Lizenz: CC0 Public Domain

Lichtblick für Maroni-Liebhaber dank Schlupfwespe

  • Judith Schärer
  • 1

Die Edelkastanien-Gallwespe liess Maroni-Liebhaber auch dieses Jahr wieder zittern, ob das Angebot für die Saison gesichert sei. Dank einer eingewanderten Schlupfwespen-Art werden die Gallwespen aber anscheinend in Schach gehalten und lassen die Hoffnung auf eine ausgiebige Maroni-Saison wieder aufleben.

Die Situation in der Maroni-Produktion scheint sich beruhigt zu haben. Nachdem in den letzten Jahren die Ernte in Italien und der Schweiz zum Teil auf nur einen Zehntel der normalen Menge beschränkt war, sei man im Tessin immerhin wieder bei der Hälfte der üblichen Produktion angekommen. Dies ist teilweise wohl auch einem kleinen geflügelten Parasiten zu verdanken. Wie das Amt für Wald und Wild des Kantons Zug verkündet, ist dem ersten Eindringling, der Gallwespe, nun nämlich ein zweiter gefolgt. Wissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) konnten nachweisen, dass viele Larven der Edelkastanien-Gallwespe nun selbst parasitiert werden. Dies erfolgt durch eine ebenfalls aus China stammende Schlupfwespe. Diese legt ihre Eier in die heranwachsenden Gallwespen-Larven. Als Parasit entwickelt sich die Schlupfwespe in den Larven und bringt diese zum Absterben.

In Norditalien wurde 2004 die Chinesische Schlupfwespe gezielt ausgesetzt, um gegen die Edelkastanien-Gallwespe vorzugehen. Innert weniger Jahre konnte dort ein signifikanter Befallsrückgang festgestellt werden. Obwohl die Edelkastanien auch im Tessin sehr stark durch die Gallwespe befallen wurden, verweigerte das Bundesamt für Umwelt eine aktive Einführung der Schlupfwespe in der Schweiz. Die biologische Bekämpfung einer eingeschleppten Art durch das aktive Aussetzen einer anderen nicht heimischen Art, wurde als zu grosses Risiko beurteilt. Es ist nämlich unklar, wie sich die Chinesische Schlupfwespe in unserem Ökosystem mittel- und langfristig verhält.  Trotz Verbot der aktiven Aussetzung wurde die chinesische Schlupfwespe vor zwei Jahren erstmals im Tessin nachgewiesen und hat sich nun scheinbar ihren Weg auch in die nördliche Schweiz gebahnt. An der «Walchwiler Riviera» im Kanton Zug, wo an sonnenexponierten Hängen viele Edelkastanien wachsen, wurde der Parasit nun auch nachgewiesen.

„Der aktuelle Nachweis einer chinesischen Schlupfwespe in Walchwil kommt für uns völlig unerwartet“, äussert sich Beat Forster von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Beat Forster und seine Kollegen haben die Schlupfwespe genetisch analysiert. „Es handelt sich um einen Erstnachweis in der Deutschschweiz“, meint er weiter. Man kann hoffen, dass dadurch die Ausbreitung der Edelkastanien-Gallwespe in Walchwil gestoppt und die Kastanienbestände gerettet werden. Das wäre der Idealfall. Der worst-case aber besteht darin, dass die eingeschleppte Chinesische Schlupfwespe aber ganz andere, heute noch nicht absehbare Folgen für unser Ökosystem hat.

Die Preise an den Maroni-Ständen dürften sich diese Saison jedoch kaum ändern, auch wenn die verfügbaren Kastanien wieder zunehmen. Wie die Sendung „Espresso“ von SRF erklärt, hätten viele Anbieter ihre Preise während der Knappheit in den letzten Jahren gar nicht erhöht. Nun müssen die Verluste der mageren Jahre wieder kompensiert werden.

Detaillierte Informationen zu der Edelkastanien-Gallwespe inklusive Verbreitungskarte finden Sie hier >>

1 Kommentar

  • Sonja

    Liebi Mamuschka- das han ich grad über d Frag obs de Kastaniebeständ guet gaht gfunde! Zum Läse! Han di fescht lieb und es gaht mer hüt scho besser :.) Anita

    Antworten

Beitrag kommentieren