Forscher der Universität Bern haben künstliche Lichtquellen installiert, um herauszufinden, wie sich Lichtverschmutzung auf die Bestäubung durch nachtaktive Insekten auswirkt. | © UniBE / Maurin Hörler
Forscher der Universität Bern haben künstliche Lichtquellen installiert, um herauszufinden, wie sich Lichtverschmutzung auf die Bestäubung durch nachtaktive Insekten auswirkt. | © UniBE / Maurin Hörler

Lichtverschmutzung schlägt Nachtbestäuber in die Flucht

  • Mélanie Guillebeau
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Künstliche Lichtquellen, wie zum Beispiel Strassenlaternen, können die Pflanzenbestäubung durch nachtaktive Insekten um mehr als 60 Prozent reduzieren – was sich wiederum negativ auf die Fortpflanzung der Pflanzen auswirkt. Dies haben Ökologen der Universität Bern mit ihren Forschungsarbeiten aufgedeckt.

Wir alle sind auf die emsigen Insekten angewiesen, die mit der Bestäubung von Pflanzen grundlegend zu unserer Nahrungsversorgung beitragen. Doch aufgrund von intensiver Landwirtschaft, Pestiziden, eingeführten Arten, Klimawandel und dem Mangel an passenden Lebensräumen sind die Zahlen unserer Tagbestäuber, allen voran die der Bienen, schon längere Zeit im Sinkflug.

Oft geht vergessen, dass auch nachtaktive Insekten massgebend zur Bestäubung von Pflanzen beitragen. Und auch dort bahnt sich Besorgniserregendes an: Das Forscherteam um Eva Knop vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern hat aufgezeigt, dass nächtliche Blütenbesucher durch künstliches Licht, wie es von unseren Strassenlaternen emittiert wird, gestört werden. Dies scheint besonders verheerend, wenn man bedenkt, dass vor allem im Siedlungsgebiet die Lichtbelastung in den letzten 20 Jahren um 70 Prozent angestiegen ist.

300 nachtaktive Bestäuber in „dunklen“ Gebieten

Fernab der bewirtschafteten Flächen, in lichtunverschmutzten Gebieten, konnten die Forscher beinahe 300 Insektenarten zählen, die auf rund 60 Pflanzenarten ihre Bestäubungsdienste leisteten. Im Experiment wurden in diesen Gebieten daraufhin Strassenlampen installiert. Und siehe da: Die nächtlichen Pflanzenbesuche gingen um 62 Prozent zurück.

Fehlende Bestäubung, fehlende Früchte

Nachtaktiver Blütenbesucher auf einer Distel: Künstliches Licht hat die Nachtbestäuber ferngehalten. In der Folge war die Anzahl der Früchte bei der Kohldistel (Cirsium oleraceum) reduziert. | © UniBE / Eva Knop
Nachtaktiver Blütenbesucher auf einer Distel: Künstliches Licht hat die Nachtbestäuber ferngehalten. In der Folge war die Anzahl der Früchte bei der Kohldistel (Cirsium oleraceum) reduziert. | © UniBE / Eva Knop

Die Wissenschaftler haben ausserdem die Kohldistel (Cirsium oleraceum) genauer unter die Lupe genommen. Ob Tag oder Nacht, der Nektar der Kohldistel ist bei Bestäubern äusserst beliebt und die blassen Blüten dieser Kratzdistel werden daher rege frequentiert. Am Beispiel dieser Pflanze konnten die Berner Forscher zeigen, dass künstliches Licht nicht nur nächtliche Bestäuber fernhält, sondern sich auch im Fortpflanzungserfolg der Pflanze niederschlägt: Kohldisteln, die in künstliches Licht gehüllt waren, trugen rund 13 Prozent weniger Früchte, als ihre Artgenossen in lichtunverschmutzten Gegenden. Und so folgert Knop zurecht, dass die Bestäubung am Tag die Verluste der Nacht offensichtlich nicht kompensieren könne.

Es muss gehandelt werden

„Es müssten dringendst Massnahmen entwickelt werden, um die negativen Folgen der jährlich zunehmenden Lichtemissionen für die Umwelt zu reduzieren“, sagt Eva Knop, Leiterin des Berner Forschungsteam am Institut für Ökologie und Evolution.

Für die Berner Wissenschaftler ist offensichtlich, dass diese Forschungsergebnisse Handlungsbedarf aufzeigen. Die Umsetzung entsprechender Massnahmen dürfte sich jedoch schwierig gestalten, „da künstliches Licht aus besiedelten Gebieten kaum wegzudenken ist“.

Weitere Informationen können Sie der originalen Medienmitteilung der Universität Bern oder der zugrunde liegenden Studie „Artificial light at night as a new threat to pollination“ von Knop et al. (publiziert 2017 in Nature) entnehmen.

2 Kommentare

  • Christine

    Fangen wir doch einmal damit an, Beleuchtungen zu verbieten, wo man diese sehr gut wegdenken kann:des Nachts beleuchtete Bäume, was neuerdings in grossen privaten Gartenanlagen gang und gäbe ist. Das wäre einfach zu bewerkstelligen, denn auf den zu bewilligenden Bauplänen sieht man geplante Baumlichtstrahler. Zudem werden generell wieder vermehrt Gärten beleuchtet des Nachts, weils schick gefunden wird und die Ledlampen wenig Strom brauchen…..Es gäbe noch sehr viel mehr Beispiele, wo völlig unnötig beleuchtet wird.

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