Landschaftswandel schreitet voran: weniger Obstbäume, mehr Strassen

  • Redaktion Naturschutz
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Der Landschaftswandel in der Schweiz schreitet stetig voran. In der dritten Fortschreibung der Studie «Landschaft unter Druck» der Bundesämter für Raumentwicklung (ARE) und Umwelt (BAFU) sind diese Landschaftsveränderungen in ihrer Summe sichtbar.

Während die Obstbäume in der Beobachtungsperiode 1989-2003 jährlich um 66'695 Stück weiter abnahmen, zeigen die Ergebnisse der Studie bei den Gewässern eine positive Entwicklung: 119 Kilometer unterirdisch verlegte Bäche stehen 153 Kilometer renaturierten und neu geschaffenen Fliessgewässern pro Jahr gegenüber. Die Hecken nahmen jährlich um 62 Kilometer zu.
Die Waldfläche vergrösserte sich mit 1'339 Hektaren pro Jahr etwas weniger zu als in den vorgehenden Perioden. Die Waldfläche nahm weitgehend auf natürliche Weise zu. Sie ist vor allem auf das Einwachsen von landwirtschaftlichen Grenzertragsböden im Alpenraum und in der Südschweiz zurückzuführen.

Im Bereich Bauten und Anlagen besteht weiterhin eine grosse Dynamik. In der Beobachtungsperiode 1989-2003 wurden jährlich 1'841 Kilometer Wege und Lokalstrassen verändert. 247 Kilometer davon betreffen neu gebaute Strassen und Wege. Ausserhalb der Bauzone nahmen Anlagen wie Mobilfunkantennen und Wasserreservoire stark zu: Pro Jahr waren es 413 Anlagen, gegenüber jährlich 244 in der vorangehenden Beobachtungsperiode 1984-1995.

Betrachtet man diese Landschaftsveränderungen gar im Zeitraum von 32 Jahren, so verschwanden über 2 Millionen Obstbäume und bei den Bachläufen wurden insgesamt 920 Kilometer eingedolt. Demgegenüber sind 2'448 Kilometer Hecken neu entstanden und die Waldfläche vergrösserte sich um total um 46'464 Hektaren. Dies entspricht etwa der Fläche des Kantons Obwalden. Die Wege und Strassen haben im Zeitraum von 32 Jahren um 59'656 Kilometer zugenommen. Diese Strecke reicht anderthalbmal um die Welt. Obwohl im Zeitraum von 32 Jahren auch erfreuliche Entwicklungen wie die Revitalisierung der Fliessgewässer zu verzeichnen sind, hat die Vielfalt der Landschaft insgesamt stark abgenommen. Betroffen davon sind vor allem das Mittelland und das Berggebiet.

«Wir verbrauchen unser Land so, als hätten wir eine zweite Schweiz im Hosensack», stellt Otto Sieber, Pro Natura Zentralsekretär, konsterniert fest. «Die Landschaft ist keine erneuerbare Ressource. Ihr Verschleiss muss gestoppt werden.» Pro Natura fordert Bund und Kantone auf, den Verfassungsauftrag zur haushälterischen Nutzung des Bodens endlich ernst zu nehmen. (sb)

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