© Stephen Thomas [CC-BY-SA-3.0], via flickr
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Living Planet Report: Jedes zweite Tier ist verschwunden

  • Roman Vonwil
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Der neuste Living Planet Report des WWF zeigt: Der Naturverlust ist dramatischer als bisher angenommen. Die erfassten Tierbestände sind nur noch halb so gross wie vor vierzig Jahren. Ganz besonders schlimm ist der Rückgang in Lateinamerika, wo er mehr als 80 Prozent beträgt. Während die Grösse der Populationen rückläufig ist, steigt der Footprint weiter an – auch in der Schweiz. Wir verbrauchen inzwischen die Ressourcen von drei Planeten.

Am 30. September 2014 erscheint der neue Living Planet Report (LPR) des WWF zum Zustand der Natur und dem Ressourcenverbrauch weltweit. Die Studie beschreibt den Rückgang der Artenvielfalt, den ökologischen Fußabdruck für 152 Länder sowie den Wasserfußabdruck der Menschheit. Dafür wurden diesmal mehr als 10‘000 Wildtierpopulationen von 3‘000 Wirbeltierarten in der ganzen Welt erfasst. Das Ergebnis: Die untersuchten Tierpopulationen  sind in den letzten 40 Jahren um durchschnittlich 52 Prozent geschrumpft. Dieser Naturverlust ist bisher unterschätzt worden. Besonders dramatisch ist die Situation in Lateinamerika. Hier wurde zwischen 1970 und 2010 ein Verlust von 83 Prozent gemessen.

Das hat auch finanziell verheerende Folgen: Die geschätzten Kosten aller Umweltschäden in der Welt betragen mehr als 6‘000 Milliarden Euro, das sind mehr als elf Prozent des globalen Bruttoeinkommens. Weltweit die stärksten Verluste gab es bei Süsswasserarten wie Fische oder Amphibien, die über die letzten 40 Jahre einen Rückgang von 76 Prozent verzeichnen mussten. Grund dafür sind hauptsächlich die Übernutzung der Bestände, der Verlust des Lebensraums und der Klimawandel. Deutlich zu spüren bekommen haben dies zum Beispiel einige Arten von Fröschen in den Regenwäldern Puerto Ricos: Innerhalb weniger Jahre sind drei Arten ausgestorben und insgesamt acht Populationen sind akut gefährdet. Auch in der Schweiz stehen zur Zeit rund 40 Prozent der bekannten Tierarten auf der Roten Liste. Traurige Spitzenreiter sind hierzulande Amphibien und Reptilien. In ausgewiesenen Schutzgebieten, so die gute Nachricht, verschwinden nur halb so viele Tiere wie in nicht geschützten Gebieten. In Nepal ist zum Beispiel die Zahl der Tiger durch intensive Schutzmassnahmen sogar um zwei Drittel gestiegen.

Der Artenschutz scheint angesichts der Armut in vielen Teilen der Erde ein Luxusproblem zu sein. Dabei ist es gerade umgekehrt, wie Damian Oettli, Leiter Konsum & Wirtschaft des WWF Schweiz, betont: „Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Hunger und Armut zu bekämpfen.“ Doch speziell die reichen Länder tragen überproportional zur globalen Umweltzerstörung bei. Wenn beispielsweise alle so leben würden wie wir hier in der Schweiz, wären die Ressourcen von 3,0 Planeten nötig. Im letzten Report von 2012 kam die Schweiz noch auf einen Footprint von 2,8 Planeten. Und obwohl viele Entwicklungsländer einen sehr tiefen Ressourcenverbrauch haben, liegt der weltweite Footprint schon bei 1,5 Planeten. Zwar gibt es bei der Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Prosperität erste Fortschritte, doch sind diese noch ungenügend.  „Wir riskieren ein Burn-Out unseres Planeten. Wir alle, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gefordert, ein Gleichgewicht zwischen Natur und Konsum zu finden“, betont Damian Oettli vom WWF Schweiz.

Der englische Living Planet Report ist hier zu finden. Eine Kurzfassung auf Deutsch ist hier verfügbar.

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