgemagert und apathisch in einem Quartier des Bezirks Schlatt-Haslen zuerst an einem Hundezwinger und dann mitten auf der Quartierstrasse auftauchte, wurde es gemäss Bundesgesetz erlegt. Die junge Luchsin wurde gleichentags zur Untersuchung an das Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern überstellt.

Circa 190 Luchse leben in der Schweiz

Nach der Wiederansiedlung leben nun, laut WWF Schweiz, wieder circa 190 Luchse in der Schweiz. Diese trennen sich in zwei Populationen – die Population in den Alpen und diejenige im Jura. Als typischer Waldbewohner ist der Luchs im Schweizer Mittelland aufgrund der starken Entwaldung und der Besiedelungsdichte nur selten zu finden. Zwischen 2001 und 2008 wurden mehrere Luchse aus dem Jura und aus den Nordwestalpen in die Nordostschweiz umgesiedelt, seither scheint auch dieser Lebensraum besiedelt zu sein (KORA). Doch beide Populationen sind weiterhin gefährdet.

Nur 50% der Luchsjungen überleben die ersten zwei Lebensjahre

Die Paarungszeit der Luchs ist von März bis April. Während dieser Zeit sind die nachaktiven Tiere zum Teil auch tagsüber aktiv. Das Weibchen ist etwa 10 Wochen lang trächtig, bevor sie zwischen Ende Mai und Anfang Juni wirft. Meisten sind es eins bis vier, zu Beginn blinde, Jungtiere. Auf sich allein gestellt, zieht das Weibchen ihre Jungen auf. Gut zehn Monate bleiben die Jungtiere bei ihrer Mutter, bevor sie sich dann aufmachen und ihr eigenes Revier suchen. Diese Zeit ist auch die gefährlichste für die jungen Luchse. Laut KORA ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Jungtiere ihr erstes und zweites Lebensjahr überleben nur bei 50%.

Die ersten beiden Lebensjahren sind für die Jungluchse besonders gefährlich. © pixabay.
Die ersten beiden Lebensjahre sind für die Jungluchse besonders gefährlich. © pixabay.

Weitere Informationen rund um den Luchs finden Sie hier.

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13 Kommentare

  • Undine

    Man hätte das Tier ja wohl erstmal betäuben können und ihm dann zu Hilfe eilen.. Ich bin fassungslols, so ein seltenes Tier einfach zu erschießen sollte bestraft werden !!!!!!!!!!!

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  • Barbara Schumacher

    Unglaublich, es ist nicht nachvollziehbar, warum das Tier erschossen wurde. Wo bleibt da der Respekt vor dem Tier!

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  • Ines Schibli

    Warum wurde das Tier nicht eingefangen und z.B. in einen Wildtierpark verbracht? Oder später ausgewildert? So sinnlos, man mordet einfach!

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  • Kurt Schneeberger

    Ich weiss, Mutmassungen können problematisch sein, aber etwas kritischer auf die Ursachen von verwaisten Jungluchsen einzugehen, wäre doch nicht zu viel verlangt.
    Könnte es sein, dass Naturschutz.ch der in ihrer Organisation vertretenen Jägerschaft nicht auf den „Schlips“ treten möchte?
    Und ist es vermessen, anzunehmen, dass diese Jungluchsin und vermutlich mindestens ein weiteres, unbekanntes Jungtier indirekte Opfer der unter Jägern praktizierten Luchs-Wilderei sind? Der Zeitpunkt der Jagdsaison wäre dazu doch sehr ideal… Da wird doch überall geballert – ein Schuss auf eine Luchsin mit Jungen fällt da nicht auf – und es wäre für den Schützen ein „doppelter Nutzen“… Jäger wissen, dass die Jungluchse selber nur in günstigen Ausnahmefällen durchkommen werden!
    Wäre die adulte Luchsin durch einen zeitlich übereinstimmenden Autounfall umgekommen, dann wüssten die zuständigen Behörden dies. Und am noch nicht zurückgebildeten Gesäuge hätte man auch auf vorhandene Jungtiere schliessen können. Die DNA hätte dann eine Übereinstimmung gezeigt. Derartiges wurde aber nicht verlautet.

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    • Werner Müller

      Ihre Mutmaßungen kann ich nur unterstützen.

  • Annemarie Meier-Sollberger

    Unverständlich dass man das Jungtier einfach abschiesst, statt es zu betäuben, untersuchen, evtl behandeln und wieder freilassen. Aber abschiessen ist viel einfacher. Hier ist eindeutig überhaupt kein Respekt vor Leben. Traurig!!!

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    • Kurt Schneeberger

      Bin gleicher Meinung.

    • Mz Wonderful

      Wie bitte haette dieses Jungtier ohne Mutter je das Jagen erlernen sollen?
      Nein, aber ein Wildpark haette vielleicht eine Option sein koennen.

  • RH

    Erschreckend und erschütternd, wie von sog Fachkräften mit Leben umgegangen wird – einfach abschiessen, statt zuerst sedieren, analysieren und dann erst zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll (Auf-/Durchfüttern und dann Gehegetier / Vorbereitung auf Auswilderung und erst bei effktiver Hoffnungslosigkeit einen finalen Entscheid fällen)

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  • R Hofmann

    Erschreckend und erschütternd, wie von sog Fachkräften mit Leben umgegangen wird – einfach abschiessen, statt zuerst sedieren, analysieren und dann erst zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll (Auf-/Durchfüttern und dann Gehegetier / Vorbereitung auf Auswilderung und erst bei effktiver Hoffnungslosigkeit einen finalen Entscheid fällen)

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    • Kurt Schneeberger

      Ich teile Ihre Meinung, Herr Hofmann, nur… in den Jagdverwaltungen werden Sie keine Fachkräfte finden! In aller Regel sitzen an den entscheidenden Stellen Jäger und Jäger sind nun wirklich keine Fachkräfte! Auch eine mehr oder (eher) weniger anspruchsvolle Ausbildung zur Jagdprüfung ändert daran nichts! Jagdverwaltungen schützen Jäger und nicht Luchse…

  • Fuchs

    Es wird einfach abgeschossen ohne überhaupt zu versuchen das Tier durchzubringen ! Ich bin schockiert und sehr enttäuscht!

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  • P. Borkenhagen

    Befremdlich! Wurde überhaupt darüber nachgedacht, das Tier zu immobilisieren, zu behandeln und wieder auszuwildern?

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