© Malene Thyssen (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
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Lässt der Bund schon bald Jungwölfe abschiessen?

  • Benjamin Kämpfen
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Das BAFU plant, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern und will damit den Jägern, der Landwirtschaft und der Bergbevölkerung entgegen kommen. Unter anderem sollen neu auch Jungwölfe im einzigen Wolfsrudel am Calanda abgeschossen werden können. Die Naturschutzorganisationen zeigen sich enttäuscht.

Das Bundesamt für Umwelt BAFU kündigt heute die Revision der Jagdverordnung an. Darin sind einige brisante Neuerungen enthalten. Wie das BAFU schreibt, möchte es den Bedenken der Landwirtschaft, der Jäger und der Bergbevölkerung Rechnung tragen. Dazu soll unter bestimmten Voraussetzung ein erleichterter Abschuss von Wölfen ermöglicht werden. Neu soll etwa der Abschuss von Jungwölfen in Gebieten mit Wolfsrudeln möglich sein, wenn sich die Jungtiere wiederholt innerhalb oder in unmittelbarer Nähe von Siedlungen aufhalten oder „zu wenig Scheu zeigen vor menschlichen Siedlungen“.

Pro Natura und der WWF Schweiz zeigen sich in einer Stellungnahme enttäuscht und bezeichnen das Vorgehen des Departements von Bundesrätin Doris Leuthard als kontraproduktiven Schnellschuss. Die Stossrichtung sei klar: Es sollen immer mehr Wölfe immer schneller abgeschossen werden können. Wer bei einem landesweiten Gesamtbestand von gerade mal 25 Wölfen so drastische und unpopuläre Massnahmen plane, folge der Polemik und Panikmache von ein paar Wenigen, so die Naturschutzorganisationen. Auf der Strecke bleibe eine moderne Biodiversitätspolitik, die unter Management mehr versteht als den Griff nach dem Gewehr. Die Gruppe Wolf Schweiz schreibt auf Facebook von einem „schwarzen Tag für die Raubtiere in der Schweiz“.

Schwarzer Tag für die Raubtiere in der Schweiz (Gruppe Wolf Schweiz)

Pro Natura und der WWF Schweiz sind überzeugt, dass eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung eine Politik ablehnt, die regelmässig Abschüsse von Wolfsjungen zulässt. Sie fordern seit langem ein nationales sachgerechtes Wolfsmanagement, das nicht nur aus Abschüssen besteht, sondern auch die ökologisch wichtige Rolle des Wolfes (z.B. in die Jagdplanung und den Waldbau), mehr Herdenschutz, sachliche und breite Information der Bevölkerung sowie touristische Aspekte mit einbezieht. Offenbar wird die Stimme der lösungsorientierten Akteure aber bisher nicht wahrgenommen.

Aufhorchen lässt ein Projekt, welches das BAFU gestartet hat, in dem das Verhalten der Jungwölfe des einzigen Schweizer Wolfsrudels (am Calanda) untersucht wird. So sollen die Umstände untersucht werden, warum die Tiere Siedlungen aufsuchen. Unter anderem interessiert das BAFU, wie das Rudel reagiere, wenn „ein Jungwolf abgeschossen würde“. Ob das Projekt bereits mit dem Abschuss von Jungwölfen plant, konnte am Abend nicht mehr in Erfahrung gebracht werden.

Daneben kündigt das BAFU an, im überarbeiteten Luchskonzept die Möglichkeit zur Bestandesregulation vorzusehen. Dies, wenn die Kantone wegen der Präsenz von Luchsen die „angemessene, jagliche Nutzung der Wildbestände“ nicht mehr gewährt sehen. Das BAFU bleibt somit der eingeschlagenen Linie treu und gewährt den Jägern einen Anspruch auf Jagderfolg.

2 Kommentare

  • Grob

    Alles was vier Pfoten hat und dies den mächtigen Hohlköpfen nicht ins konzept passt wird einfach abgeschossen.Denken wir doch daran das all die Grosstiere schon vor unsere Zeit da waren.Glaube kaum das es keine lösungen dafür geben könnte um diese Situation zu ändern.

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  • Bütschli Bernhard

    Solange ein Walliser „Oberäger“ des Bundes ist, wird es den Bären, Wölfen und dem Luchs an den Pelz gehen. Es wird geschrien, wenn ein Wolf oder Bär ein Schaf reisst. Die Angst vor den Tieren wird aufgebauscht.
    Aber man soll endlich die Schafbesitzer dazu zwingen ihre Herden nicht einen sommerlang unbewacht zu lassen. Keine Bewachung kein Geld. Zudem bekommen sie vom Bund für ein gerissenes Schaf mehr als vom Metztger.
    In anderen Länder geht es auch miteinander, aber bei uns (Wallis/ Graubünden) ist es nicht möglich. Da wird auch in Zukunft einfach geschossen so oder so.

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