Langfristige Waldforschung nutzt der Forstpraxis

  • Monika Jung
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101111_bild_plenterwaldIn Plenterwäldern wird laufend so viel Holz genutzt wie nachwächst, kleinflächig und ohne dass Kahlflächen entstehen. Schweizer Plenterwälder gelten im In- und Ausland als beispielhaft für die nachhaltige Waldbewirtschaftung. Im Emmental werden einige von ihnen seit 1905 von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL erforscht, in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Wald des Kantons Bern. Anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums der WSL zogen beide Institutionen Bilanz: Die Ergebnisse aus der langfristigen Waldwachstumsforschung helfen der Forstpraxis, die Wälder optimal zu bewirtschaften.

Seit 105 Jahren wird in den Plenterwäldern des Emmentals geforscht. Auf den Versuchsflächen der WSL im Toppwald bei Konolfingen sind seitdem wertvolle Forschungsergebnisse entstanden. Die langfristigen Untersuchungen zeigen unter anderem, dass der Holzzuwachs in den letzten 80 Jahren um 50 Prozent zugenommen hat.

Vor über hundert Jahren standen vor allem Fragen der Walderhaltung und der Sicherung des Schutzes vor Naturgefahren durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung im Vordergrund der Waldforschung. „Heute steht der Wald vor allem dort im Mittelpunkt, wo über die global steigende Nachfrage nach Holz und nach erneuerbaren Energien sowie über die Folgen des Klimawandels diskutiert wird“, sagt Andreas Rigling, Direktionsmitglied der WSL. Viele der im Umweltbereich neu aufgetauchten Fragen liessen sich dank der langfristigen Versuchsreihen und Datenarchive der WSL mindestens teilweise beantworten, so der Waldforscher, der seit einigen Jahren selber im Wallis beobachtet, wie die Waldföhre klimabedingt durch die Flaumeiche ersetzt wird.

Plenterwaldbewirtschaftung bedeutet zerstörungsfreie, einzelstammweise Holznutzung sowie in hohem Ausmass Nachhaltigkeit bezüglich der Holz- und Energieversorgung, des Einkommens, der Waldverjüngung und des Ökosystems. Im reich strukturierten Tannen-Fichten-Buchen-Wälden finden viele Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum. Dennoch ist auch die Plenterwaldwirtschaft ist stets mit viel Arbeits- und somit Kostenaufwand verbunden. Für den Bewirtschafter geht die Rechnung am Ende ebenso knapp auf wie in anders bewirtschafteten Wäldern. Wenn es jedoch gelänge, den Wert der Plenterwälder für die Erholung, die Ökologie, den Boden- und Grundwasserschutz zu beziffern und als Erlös zu verbuchen, dann dürfte der Plenterwald anderen Bewirtschaftungsformen gegenüber vermutlich im Vorteil sein. Hier ist die ökonomische Forschung gefragt, die in diesem Zusammenhang wichtige Grundlagen für künftige Ent­scheide erarbeiten kann.

Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Bild: A. Zingg/WSL

1 Kommentar

  • L. Bill

    Dass nur so viel Holz genutzt wird wie nachwächst trifft auf den gesamten Wald in der Schweiz zu.
    In Sachen Artenvielfalt können Plenterwälder nicht mit Wäldern mithalten, in welchen auch mal eine Kahlfläche erlaubt ist. Solche Flächen sind voller Licht, und somit auch voller lichtbedürftiger Tier und Pflanzenarten.Reptilien, Orchideen, Schmetterlinge, Speierlinge, Eichen, Mittelspecht etc.
    Plenterwälder sind auch nicht so naturnah wie alle meinen. Sie stehen viel mehr als Beispiel für von Menschen erschaffene und gepflegte Wälder. Naturnahe Wälder wären Parkartig aufgebaut. Ein Mosaik aus offenen und bewaldeten Flächen.
    Und zum Thema „Folgen des Klimawandels“: Ein Wald mit 30 Baumarten ist wesentlich anpassungsfähiger als ein Wald mit 3 Baumarten.
    Nicht falsch verstehen… Plenterwälder sind wunderschön und wichtig, können aber auch kein „Universalrezept“ darstellen.
    So vielfältig wie die Natur sich darstellt, so vielfältig müssen sich auch die Waldformen präsentieren.

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