Am 24. September stimmt die Schweiz über den Gegenvorschlag zur Volksinitiative für Ernährungssicherheit ab. | © GLOBAL 2000 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Am 24. September stimmt die Schweiz über den Gegenvorschlag zur Volksinitiative für Ernährungssicherheit ab. | © GLOBAL 2000 [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

JA zu sicherer Ernährung – JA am 24. September

  • Julia Hatzl
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Ein JA am 24. September muss als Auftrag für eine klar ökologisch ausgerichtete Landwirtschaftspolitik verstanden werden. Das sagen die Umweltverbände zum Auftakt ihrer JA-Kampagne – und fordern Gesetzesanpassungen im Rahmen der Agrarpolitik 2022+, in die im Verfassungsartikel vorgezeichnete Richtung.

«Bei der Volksabstimmung zur Ernährungssicherheit geht es um eine ökologische, und in diesem Sinne sichere und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion», fasst Urs Leugger-Eggimann, Zentralsekretär von Pro Natura, die Gründe für das Engagement der Umweltverbände im Abstimmungskampf zusammen. «Wir sagen ‘JA’», ergänzt Werner Müller, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz, «weil wir endlich eine sichere, dem Standort angepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion in der Schweiz wollen.» Mit diesen Statements informieren Pro Natura, WWF Schweiz, BirdLife Schweiz und Greenpeace in einer gemeinsamen Medienmitteilung über die kommende Abstimmung zur Ernährungssicherheit.

Ökologische Defizite der Agrarpolitik anpacken

Die Schweiz verfügt von Haus aus über ausserordentlich gute Voraussetzungen für eine nachhaltige und gesunde Landwirtschaft. Eine noch grossteils ausreichende Wasserversorgung sowie fruchtbare Böden lassen auf künstliche Bewässerung und massiven Düngereinsatz verzichten. Kurze Transportwege durch regionalen und saisonalen Anbau bedeuten weniger CO2-Ausstoss und die Nachverfolgung von Lebensmitteln vom Anbau bis hin zum Teller wird transparent.

Der Weg von Lebensmitteln vom Anbau bis auf den Teller ist oft nur unzureichend nachvollziehbar. [], via Wikimedia Commons
Der Weg von Lebensmitteln vom Anbau bis auf den Teller ist oft nur unzureichend nachvollziehbar. | © Boxborough [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Doch wird Landwirtschaft in der Schweiz oft nicht nachhaltig und ökologisch betrieben und Produkte werden vermehrt aus dem Ausland importiert. Verena Müllberger, Co-Geschäftsleiterin von Greenpeace Schweiz, weisst darauf hin, dass bisher kein einziges der im Jahr 2008 vom Bund zusammengestellten, seit Jahren oder sogar Jahrzehnten gesetzlich vorgegebenen Umweltziele für die Landwirtschaft erfüllt worden sind und es an der Zeit ist endlich etwas daran zu ändern. Vertreter weiterer Umweltorganisationen betonen, wie wichtig es ist, ökologische Prinzipien in der Bundesverfassung zu verankern. Denn: Die Umwelt-Defizite der heutigen Schweizer Landwirtschaft sind schon jetzt offensichtlich und spürbar.

Ein 2015 veröffentlichter Bericht des Bundesamts für Umwelt BAFU bestätigt die hohe Pestizidbelastung Schweizer Gewässer. Über 100 der 300 zugelassenen Wirkstoffe in Pestiziden konnten in Wasserproben nachgewiesen werden und stellen ein potenzielles Gesundheitsrisiko dar. Einerseits können Konzentrationen in Gewässern so hoch werden, dass sie tödlich für Kleinlebewesen sind und das gesamte ökologische Gleichgewicht zerstören. Andererseits nehmen wir mit unser Trinkwasser Pestizidrückstände direkt auf und werden einem erheblichen Risiko ausgesetzt.

Vermeintlich saubere Schweizer Gewässer enthalten oft einen giftigen Cocktail aus Düngerresten und Pestiziden. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Vermeintlich saubere Schweizer Gewässer enthalten oft einen giftigen Cocktail aus Düngerresten und Pestiziden. | © Mara Tr. [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Abgesehen von den Auswirkungen von exzessivem Pestizideinsatz hat die heutige konventionell betriebene Landwirtschaft weitere negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Thomas Vellacott, Geschäftsführer WWF Schweiz nennt einige Beispiele:

  • Die Fruchtbarkeit des Bodens und die Biodiversität nehmen ohne nachhaltige Bewirtschaftung ab
  • Unnötiger, massiver Nährstoffüberschuss durch Düngung belastet die Ökosysteme und das Klima
  • Die hohe Überbauungsrate von fruchtbarem Kulturland führt zu starken Verlusten von möglichen Landwirtschaftsflächen

Was sich ändern muss

Aus diesen Gründen, und damit die Nahrungsmittelproduktion bei Annahme der Landwirtschaftsvorlage am 24. September 2017 sicherer und nachhaltiger wird, braucht es gemäss der grossen Umweltverbände Gesetzesanpassungen bei der Agrarpolitik 2022+. Dadurch kann mitbestimmt werden, wie und wo unsere Lebensmittel hergestellt werden. Das Landwirtschaftsgesetz muss in folgenden Bereichen angepasst werden:

  • Regeln für eine standortangepasste Landwirtschaft, um die massiven Nährstoffüberschüsse zu reduzieren und den Rückgang der Biodiversität zu stoppen
  • Klare Bestimmungen zur Senkung der Belastung unserer Gewässer mit Pestiziden und Nährstoffen
  • Griffige Massnahmen zum Schutz des Bodens, um die Überbauung und Erosion der Böden zu verhindern und so die Lebensmittelproduktion langfristig zu sichern

Unterstützung aus allen Reihen

Neben den Umweltverbänden gibt es noch Unterstützung seitens der Bauern: Bio-Landwirt Stéphane Vial aus Châtel-St-Denis setzt sich wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen schon heute in der täglichen Arbeit für Biodiversität und ökologische Produktion ein, wie er an der Medienkonferenz erläutert. Vial betont:

«Uns Bauern stehen zahlreiche Massnahmen zur Verfügung, mit denen wir Artenvielfalt, Bodenqualität und die traditionelle Kulturlandschaft fördern können. Es geht dabei um nichts weniger als den Erhalt unserer Lebens- und Wirtschaftsgrundlage.»

Ein JA am 24. September stärkt die ökologisch fortschrittlichen Bäuerinnen und Bauern. Ein JA schützt unsere Natur und Umwelt. Und ein JA setzt ein wichtiges Signal, damit die ökologischen Probleme endlich behoben werden. Darum empfehlen die Umweltorganisationen ein überzeugtes, ökologisches JA zu dieser Vorlage.

Weitere Informationen finden Sie auf www.oekologische-landwirtschaft.ch 

Umfrage Abstimmung Ernährungssicherheit

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    Diese Umfrage ist anonym und dient nur dazu, die Stimmung der Bevölkerung zu erfassen.

1 Kommentar

  • Christine

    Endlich! Es braucht Regeln, klare Bestimmungen, griffige Massnahmen, das schleckt keine Geiss weg. Auch die Biobauern realisieren das nun, offenbar, denn nur dadurch werden ihre Bemühungen belohnt.
    Die Initiative trägt allerdings einen komischen und irreführenden Titel…ist aber egal, Hauptsache die Landwirtschaft wird endlich ökologischer, drum: Ja klar!

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