Flamingo

Lichtblick für Zugvögel an der Adria

  • Nora Kieselbach
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Wie die Naturschutzstiftung EuroNatur mitteilt, hat das montenegrinische Parlament gestern beschlossen, den wichtigsten Zugvogelrastplatz an der Adria-Ostküste, die Saline Ulcinj, als Vorranggebiet für die Natur auszuscheiden. Bereits im Juni 2012 hatte das Ministerium für Tourismus und nachhaltige Entwicklung entschieden, dass das 1’500 Hektar grosse, wertvolle Feuchtgebiet grossteils unter Naturschutz gestellt werden soll. Mit der Verabschiedung des nationalen Raumplans durch das Parlament am Donnerstag wurde dieser Beschluss jetzt bestätigt – ein wichtiger Etappensieg für den Zugvogelschutz.

Noch vor wenigen Monaten deutete alles darauf hin, dass Montenegro das einzigartige Naturjuwel für den Massentourismus ausbauen wollte: Die Saline Ulcinj sollte für mindestens 257,8 Millionen Euro als Bauland versteigert werden – naturschutz.ch hat darüber berichtet. Nachdem das Vorhaben der montenegrinischen Regierung im Dezember 2011 bekannt wurde, kam es europaweit zu massiven Protesten. Mit Erfolg: Infolge des internationalen Drucks beschloss die montenegrinische Regierung im April 2012, die Saline nicht als Bauland auszuweisen und den damals gültigen Raumplan entsprechend zu ändern.

Nun muss die Gemeinde Ulcinj die nationalen Vorgaben in ihrem Nutzungsplan umsetzen – wobei enge Grenzen gesetzt sind. Denn der überwiegende Teil des global bedeutenden Feuchtgebiets muss künftig im Sinne des Naturschutzes genutzt werden. Um dies zu gewährleisten, empfiehlt der Raumplan ausdrücklich, das Gelände im Flächennutzungsplan der Gemeinde als Naturschutzgebiet auszuweisen und die Salzproduktion fortzusetzen. EuroNatur begrüsst eine Weiterführung des Salinenbetriebes auch im Sinne des Naturschutzes, denn somit wäre auch in Zukunft die Wasserzirkulation in der Saline gewährleistet.

Doch die Zukunft der Saline ist bei weitem noch nicht abschliessend gesichert: So sind die Kristallisationsbecken trotz ihres hohen ökologischen Werts gemeinsam mit den Gebäuden von der Nutzungsbeschränkung des Raumplans ausgenommen. In diesen Bereichen darf das Gelände weiterhin wirtschaftlich entwickelt werden. Dies allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Naturschutzziele des Gebiets insgesamt nicht beeinträchtigt werden. Auch der Plan, die Saline zu versteigern, ist noch nicht vom Tisch. Zwar fand sich bei den ersten beiden Auktionsterminen im Januar und am vergangenen Mittwoch kein Käufer. Der Salinenbetreiber wird aber auch weiterhin versuchen, das Gelände an zahlungskräftige Investoren zu veräussern. Durch die strengen Vorgaben des Raumplans sinkt der Kaufwert der Saline aber beträchtlich.

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EuroNatur

Bild: Aaron Logan [CC-BY-1.0] via Wikimedia Commons

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