26. Juli 2012 | Alpen | Von

Lama gegen Wolf

Wie der Tagesanzeiger heute in seiner Online-Ausgabe schreibt, haben die Bauern im Entlebuch versuchsweise eine neue Art des Herdenschutzes im Kampf gegen den seit 2009 herumstreunenden Wolf M20 eingeführt: Lamas! Die neugierigen und furchtlosen Tiere sollen mithelfen, den Wolf zu vertreiben.

Im hintersten Entlebuch hat M20 dieses Jahr bereits fünf Schafe gerissen. Doch es formiert sich weitere Gegenwehr, denn seit neustem stehen dort nicht nur geschulte Schutzhunde und zwei robuste Esel den wehrlosen Schafherden bei, sondern auch noch fünf zweijährige Lamas. Diese fliehen nicht vor Eindringlingen sondern sind von Natur aus neugierig, beäugen herdenfremde Tiere und stellen sich ihnen notfalls in den Weg. Gut möglich, dass Lamas daher auch imstande sind, einen Wolf oder wildernde Hunde in die Flucht zu schlagen.

Initiiert wurde das Pilotprojekt mit Lamas im Entlebuch (und am Col des Mosses im Waadtland) durch die Landwirtschafts-Entwicklungsorganisation Agridea. Laut deren Herdenschutzspezialist Daniel Mettler werden Lamas bereits in diversen Ländern erfolgreich als Herdenschutztiere gegen Kojoten und Kleinraubtiere eingesetzt. Denn Lamas greifen bei Gefahr an, rennen auf den Angreifer zu und versuchen ihn mit drohendem Stampfen, Fusstritten, Beissen und manchmal mit Spucke zu vertreiben, wie es die Hengste im Kampf um den Chefposten untereinander auch tun. Gegen einzelne Wölfe könnte dies Wirkung zeigen, denn vor unbekannten Situationen scheuen sie eher zurück.

Für kleinere Nutztierherden könnten folglich Lamas im Kampf gegen einzelne Wölfe eine Alternative zu Schutzhunden darstellen. Diese geraten immer wieder in die Schlagzeilen, da sie sich nicht nur gegenüber Wölfen aggressiv verhalten, sondern oft auch bissig gegen Wanderer vorgehen. Ausserdem sind die anspruchslosen Lamas in Sachen Ausbildung und Haltung viel weniger zeitraubend und kostenintensiv als die Hunde. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, sie so in die Herde einzufügen, dass sie sich für die Schafe verantwortlich fühlen. In den Versuchsbetrieben ist jedoch die Integration in die Schafherden, die schon im Mai und noch unten auf den Talweiden begann, rasch gelungen, und die Lamas seien extrem aufmerksam, berichtet der Escholzmatter Lamazüchter René Riedweg. Schon wegen Vögeln oder Geräuschen in der Nähe höben sie sofort den Kopf und spitzten wachsam die Ohren.

Weitere Informationen

Pilotprojekt Herdenschutz mit Lamas

Agridea

Bild: © Nevit Dilmen [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

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