© Birgit Fostervold [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
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Lauschen Sie dem „Flüstern“ der Bäume

  • Mélanie Guillebeau
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„Klick“, „Gurgel“, „Schh“ – ungefähr so tönt es, das „Flüstern“ der Bäume. Doch wie kommt es zustande und warum hören wir es nicht, wenn wir an einem Baum vorbeischlendern? Und noch wichtiger, was wollen uns die Bäume damit mitteilen? Diesen Fragen geht Marcus Maeder im Rahmen des Forschungsprojektes „trees“ auf den Grund.

„Durstige Pflanzen machen unhörbaren Lärm“, so beschreibt Marcus Maeder der Zürcher Hochschule der Künste gegenüber dem Magazin Zett das aussergewöhnliche Phänomen der „flüsternden“, durstigen Bäume.

Kavitation lässt Bäume „flüstern“

Bäume lassen extreme Durststrecken nicht sang- und klanglos über sich ergehen, sondern „klagen“ lauthals. Das „Klagen“ entspringt dem plötzlichen Unterbruch des Wasserflusses, in der Fachsprache auch Kavitation genannt: Aufgrund der Pflanzentranspiration zirkuliert das Wasser in einem Baum fortwährend. Denn wenn durch die Sonne Wasser auf den Blättern verdunstet, wird an der Wurzel vermehrt Wasser angesogen und der Nachschub von den Wurzeln über Leitgefässe zur Baumspitze transportiert. Während Trockenperioden verringert sich dieser Wassernachschub, wodurch sich die Leitgefässe verengen oder im Extremfall komplett verschliessen. In der Folge stoppt der Saftfluss abrupt, was die Erzeugung von Ultraschallpulsen hervorruft.

Ähnlich wie bei einem Strohhalm stoppt auch in den Leitgefässen eines Baums der Wasserfluss, wenn von unten kein Nachschub kommt. Dies wird Kavitation genannt und erzeugt Ultraschallgeräusche, die hörbar gemacht werden können. | © Eero Kiuru [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Ähnlich wie bei einem Strohhalm stoppt auch in den Leitgefässen eines Baums der Wasserfluss, wenn von unten kein Wassernachschub kommt. Dieses Ereignis wird Kavitation genannt und erzeugt Ultraschallgeräusche, die Bäume während Trockenheit „flüstern“ lassen. | © Dennis Skley [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Den Bäumen eine (hörbare) Stimme verleihen

Für lange Zeit blieb uns dieses „flüsternde Klagen“ vorenthalten, da die hochfrequenten Ultraschallpulse ausserhalb des menschlichen Frequenzbereichs liegen und somit nicht wahrnehmbar für unser Gehör sind. Mithilfe von Technik – genauer Ultraschallsensoren – können wir dem „Flüstern“ der Bäume ebenfalls lauschen. Auch Maeder vermag den Bäumen ihr „Flüstern“ zu entlocken, das sich wie folgt anhört:

Das „Flüstern“ einer Waldföhre. | © Marc Maeder, via wsl.ch

 

Das Flüstern der Bäume entschlüsseln

Als Leiter von „trees“, einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und dem Institute for Computer Music and Sound Technology ICST der Zürcher Hochschule der Künste, ist Maeder nicht nur an den „Flüster“-Aufnahmen, sondern auch an deren Bedeutung interessiert. Denn wer dem „Flüstern“ der Bäume lauscht, kann viel über deren physiologischen Zustand erfahren. Nebst den Kavitations-Geräuschen produzieren Bäume weitere Ultraschallpulse, denen unter anderem Informationen zum Tag- und Nachtrhythmus sowie den Lichtverhältnissen entnommen werden können. In einem nächsten Schritt möchten die Forscher anhand von Langzeitmessungen herausfinden, ob sich die Auswirkungen des Klimawandels ebenfalls im „Flüstern“ der Bäume niederschlagen.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt „trees“ finden Sie auf der Website des WSL oder der ZHDK

2 Kommentare

  • Samira

    Gestern habe ich noch den Waldkindern erzählt, dass die Bäume „sprechen“ und wir dies nur hören mit speziellen Geräten. Nun habe ich den Beweis und kann es den Waldkinder per Händy hören lassen. 👏👏

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  • André

    gefällt mir, jetz höre ich den Bäumen zu …

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